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Civilization: Das Brettspiel

Von in Tests – Montag, 05. Sep. 2011, 17:21 Uhr

Umsetzungen von Videospielen in Filme, Bücher oder auch Comics sind heutzutage nichts neues mehr und gehören bei größeren Titeln mittlerweile sogar zum guten Ton. Doch nicht nur in den Bereichen der altbekannten Unterhaltungsmedien praktizieren die Hersteller von großen Reihen sogenanntes Cross-Marketing wie die kürzlich bei uns eingetroffene Brettspiel-Version des bekannten und beliebten PC-Strategietitels Civilization erneut beweist. Damit fügt sich die alteingesessene Serie in die Reihe jener Videospiele ein, die eine Umsetzung als ein „analoges Spielvergnügen“ spendiert bekommen hat. Voller Vorfreude, aber auch mit ein wenig Skepsis haben wir uns aufgemacht, um an der Spitze einer Nation die Welt in Brettspielform zu erobern.

Die erste Frage die sich stellte, als ich den Karton des Brettspiels erstmals öffnete, war, wie das zwar simple, aber trotzdem komplexe Spielprinzip von Civilization in einem Brettspiel wohl umgesetzt sein würde. Dass es durchaus praktikable Möglichkeiten dafür gibt, zeigen bereits seit Jahren andere namhafte Brettspiele wie Die Siedler von Catan. Und auch für die gelungene Umsetzung eines Videospiels lassen sich bereits einige Beispiele finden, darunter auch die beiden großen Blizzard-Reihen Warcraft und Starcraft sowie die Anno-Reihe. Letztlich bewahrheitet sich meine erste Vermutung, als ich die zahlreichen Spielplättchen und die für ein Brettspiel relativ dicke Anleitung aus dem Karton nahm. Sofort war klar: Civilization: Das Brettspiel ist komplex und eher für fortgeschrittene Spieler geeignet. Dennoch sollte sich niemand von der Anzahl an Regeln und den vielen Kleinteilen abschrecken lassen, da einem sonst ein durchaus spaßiges Spielerlebnis entgeht.

Aber wie genau wurde Civilization nun umgesetzt? Die Antwort darauf ist relativ simpel: Alle wichtigen Elemente wurden ins Spiel integriert, während zu komplexe Besonderheiten wie etwa die Religionen außen vor gelassen wurden. Weiter müssen sich Kenner der PC-Spiel-Reihe mit einigen Abstrichen zufrieden geben, die aber dem Spielgefühl zu Gute kommen. So kann jeder Spieler beispielsweise maximal nur drei Städte bauen und auch die bekannten Bautrupps und Verbesserungen um eine Stadt sind dem Rotstift zum Opfer gefallen. Dafür werden die in der Stadt errichteten Gebäude und Wunder in die Randfelder direkt um die Stadt herum gelegt und werten somit die Erträge von diesen auf oder verändern diese zumindest. Doch bevor ich an dieser Stelle schon zu weit ins Detail gehe, sollte erst einmal der Grundlegende Spielaufbau erläutert werden.

Wie ihr den Fotos in unserer Bildergalerie entnehmen könnt, fällt der Spielplan je nach Spieleranzahl unterschiedlich groß aus. Zusammengesetzt wird er aus mehreren Spielplanteilen, die jeweils vier mal vier Felder groß sind. Während die Spielplanabschnitte der jeweiligen Herrscher immer fest vorgeben sind, werden die anderen Teile zufällig aus den weiteren Planteilen zusammengesetzt. Zusätzlich muss auch der Marktplan am oberen Ende des Spielplans aufgebaut werden. Hier werden die Gebäudeplättchen, Weltwunder, Einheitenkarten, Militär- und Kulturmarker sowie Kulturereigniskarten platziert. Hat jeder Spieler schließlich seine Nation gewählt, die jeweils spezifischen Vorgaben erfüllt, beginnt das Spiel, wobei jede Runde in mehrere Phasen unterteilt ist: Rundenbeginn, Handel, Städteverwaltung, Bewegung, Forschung. Dabei geben die Namen der einzelnen Phasen recht gut an welche Aktionen in ihnen absolviert werden, weshalb ich in diesem Artikel nicht zu detailliert darauf eingehen möchte. Im Grunde finden sich aber alle Grundlegenden Möglichkeiten der bekannten PC-Spiele hier wieder. Ihr könnt Städte gründen, eure Staatsform ändern, Handel mit anderen Spielern betreiben, in euren Städten etwas bauen oder diese sich den Künsten (bringt Kultur ein) widmen lassen, eure Armee- und Pionierfiguren bewegen und forschen. Das alles ist wirklich sehr gut umgesetzt worden und lässt sogar das gewohnte Civilization-Gefühl entstehen, wobei natürlich jedem der die PC-Spiele kennt die Unterschiede auffallen. So erhaltet ihr beispielsweise nicht automatisch in jeder Runde die Kultur, die eure Stadt erzielt, sondern müsst dies als Aktion der Stadt durchführen und könnt damit in dieser Runde in der jeweiligen Stadt nichts anderes mehr machen. Auch fällt der Teil mit dem Gold und der Wirtschaft deutlich differenziert aus.

