Im Test: Total War: Shogun 2 (PC)

Nach zwei Ausflügen ins Mittelalter und jeweils einer Reise ins alte Rom und ins Kolonialzeitalter, kehrt die PC-Strategiespiel-Reihe Total War zu ihren Ursprüngen zurück. Total War: Shogun 2 bringt Spieler nach dem ersten Teil der Reihe von 2000 wieder nach Japan zur Zeit der Samurai. Dabei setzen die Entwickler von The Creative Assembly auf die gewohnte Mischung aus Runden- sowie Echtzeitstrategie und bringen einige Verbesserungen ins Spiel mit ein.

Die Geschichte von Total War: Shogun 2 bleibt, wie gewohnt, eher simpel. Es wird nicht der Werdegang eines einzelnen, bestimmten Helden erzählt. Statt dessen wählt ihr am Anfang der Kampagne einen Clan aus und versucht nun als Oberhaupt von diesem die Vorherrschaft in Japan zu erlangen, um dadurch vom Kaiser zum Shogun ernannt zu werden. Doch bis dieses Ziel erreicht ist vergehen zahlreiche Stunden und selbst danach bleibt die Motivation bestehen, es mit einem anderen Clan erneut zu versuchen. Dies erreichen die Entwickler in erster Linie durch die teilweise starken Unterschiede zwischen den einzelnen Clans. So hat die jeweilige Wahl des Clans nicht nur Einfluss auf den Startpunkt auf der Karte der japanischen Inseln, sondern auch auf den Schwierigkeitsgrad, besondere Truppen und weitere Boni, wie etwas höheres Einkommen durch Bauernhöfe oder geringere Unterhaltskosten bestimmter Einheitentypen. Außerdem kann noch zwischen drei unterschiedlichen Kampagnen-Arten gewählt werden, wobei diese sich in erster Linie in der Anzahl der zu erobernden Provinzen und damit in der Spiellänge unterscheiden.

Das eigentliche Spiel unterteilt sich, wie bei der Total War-Reihe gewohnt, auch bei Total War: Shogun 2 in zwei Bereiche. Zum einen die Kampagnen-Karte und die Gefechte. Während über erstere Städte, Provinzen, Steuern, Armeen und alles weitere verwaltet werden, dient der Gefechtsmodus zum Austragen einzelner Schlachten. Dabei kann es sich entweder um eine Begegnung von zwei Armeen auf dem Feld handeln oder aber um eine Belagerungsschlacht. Im Gegensatz zur Kampagnen-Karte, bei der das Spiel Rundenbasiert abläuft, finden die Gefechte in Echtzeit statt, können aber jederzeit pausiert werden, um sich einen Überblick über das Geschehen zu verschaffen. Das ist auch immer wieder dringend nötig, da an einer einzelnen Schlacht bis zu 5.000 Truppen teilnehmen können. Gleichzeitig können auch die Schlachtfelder größer ausfallen, als in den Vorgängern. Werden die eigenen Truppen nun an verschiedenen Stellen platziert, um beispielsweise eine Stadt aus drei Richtungen anzugreifen, ist es unvermeidlich gelegentlich die Zeit anzuhalten, damit der Angriff auch wirklich erfolgreich abläuft. Die Schlachten fallen insgesamt sehr taktisch aus, da nicht nur die Anzahl der Truppen über den Sieg entscheidet, sondern auch welche Einheit gegen welchen Gegner eingesetzt wird. So haben Reiter einen Vorteil gegen Bogenschützen, sind aber gegenüber Lanzenträgern deutlich im Nachteil. Die KI agiert dabei etwas besser, als noch in den vorherigen Total War-Spielen, reagiert aber trotzdem noch nicht einwandfrei. So kann es zum Beispiel dazu kommen, dass eine Einheit einfach stehen bleibt, statt zu fliehen oder die KI setzt nützliche Waffen, wie Brandpfeile, bei Belagerungen nicht ein.

Zusätzlich zu den Landschlachten gibt es in Total War: Shogun 2 auch wieder Seeschlachten, die erstmals in Total War: Empire eingeführt wurden. Im Vergleich zu früher, sind die Schiffe allerdings einfacher und direkter zu steuern. Auch kommt es bei den Seeschlachten insgesamt weniger darauf an, die gegnerischen Schiffe zu versenken. Viel wichtiger ist es nah genug an den Feind heranzukommen, um dann ein Entermanöver zu starten. Das bringt auch den Vorteil mit sich, dass die eigene Flotte schneller und günstiger wächst, wenn eine Schlacht siegreich verläuft.

