Im Test: Killzone 3 (PS3)

Nachdem die Wartezeit für Killzone-Fans zwischen dem ersten Teil der Reihe und Killzone 2 fünf Jahre in Anspruch nahm, war bis zum Release von Killzone 3 deutlich weniger Geduld nötig. Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Playstation 3-Serien-Debüt kehrten die ISA-Soldaten des Alpha Teams auf die Sony-Konsole zurück. Aufgrund der nicht wirklich abgeschlossenen Story des zweiten Teils war dies auch mehr als Wünschenswert.

Killzone 3 setzt genau nach dem Ende des zweiten Teils an. Die ISA befindet sich noch immer auf dem Heimatplaneten der Helghast und erhalten den Befehl sich für die Evakuierung zurückzuziehen. Dass dabei nicht alles gut geht ist schnell klar und es entwickelt sich daraus ein Überlebenskampf auf dem feindlichen Planeten. Leider verfolgen die Entwickler den Ansatz, den Spieler zu Beginn des Spiels vermuten könnten, nicht konsequent genug. Im Prolog des Spiels betritt der Spieler eine Helghast Basis und blickt dabei offensichtlich durch die rotglühenden Augen eines Helghast Helms, was am Interface zu erkennen ist. Hierbei kommt kurzzeitig die Hoffnung auf, die Entwickler würden Killzone 3 abwechselnd aus der Sicht von ISA und Helghast zeigen, wodurch die Linie zwischen Gut und Böse verblast, bis am Ende nicht mehr deutlich ist, wer wirklich welchen Part einnimmt. Aber schnell kommt Ernüchterung auf und die Story nimmt einen klaren Verlauf auf Seiten der ISA an. Dabei ist diese zwar gerade für Kenner von Killzone und auch anderer Ego-Shootern etwas Vorhersehbar, dennoch überzeugen Guerrilla Games mit einer guten Erzählweise und spannenden Momenten. Dabei ist den Entwicklern auf jeden Fall die Inszenierung der Geschehnisse, sowie die bombastischen Zwischensequenzen, die insgesamt etwa 70 Minuten lang sind, gelungen. Gerade dies sorgt dafür, dass man immer wissen möchte, wie es weiter geht und somit sinkt die Motivation auch an schwierigeren Stellen und nach einem Ableben nicht maßgeblich. Dazu kommt, dass Guerrilla Games Killzone 3 deutlich mehr Abwechslung in Sachen Leveldesign spendiert hat, als noch im Vorgänger. Zwar bleiben die eher tristen Farbtöne dominierend, diese werden dafür aber auch immer wieder mit hübschen Details versehen.

Auch bei den Missionen bringen die Entwickler mehr Abwechslung ins Spiel. Zwar bleibt das grundsätzliche Prinzip natürlich erhalten, weshalb es Erwartungsgemäß immer wieder zu Gefechten mit den Helghast kommt, aber das stört an keiner Stelle. Im Gegenteil, die einzelnen Kämpfe machen Spaß und werden immer wieder von besonderen Einsätzen aufgewertet. So nehmen Spieler unter anderem in einem Exoskelett genannten Roboter Platz und kämpfen sich mit dessen geballter Feuerkraft durch die Gegnerhorden. Später kommen auch noch weitere Fahrzeuge zum Einsatz, bei denen meist lediglich das Geschütz gesteuert wird. Das bringt doch einige erfrischende Momente ins Spiel.

In Sachen Charaktere bietet Killzone 3 ebenfalls gewohnte Kost. Die Hauptakteure auf Seiten der ISA sind bereits aus dem Vorgänger bekannt. Wieder schlüpft der Spieler in die Rolle von Tomas „Sev“ Sevchenko und wird bei seinen Einsätzen immer von jemandem begleitet. Häufig ist dies der Killzone 2-Kompagnon Rico Velasquez, der sich immer wieder gerne mit dem Anführer der Einheit, Captain William Narville, anlegt. Die Sprüche, die von den einzelnen Charakteren dabei gebracht werden, sind vollkommen stereotypisch, passen aber zur Story und können sogar teilweise für kleinere Schmunzler sorgen. Auf Seiten der Helghast, die wieder einmal im Großen und Ganzen als das abgrundtief Böse dargestellt werden, haben storybedingt zwei neue Charaktere die Führung übernommen: Militärkommandant Admiral Orlok und der industrielle Jorhan Stahl. Interessantes Detail dabei: Admiral Orloks Aussehen orientiert sich an dem ehemaligen sowjetischen Diktator Josef Stalin. Außerdem sind weitere Angehörige des Helghast-Senats an historische, passende Staatsoberhäupter und Diktatoren angelehnt. So entdecken Spieler einen Mann, der eine frappierende Ähnlichkeit mit Adolf Hitler hat.