Anstatt über feste Einkünfte zu verfügen, wird euch für jede Goldmarkierung, die im Umkreis einer eurer Städte liegt oder die ihr durch ein Gebäude beziehungsweise eine Technologie erhaltet, als entsprechender Marker auf eurer Zivilisationskarte gutgeschrieben. Erreicht ein Spieler 15 Goldmarker, gewinnt dieser das Spiel mit einem Wirtschaftssieg. Des weiteren dienen die Münzen dazu Handelspunkte zu behalten, wenn diese für die Forschung eingesetzt werden. Handelspunkte wiederum erhält jeder Spieler automatisch in der Handelsphase. Verwendung finden die Handelspunkte bei mehreren unterschiedlichen Optionen. In erster Linie dienen sie dazu eure Forschung voranzutreiben, können aber auch für Produktionspunkte ausgeben werden, um in einer Stadt ein zu teures Gebäude zu bauen. Außerdem benötigt ihr sie im späteren Verlauf zusätzlich zu den Kulturmarkern um auf der Kulturanzeige voranzuschreiten und euch somit einen Kultursieg zu sichern. In erster Linie finden sie aber bei der Forschung Anwendung. Die Forschung an sich ist in vier Stufen eingeteilt, wobei jede Stufe eine höhere Zahl an Handelspunkten benötigt. Außerdem greift bei der Forschung die sogenannte Forschungspyramide. Das bedeutet im Grunde, dass ihr nur dann eine Stufe-2 Technologie erforschen könnt, wenn ihr bereits zwei Stufe-1-Technologien besitzt. Selbiges gilt auch für die weiter oben folgenden Stufen. Einen Wissenschaftssieg könnt ihr demnach nur erreichen, wenn ihr mindestens 14 Technologien erforscht habt, da ihr hierfür die Technologie Raumfahrt erforschen müsst. Raumfahrt ist die einzige Technologie der Stufe-5 im Spiel und führt bei ihrer Erforschung sofort zum Sieg des jeweiligen Spielers. Ein weiteres wichtiges Merkmal der Forschung ist der hohe Verbrauch der Handelspunkte. Gemeint ist, dass ihr immer alle Handelspunkte verbraucht, wenn ihr eine Technologie erforscht. Wollt ihr zum Beispiel eine Technologie der Stufe-1 erforschen, benötigt ihr sieben Handelspunkte – besitzt ihr aber 10 Handelspunkte, senkt sich die Anzahl eurer Handelspunkte trotzdem auf Null. Haltet ihr allerdings zwei Münzen, dürft ihr zwei Handelspunkte behalten. Die getrennten Forschungspunkte aus der Spielverlage fehlen also, aber das stört nicht weiter. Durch den Einsatz der Handelspunkte für mehrere unterschiedliche Dinge im Spiel, kommt ein gewisses Taktikgefühl auf, da ihr euch immer fragen müsst, ob ihr die Handelspunkte lieber zum Forschen nehmt oder ob ihr euch die fehlenden Produktionspunkte ergattert, damit ihr in eurer Stadt zum Beispiel eine teure Einheit oder ein besonderes Gebäude bauen könnt.

