Im Test: Brink (PS3)

Wenn die kreativen Köpfe hinter Action-Titeln wie Enemy Territory: Quake Wars oder den Mehrspieler-Karten von Doom III einen neuen First Person Shooter ankündigen, darf man durchaus aufhorchen. So war es auch im Falle von Brink, welches von Splash Damage entwickelt wurde und von Bethesda Softworks vertrieben wird. Doch im Laufe der Zeit spaltete sich das Lager der Fans in zwei Hälften: Eine Hälfte fand den sehr eigenartigen Grafikstil und das auf Multiplayer ausgelegte Gameplay faszinierend, die andere Hälfte befürchtete einen absoluten Reinfall. Wir haben uns für euch die Knarren geschnappt und verraten euch, welche der beiden Seiten Recht behält.

Obwohl es sich bei Brink um einen First Person Shooter handelt, wird in dem Game recht viel Wert auf die Story gelegt. Dies wird im Spiel selbst durch viele Cutscenes verdeutlicht, doch vor allem im dazu gehörigen Guide von Prima Games finden sich viele interessantes Details zur Story, die man so erst einmal gar nicht mitbekommt. Die Grundlagen der Geschichte sind dabei schnell erzählt: In einer nicht allzu fernen Zukunft gilt die künstlich gestaltete Ark als letzte Zuflucht für die Menschheit. Doch in der Ark machen sich nach dem Schmelzen der Polkappen nach und nach Probleme breit: Die Unzufriedenheit der Bevölkerung wächst, die Güter werden knapp, es entwickelt sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die Spannungen zwischen den Gruppierungen wachsen stetig weiter und im Jahr 2045 angekommen steigen wir nun ins Spiel ein und dürfen uns dabei für eine der beiden Seiten entscheiden: Wir können entweder für die Ark kämpfen und alles daran setzen, die Ordnung und den Frieden wieder herzustellen. Oder wir entscheiden uns für den Widerstand, der abseits der Ark nach einem passenden Lebensraum suchen und die Ark deswegen verlassen möchte. Egal wie wir uns entscheiden, vor dem Start des Spiels muss ein passender Charakter erstellt werden. Der Editor mit seinen vielen Möglichkeiten im Bezug auf das Aussehen gleicht dabei eher einem Rollenspiel und ist für einen First Person Shooter vergleichsweise ungewöhnlich. Im weiteren Spielverlauf werden zudem viele weitere Jacken, Tattoos, Frisuren, etc. frei geschaltet, so dass man seinen Charakter optisch stets weiter entwickeln darf. Doch auch die persönliche Entwicklung eures Recken kommt nicht zu kurz, denn neue Fähigkeiten dürfen gelernt und neue Waffen erworben werden.

Damit es aber soweit kommt, müsst ihr Erfahrungspunkte verdienen. Diese – und jetzt kommen wir zum Herzstück von Brink – werden aber nicht in erster Linie durch möglichst viele Kills erlangt, wie das vielleicht in anderen Shootern der Fall ist. Stattdessen werden euch in jeder der acht Missionen pro Seite verschiedene Ziele mit auf den Weg gegeben. Mal müsst ihr im ehemaligen Flughafen ein Terminal hacken, danach den Safe knacken und die Daten letztlich noch zum Fluchtpunkt bringen. In anderen Missionen müsst ihr beispielsweise eine Tür sprengen und einen VIP eskortieren, ein Service-Fahrzeug schützen oder einen Kran aktivieren. Hinzu kommt, dass ihr die feindlichen Kommando- und Sanitätsstützpunkte ebenfalls während der Missionen einnehmen und euch so Vorteile verschaffen könnt. All das ist darauf ausgerichtet, dass die vier verschiedenen Klassen in Brink optimal miteinander agieren. Und da seid auch ihr in der Solokampagne gefragt. Am Kommandopunkt dürft ihr bei Bedarf zwischen den verschiedenen Klassen wechseln, was durchaus wichtig sein kann: Als Soldat dürft ihr zwar Granaten tragen, eure Kollegen mit Munition versorgen und Sprengsätze zünden, doch nur der Techniker kann beispielsweise einen Geschützturm aufstellen, verdeckte Minen platzieren und Computersysteme hacken. Der Sanitäter dagegen kann nicht nur die eigene, sondern auch die Gesundheit seiner Kameraden buffern und gefallene Teammitglieder mittels Spritzen wiederbeleben. Der Agent dagegen kann sich als gefallener Feind tarnen und so die gegnerischen Reihen infiltrieren.