Aber wie spielt sich Killzone 3 eigentlich? Bekam der zweite Teil teilweise noch harte Kritik wegen der trägen Steuerung, können Shooter-Fans bei Killzone 3 beruhigt sein. Das Zielen geht leicht von der Hand und es entsteht dabei kein Gefühl, dass der eigene Charakter beim Zielen einzuschlafen droht. Hier sei angemerkt, dass ich als ziemlicher Shooter-Neuling (vor Killzone 3 war der letzte Ego-Shooter den ich beendet habe Half-Life) ausgesprochen gut mit der Steuerung klar kam. Zu guter Letzt muss auch noch etwas in Sachen Grafik und Sound gesagt werden, da beides auf wirklich hohem Niveau agiert. Killzone 3 sieht einfach nur schick aus und die Charaktere wirken in den Zwischensequenzen, aber auch während der Missionen, sehr realistisch. Dazu trägt auch die ordentliche deutsche Sprachausgabe bei. Die einzelnen Akteure haben zu meist passende Stimmen erhalten und es ist kein Sprecher dabei, der seinen Job nicht zumindest im guten Rahmen macht. Freunde des Originaltons können diesen Wahlweise auch aktivieren, erhalten dann aber auch lediglich englische Untertitel. Ein Mix aus englischer Sprache mit deutschen Texten ist unverständlicherweise nicht möglich. Dafür kommt die englische Synchronisation mit einem prominenten Sprecher daher. Jorhan Stahl wurde von Hollywood-Schauspieler Malcolm McDowell (Uhrwerk Orange, Star Trek 7) vertont. Wer übrigens eine entsprechende Anlage zu Hause hat, kann mit Killzone 3 seinen Nachbarn zeigen, wie ein Krieg im eigenen Wohnzimmer klingt. Egal ob Waffen oder Explosionen, den Entwicklern ist eine real wirkende Soundkulisse gelungen, die von einem perfekt passenden und hörenswerten Soundtrack unterstützt wird.

Neben dem Singleplayer-Modus stehen auch eine Koop-Kampagne und ein Online-Multiplayer-Modus zur Verfügung. Die Online-Gefechte bieten dabei gewohnte Killzone-Mehrspieler-Kost wie bereits in Teil 2, verbessern diese aber an einigen Stellen. Spieler mit weniger Multiplayer-Erfahrung können in der Botzone gegen und mit KI-Gegnern beziehungsweise -Kameraden trainieren, um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern, damit die Chancen im Online-Modus steigen. Die Koop-Kampagne, in deren Verlauf die Story des Singleplayer-Modus verfolgt wird, lässt sich leider nicht online spielen. Lediglich gemeinsam an einer Konsole und via Splitscreen ist es euch möglich, gemeinsam als Mitglied der ISA gegen die Helghast anzutreten. Hierbei sollte angemerkt werden, dass der Koop-Modus am besten nur an Fernsehern mit einer Mindestgröße von 32 Zoll gespielt werden sollte, da die beiden Bildausschnitte sonst zu klein ausfallen könnten, was das Spielen deutlich anstrengender gestaltet.

Fazit

Als ziemlicher Ego-Shooter-Neuling – und teilweise auch –Verweigerer – bin ich mit einer gewissen Skepsis und Vorsicht an Killzone 3 heran gegangen. Zwar gehört der Science-Fiction-Titel zu den Genre-Vertretern, die mich von Setting, Inszenierung und Story interessieren, dennoch bin ich mit Ego-Shootern bisher eher selten wirklich warm geworden oder war nicht gut genug, um lange zu bestehen, weshalb die Motivation verloren ging. Killzone 3 schaffte es mich trotz aller Widrigkeiten am Ball zu halten, worüber ich äußerst froh bin. Die Story mag insgesamt vorhersehbar sein, dennoch gefiel sie mir und zeigte Stellenweise sogar eine Tiefe, die ich nicht erwartet hätte. Dies trifft gerade auf das Ende zu. Doch nicht nur meine persönliche Meinung zählt, sondern auch die Umsetzung und dabei kann auch ich sagen, dass Guerilla Games einen wahrlich guten Job abgeliefert hat. Killzone 3 mausert sich aus zahlreichen Gründen zur klaren Ego-Shooter-Referenz auf der Playstation 3 und kann vollkommen begeistern. Lediglich einige kleine Kritikpunkte fallen störend auf. So gibt es etwa insgesamt eine etwas zu kleine Waffenauswahl und die Spielzeit dürfte beim nächsten Teil gerne auch ein wenig länger ausfallen. Doch keiner dieser Punkte verhindert, dass Killzone 3 unseren „Güteklasse A“-Siegel verdient hat.

Anmerkung: Aufgrund fehlender Hardware konnten sowohl die Move-Steuerung, als auch der 3D-Modus leider nicht ausführlich getestet werden.

Screenshots

3 Kommentare zu „Im Test: Killzone 3 (PS3)“

  1. Nette Review aber die interessiert mich gerade eher weniger da ich Teil 2 immer noch durchspielen muss.

    Ich will nur kurz euer Wertungssystem loben. Ich hab schon seit Jahren Probleme mit numerischen Systemen und das Schulnotensystem mit Buchstaben ist eigentlich ideal um ein Spiel zu bewerten. So kann niemand sich darüber beschweren das ein gutes Spiel „nur“ 8/10 Punkten bekommt was ziemlicher Schwachsinn da das immer noch eine gute Wertung ist. Hut ab das ihr den Schritt wagt und euch nicht wie alle anderen an diesem veralteten System festhaltet.

  2. @Frostie
    Jap sehen sie und das ist natürlich Absicht der Entwickler (und so gesehen auch kein Spoiler ^^). Beim dritten Typen gibt es bisher keine genaue Einigung. Einige meinen es sei Marx, andere tippen auf Bismarck oder eben Friedrich I. (meiner Meinung nach passt das am ehesten).

    Ich habe mir den zweiten Teil mittlerweile auch gekauft und werde ich demnächst mit dem beschäftigen. Auch wenn ich den Dritten bereits kenne und damit das Ende des Zweiten, möchte ich den nachholen. Auch weil mir Teil 3 enorm viel Spaß gemacht hat. 🙂

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