Als letztes großes Spielelement von Civilization: Das Brettspiel sollen noch kurz die wirklich gut gelungenen Kämpfe Erwähnung finden. Anstatt einzelner Einheiten, die ihr über das Feld führt, ist das Militär in drei Bereiche eingeteilt: Armeefiguren, Einheitenkarten und Heer. Die Armeefiguren finden sich auf dem Spielplan wieder und werden von euch in der Bewegungsphase über diesen gezogen. Treffen sie dabei auf eine feindliche Armeefigur oder greifen eine Stadt an, so kommt es zum Kampf. Nun kommt das jeweilige Heer der Spieler zum Einsatz. Dieses besteht aus ausgebildeten Einheiten, die in Kartenform dargestellt werden. Insgesamt gibt es vier verschiedene Typen von Einheiten: Infanterie, Artillerie, Kavallerie und Luftwaffe. Zu Beginn eines Kampfes zieht nun jeder Spieler eine bestimmte – normalerweise drei – Einheitenkarten aus seinem zuvor gemischten Heer. Die gezogenen Einheiten bilden die am Kampf teilnehmende Armee. Nacheinander legen die Spieler nun ihre Karten auf den Tisch, wobei der Verteidiger normalerweise beginnt. Dabei muss es allerdings nicht zwangsweise zum Kampf kommen, da jeder Spieler auch eine neue Front eröffnen kann in dem er die eigene Karte nicht der des Gegners gegenüber legt. Kämpfen zwei Einheiten aber gegeneinander, so wird die jeweilige Stärke der Einheiten auch als deren Lebenspunkte betrachtet. Treffen also eine Einheit mit einer Stärke von zwei und eine Einheit mit einer Stärke von drei aufeinander, wird die zweier-Einheit besiegt, während die dreier-Einheit zwei Schadensmarker erhält und nur noch einen Lebenspunkt übrig hat. Ausnahmen bilden hierbei sogenannte Trumpfe. Wie in einem Stein-Schere-Papier-System übertrumpft die Infanterie die Kavallerie, während die Kavallerie die Artillerie übertrumpft, die wiederum die Infanterie übertrumpft. Beim Übertrumpfen verliert die unterlegene Einheit immer zuerst ihre Lebenspunkte. Wird sie dabei besiegt, erhält die Sieger-Einheit keine Schadenspunkte.

Fazit

Auch wenn in diesem Artikel einige Regeln recht detailliert erläutert wurden, so hoffe ich, dass das Spielprinzip von Civilization: Das Brettspiel deutlich und gut vermittelt wurde und wie gut den Machern die Umsetzung gelungen ist. Dabei stechen klar Forschung und Kämpfe hervor, die erwartungsgemäß ein zentrales Spielelement sind. Allerdings ist es durchaus möglich über ein gesamtes Spiel hinweg komplett ohne Kämpfe aus zukommen. Das hängt immer von den Spielern ab und von der eigenen Taktik, die man verfolgen möchte. Aber auch die Wahl des jeweiligen Volks kann darauf Einfluss haben, da ihr immer unterschiedliche Anfangstechnologien oder Besonderheiten erhaltet. Damit beginnt die taktische Überlegung bereits vor dem Spielbeginn, was den Reiz für eine erneute Runde mit einer anderen Völkerzusammensetzung steigern kann. Empfehlenswert ist die Brettspiel-Umsetzung von Civilization also auf jeden Fall. Es bietet sich hier ein wirklich vergnügliches Gesellschaftsspiel und eine gute Alternative zu anderen Strategie-Brettspielen für bis zu vier Spieler.

Bildergalerie

Civilization: Das Brettspiel
Genre: Strategie-Brettspiel // System: Brettspiel // Getestet: Brettspiel // Publisher: Heidelberger Spieleverlag // Entwickler: Kevin Wilson/Fantasy Flight Games // Spieler: 2-4 // USK: geeignet ab 13 Jahren

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Antworten

avatar Dekstar sagt:

Na, wenn dieser Beitrag mal nicht von diesem heutigen Spiegel Online Artikel inspiriert war:
http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,783379,00.html

Ist aber kein Vorwurf, denn nicht jeder PAB Leser schaut bei SPON rein. Unter dem genannten Link sind noch weitere interessante videospielbezogene Brettspiele, sowie eine coole Geschichte zu einem self-made Fallout Brettspiel, dass eine Freundin für ihren Freund entworfen hat. Doom, das Brettspiel, fand ich auch ganz interessant.

avatar Alexander Geisler sagt:

Da muss ich dir ein wenig widersprechen. Über das self-made Fallout Brettspiel (http://www.pressabutton.de/2011/08/30/allgemein/brettspielgaming-fallout-monopoly/) haben wir bereits am 30. August berichtet und das Muster des Civilization Brettspiels haben wir Ende Juli vom Heidelberger Spieleverlag erhalten und es dann ausführlich gespielt. Aus privaten Zeitgründen ist der Artikel etwas verspätet heute veröffentlicht worden. 😉

Das soll allerdings keine Rechtfertigung oder so sein, sondern nur eine kleine Erläuterung wie es zu diesem Artikel kam. Ich persönlich wusste von dem Spiegel Online-Artikel bis eben zum Beispiel gar nichts. Die recht zeitnahe Veröffentlichung ist also ein Zufall 🙂

Interessant ist dieser aber auf jeden Fall und es gibt wirklich einige gute Brettspiel-Umsetzungen von Videospielen.

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