Im Test: L.A. Noire (Xbox 360)

In schöner Regelmäßigkeit veröffentlichen Rockstar Games stets im Frühsommer eines Jahres einen echten Blockbuster. Waren es in den beiden letzten Jahren erst GTA IV, dann Red Dead Redemption, so hat man für dieses Jahr L.A. Noire in petto. Man erschuf damit ein neues Franchise, welches fernab der bekannte Pfade agieren und Detektivgeschichten in den Mittelpunkt des Interesses rücken sollte. Wir haben für euch alle Hinweise geprüft, akribisch genau ermittelt und verraten euch, was der Titel wirklich taugt…

L.A. Noire ist anders. Wer von dem Spiel erwartet, dass man ein Grand Theft Auto im Stile der 40er Jahre erwartet und sich dann wundert, dass er kein Chaos in den Straßen veranstalten kann, hat wohl den Schuss nicht gehört. Rockstar selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, dass man Wert auf die Gespräche und nicht auf die Schießereien legt. Das merkt man L.A. Noire auch an. Ihr schlüpft nämlich in die Rolle von Phelbs, der gerade aus dem Krieg nach Hause gekehrt ist und nun Polizist wird. Nach und nach arbeitet ihr euch dabei durch das erfolgreiche Lösen von Kriminalfällen nach oben und lernt die verschiedenen Bereiche der Arbeit wie das Branddezernat oder die Sittenwache kennen. Nach und nach werdet ihr dabei auch an die verschiedenen Elemente des Gameplays herangeführt. Ihr fahrt mit eurem Wagen durch die Straßen, untersucht einen Tatort, jagt einen flüchtigen Verdächtigen, greift bei einer Schießerei ein und löst in einem Verhör mit Zeugen und Verdächtigen schließlich euren ersten Fall. Die kurze Zusammenfassung klingt dabei allerdings nach weitaus mehr Action, als man im Spiel tatsächlich haben wird – ein weiterer Grund, warum sicherlich viele GTA-Fans von L.A. Noire enttäuscht sein werden. Das Kampfsystem im Nahkampf ist simpel, die Schießereien gehen leicht von der Hand.

Die meiste Zeit verbringt man sofern man nicht gerade die Hinweise zum Finden von Beweisstücken oder zum Aufdecken von Lügen im Verhör eingeschaltet hat, mit dem Suchen nach der Lösung. Man nimmt den Tatort unter die Lupe und betrachtet alle möglichen Gegenstände. Diese dürfen in eurer Hand stets gedreht und gewendet werden, um weitere Hinweise finden zu können. Habt ihr etwas interessantes entdeckt, wird das Notizbuch gezückt. So werdet ihr auf neue Locations wie den Waffenhändler oder den Juwelier aufmerksam, dem ihr einen Besuch abstatten solltet. Hier gilt es dann aus der Unterhaltung heraus die notwendigen Informationen zu ziehen, dabei teils bereits eingesammelte Beweisstücke geschickt einzusetzen um eurem gegenüber vielleicht das ein oder andere Geheimnis zu entlocken. Genauso sieht es in den Verhören im Revier aus. Bringt ihr ein Beweisstück an der richtigen Stelle vor, erzwingt ihr quasi ein Geständnis. Wer sich nicht sicher ist, kann Antworten anzweifeln oder vorher verdiente Intuitionspunkte nutzen um der Wahrheit auf die Schliche zu kommen. Die verschiedenen Fälle laufen dabei episodenhaft ab. Zwischendurch dürft ihr euch in der weitläufigen Stadt allerdings frei bewegen. Rowdys haben dabei nicht viel Spaß, denn andere Fahrzeuge weichen euch aus, Passanten suchen rechtzeitig das Weite, bevor ihr sie überfahrt. Selbst wenn ihr in L.A. Noire andere Boliden zur Fortbewegung benötigt, fragt ihr meist recht höflich mit dem Hinweise auf eure Dienstmarke, ob der aktuelle Fahrzeugführer euch seine Karosse überlassen kann. Tja, ihr spielt eben einen Gesetzeshüter und solltet euch auch wie ein solcher verhalten. Das kommt eurer Bewertung nach jedem Fall zugute und ihr steigt schneller auf. Viel mehr möchten wir an dieser Stelle von den späteren Fällen allerdings nicht verraten, um euch die Spannung nicht zu nehmen. Denn kennt man die Fälle bereits, hält sich der Wiederspielwert stark in Grenzen, bzw. tendiert gegen Null.

Von der Atmosphäre her hat man sich wie es der Name schon vermuten lässt vom Film Noir inspirieren lassen und eine an sich stimmige Welt erschaffen. Dass man im Menü das Game sogar gänzlich seiner Farbe berauben kann, trägt dazu bei. Allerdings fällt immer wieder auf, dass der Stil noch konsequenter durchgezogen hätte werden müssen. Und dass die Straßen abseits des Geschehens oftmals karg und leer wirken. Man läuft dann durch eine Einöde, in der nichts wirklich etwas passiert. Daran ändern auch die Straßenverbrechen, die man abseits der eigentlichen Fälle übernehmen darf, nicht viel. L.A. Noire ist somit in vielen Punkten weder Fisch noch Fleisch. Für einen Actiontitel spielt es sich zu langsam. Für ein Detektivspiel sind die Fälle teils zu simpel konstruiert. Das soll nicht heißen, dass Team Bondi kein gutes Spiel abgeliefert hat. Die späteren Mordfälle sind teils erschreckend brutal und lassen euch aufhorchen. Dennoch hat man das Gefühl, als würde sich eine gewisse Leere breit machen. Gerade in Anbetracht der gebotenen Technik ist das schade. In Zusammenarbeit mit vielen Experten hat man nämlich Charaktermodelle und Gesichtsanimationen erschaffen, die im Bereich der virtuellen Unterhaltung bisher absolut ihresgleichen suchen. Lebensecht wirken die Mimiken der verschiedenen Charaktere. Die Zeugen kommen ins Stocken, zucken unruhig mit den Wimpern, können euch nicht in die Augen schauen und blicken stattdessen verstohlen zur Seite. Die Lippen beben und zittern leicht vor Anspannung, ein Kloß sitzt schwer im Hals, die Falten auf der Stirn runzeln sich. Dazu gesellt sich eine optimal englische Synchronisation, die perfekt lippensynchron ist und euch ein ums andere Mal den Mund offen stehen lässt. Was das betrifft wirken die Charaktere in L.A. Noire so real wie in keinem anderen Spiel zuvor. Vor diesem Hintergrund ist es schade, dass euer Protagonist Phelbs selbst bis zum Schluss hin etwas blass bleibt. Im Gegensatz dazu stehen die teils leeren Straßenzüge und gelegentliche Einbrüche der Framerate, vor allen Dingen wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid. Die stimmungsvolle Musikuntermalung im Stile der 40er Jahre sowie authentische Soundeffekte runden das Game jedoch passend ab.

Fazit

L.A.Noire gefällt sicherlich nicht jedem. Man muss wissen, dass es anders ist als die Spiele, die man von Rockstar Games aus den letzten Jahren kennt. Wir haben es mit einem stimmungsvollen Detektivspiel zu tun, welches euch in der Rolle eines guten Cops auf die Ermittlungen schickt. Diese ist zwar hin und wieder etwas linear und simpel, macht aber trotzdem Spaß. Alleine schon wegen den sensationellen Gesichtsanimationen sollte man L.A. Noire jedoch eine Chance geben. Man wird auf jeden Fall anders unterhalten, als man es in der heutigen Zeit gewohnt ist.

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