Die Schlachten nehmen zwar einen wichtigen Teil von Total War: Shogun 2 ein, sind aber nicht das eigentliche Herzstück des Strategietitels. Gerade im späteren Spielverlauf verbringt ihr deutlich mehr Zeit auf der Kampagnen-Karte, als in den einzelnen Schlachten. Es ist stets wichtig die eigenen Armeen und Städte im Blick zu haben. Genauso sollte das verfügbare Vermögen und die Ausgaben pro Runde im Auge behalten werden. Ihr müsst die Steuern anheben oder bei Unruhen auch mal senken. Gebäude bauen, um die Zufriedenheit der Bürger zu sichern, Truppen anwerben zu können oder eure Einnahmen zu steigern. Wichtig ist auch die Diplomatie, da Krieg nicht immer zum gewünschten Ziel führt. Gerade starke Gegner sollten nur mit Bedacht und sorgfältiger Planung angegriffen werden. Genauso ist es nicht ratsam allen anderen Clans gegenüber feindlich gesinnt zu sein. Verbündete können in manchen Momenten nützlich sein. Aber auch eure Familie und die Generäle sollten bei Laune gehalten werden, um eventuellen Verrat oder die Abspaltung in einen neuen Clan zu vermeiden. Während Generäle zu Räten, die gleichzeitig auch Boni bringen, ernannt werden können, ist es möglich weibliche Verwandte mit Generälen oder männlichen Familienmitgliedern anderer Clans zu verheiraten. Doch das sind nur einige der Möglichkeiten in Total War: Shogun 2.

Selbstverständlich schaltet ihr im Spielverlauf weitere Boni und Möglichkeiten frei. Dies erfolgt allerdings nicht über einen direkten Technologiebaum, sondern über zwei Wege der Kunst. Während über die Kunst des Bushido Vorteile im Krieg freigeschaltet werden, eröffnet die Kunst des Chi eher soziale Möglichkeiten. Außerdem sammeln eure Generäle in den Schlachten Erfahrungspunkte und steigen im Level auf. Dadurch erlangen sie nicht nur größere Stärke, sondern lassen sich auch in bestimmten Bereichen verbessern und erhalten Gefolge, das wiederum besondere Boni gewährt.

Der Umfang an Möglichkeiten erscheint schier unendlich und könnte gerade Einsteiger zu Beginn etwas erfordern, doch das gut gemachte Tutorial vermittelt die Grundlagen von Total War: Shogun 2 sehr gut. Dabei können einzelne Tutorials, zum Beispiel zu Schlachte, absolviert werden oder eine Tutorial-Kampagne während deren Verlauf das nötige Wissen vermittelt wird. Dadurch ist das Erlernen von Total War: Shogun 2 für jeden, der sich die Zeit nimmt, möglich. Das Meistern des Spiels erfordert allerdings deutlich mehr, was aber auch eine gewisse Motivation ausmacht.

Neben der eigentlichen Kampagne, ist es in Total War: Shogun 2 auch möglich sich an historischen Schlachten oder benutzerdefinierten Gefechten zu versuchen. Diese finden selbstverständlich rein im Gefechts-Modus statt, können aber zwischendurch mehr als nur unterhalten.

In Sachen Technik kann sich Total War: Shogun 2 übrigens auch sehen lassen. Die Grafik auf der Kampagnen-Karte ist zwar weitgehend zweckmäßig, lässt sich aber dennoch sehen und begeistert mit kleineren Details. Während der Schlachten zeigt das Strategiespiel dann noch deutlicher, was bei einem Vertreter des Genres möglich ist. Nicht nur die Umgebungen, sondern auch die Truppen sind den Entwicklern wirklich gelungen. Besonders schön ist, dass auch innerhalb einer Einheit nicht jeder einzelne Soldat ein Klon ist. In Sachen Musik werden immer passende Klänge aufs Ohr gegeben, die der japanischen Atmosphäre zu Gute kommen. Lediglich die deutsche Sprachausgabe fällt etwas belanglos aus, was aber nicht weiter stört, da diese eher nebensächlich ist.

Fazit

Mit Total War: Shogun 2 beweisen The Creative Assembly und Sega ein weiteres Mal, wie taktisch Strategiespiele am PC ausfallen können, wenn die richtigen Entwickler daran sitzen. Allerdings könnte gerade die große Komplexität, die Fans der Reihe so sehr schätzen, auch eines der größten Hindernisse sein. Anfänger haben es anfangs sicher schwer ins Spiel zu kommen und werden möglicherweise den ein oder anderen Frustmoment erleben. Wer allerdings intensiv dabei bleibt und sich auf den großen Umfang an Möglichkeiten einlässt, bekommt wohl eines der zurzeit besten Strategiespiele auf dem PC geboten.

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2 Kommentare zu „Im Test: Total War: Shogun 2 (PC)“

  1. Ich hatte mich mal an Empire gewagt und muss lieder sagen, dass die Reihe wohl nichts für mich ist. Wahrschienlich liegt es daran, dass ich mir wie gesagt nicht genug Zeit zum Einsteigen genommen habe. Auf jedenfall gefallen mir andere Strategie-Spiele besser.

  2. Ich habs, und ich finde es echt Gut, nur finde ich die Kampagne etwas dürftig, keine Storyline, nix ausser „So, du sollst Shogun werden, mach mal!“
    Ich habe mich auch dabei erwischt das ich dazu neige die Kämpfe lieber Automtaisch generieren zu lassen 😛
    Aber wenn man das mit 4 Leuten oder mehr LAN zockt, macht das bestimmt noch viel mehr Spaß als alleine die Kampagne!

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