In der Solokampagne kommen die verschiedenen Klassen natürlich genauso zum Einsatz wie in den Herausforderungen. Gerade in den ersten Spielstunden wird man dabei durchaus das ein oder andere Mal verzweifeln und das Spiel zum Teufel wünschen. An allen Ecken und Enden stirbt man, wenn man Brink wie einen herkömmlichen First Person Shooter betrachtet. Stattdessen lernt man nach und nach das Teamplay zu berücksichtigen und weniger auf das Ausschalten der Gegner, sondern vielmehr auf das Erfüllen der viel wichtigeren Missionsziele zu achten. Diese sind es nämlich auch, die euch mit entsprechend vielen Erfahrungspunkten belohnen und so euren Charakter nach und nach besser werden lassen. Die Steuerung orientiert sich dabei an der für Ego-Shooter etablierten Variante, bringt aber mit dem S.M.A.R.T.-System eine Innovation ins Spiel. S.M.A.R.T. steht dabei für „Smooth Movement Across Random Terrain“ und bedeutet, dass ihr bei gedrückt gehaltener L2-Taste wie ein Parcours-Läufer automatisch Hindernisse überspringt, an ihnen empor klettert oder darunter durch schliddert. Die Bewegung in den verschiedenen Arealen ist somit insgesamt sehr flüssig und wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, bewegt man sich dadurch recht geschmeidig durch die Stages. Auch alle anderen Bewegungen wie der Waffenwechsel, das Nachladen, das Buffern, etc. laufen flüssig und ohne große Probleme ab.

Alleine hat man mit Brink für einige Stunden Spaß, wobei der Einstieg etwas zäh ausfällt. Man sollte daher nicht gleich nach den ersten Frustmomenten die Flinte ins Korn werfen. Wer sich mit dem Titel beschäftigt und dessen etwas eigene Spielmechanik durchschaut, die Herausforderungen nutzt um seine Spielweise und seinen Charakter zu verbessern, wird später auch online mehr Freude an dem Titel von Splash Damage haben. Sowohl die Kampagnen als auch die Herausforderungen dürfen nämlich auch online gespielt werden. Gerade hierbei merkt man, dass sich das taktische Vorgehen bemerkbar macht und man nur mit Absprachen und Teamwork zum Erfolg kommt. Zwar gibt es auch einen freien Modus, bei dem man auf sich alleine gestellt ist, das Herzstück sind aber die verschiedenen Missionen, die eben auch online dank Teamplay erledigt werden müssen. Brink kann hier wirklich punkten, sofern man ein passendes Team zusammen hat. Fehlende Spieler werden zwar durch die KI ersetzt, doch mit menschlichen Spielern im Team macht es einfach mehr Spaß. Man muss also wissen, dass man Brink nicht mit einem normalen First Person Shooter vergleichen kann und man hier eher Wert auf Teamplay und Taktik statt auf Kills und Headshots legt. Man sollte sich auch die Zeit nehmen und die relativ langen Einführungsvideos über das Gameplay zu Gemüte führen, um nicht ganz so ins kalte Wasser geschmissen zu werden.

Dass man technisch mit Brink nicht das Maß aller Dinge erschaffen hat, war relativ schnell klar. Das bestätigt sich auch noch einmal in der fertigen Version. Der Stil ist ohnehin Geschmackssache und man kann entweder etwas mit den überzogenen, comichaften Figuren anfangen oder eben nicht – aber immerhin weiß man so, dass man auch wirklich ein Videospiel vor sich hat und nicht ein weiteres dieser pseudo-realistischen Games in steriler Plastik-Optik. Alleine deswegen schon hebt sich Brink von der Konkurrenz ab. Die abwechslungsreichen Areale hätten sicher hier und da noch mehr Details vertragen können, insgesamt geht Brink aber optisch in Ordnung. Leichte Schwächen gibt es aber auf jeden Fall beim Sound zu verzeichnen. Die deutsche Synchronisation ist zwar an sich nicht übel, aber hin und wieder werden die Sätze in der Hälfte abgebrochen. Dies fällt vor allen Dingen bei den Einführungsvideos negativ auf. Während der Missionen selbst hört ihr eure Teamkollegen auch recht lautstark, was euch hin und wieder den Eindruck eines Kindergartens vermittelt, da es an allen Ecken und Enden nach euch ruft. Zudem ist die Balance in Sachen Lautstärke in den Cutscenes nicht ganz ausgewogen, da ihr manche Charaktere in normaler Lautstärke hört, andere dagegen viel zu leise sind. Immerhin sind die Soundeffekte ganz gut geworden und unterstützen das Action reiche Gameplay.

Fazit

Brink ist anders. Und Brink wird nicht jedem gefallen. Sicherlich hätte man noch einige Details verbessern können und wie viele Spiele, so ist auch Brink natürlich nicht perfekt. Doch man merkt dem Titel an, dass sich Splash Damage damit nicht nur Mühe gegeben hat, sondern einfach auch mal etwas anderes gewagt hat. Sucht man einen klassischen First Person Shooter, ist man hier definitiv falsch. Für Brink benötigt man eine gewisse Eingewöhnungszeit und muss sich bewusst sein, dass man in erster Linie online mit viel Teamplay seinen Spaß haben wird. Wer also lieber alleine spielt, seine Headshots zählt und schnell Erfolge feiern will, kann von dem Titel somit gleich die Finger lassen. Als Alternative für leidenschaftliche Onlinespieler mit einem Faible für Taktik kommt das von Bethesda Softworks veröffentlichte Brink aber durchaus in Frage.

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