Im Test: The Witcher 2: Assassins of Kings (PC)

Bereits mit dem Ende Oktober 2007 erstmals veröffentlichten Rollenspiel The Witcher konnte das polnische Entwicklerstudio CD Project Red Spieler und Kritiker gleichermaßen überzeugen. Seit Mitte Mai ist mit The Witcher 2: Assassins of Kings die Fortsetzung des PC-Spiels auf Basis der Romane des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski erhältlich. The Witcher 2 überzeugt dabei nicht nur durch eine neue, deutlich hübschere Grafik, sondern auch spielerisch.

Held der beiden Witcher-Spiele ist, wie auch in den Büchern von Sapkowski, der Hexer Geralt. Dieser hatte zu Beginn des ersten Teils sein Gedächtnis verloren, wodurch die Entwickler die Geschichte des weißhaarigen Monsterjägers nach den Büchern weiter erzählen konnten ohne das die Spieler Vorwissen mitbringen mussten. The Witcher 2: Assassins of Kings knüpft nun beinah nahtlos an den ersten Teil an und beginnt etwa einen Monat nach dem Ende von The Witcher. Um eventuelle Spoiler zu vermeiden hier nur die Grundzüge der wirklich gelungenen Geschichte von The Witcher 2: In der Rolle von Geralt findet ihr euch im Gefängnis wieder und werdet von den Wachen in einen Raum geschleppt in dem euch Vernon Roche, Kommandant der Spezialeinheit Temeriens, verhört. In Rückblicken die Geralt erzählt, spielt ihr nun im Prolog die Erstürmung der Burg der de Valetts nach. Dabei befindet ihr euch an der Seite König Foltests von Temerien. Weshalb ihr genau im Gefängnis seid, findet ihr am besten selbst raus. Allerdings seid ihr nur im Prolog in Gefangenschaft. In den weiteren Akten ist es eure Aufgabe gemeinsam mit Roche und einigen aus dem ersten Teil bekannten Charakteren – unter anderem Triss Merigold – einen speziellen Mörder zu jagen.

Im Verlauf der Story von The Witcher 2 ist es immer wieder an euch Entscheidungen zu treffen, die direkten Einfluss auf die Story haben und somit das eigene Spielerlebnis beeinflussen. Dabei kann es sich entweder um kleine Details handeln, die mit der Hauptgeschichte nicht viel zu tun haben oder diese nur am Rande berühren, oder aber sie beeinflussen das komplette spätere Spiel. Gerade am Ende des ersten Aktes erwartet euch eine große Entscheidung, die dafür sorgt auf welcher Seite ihr Akt zwei und drei erlebt. Das wiederum führt dazu, dass ihr in Akt 2 bestimmte Orte nicht betreten könnt sowie andere Haupt- und Nebenquests erhaltet. Selbiges gilt in etwas geringerem Rahmen auch für den dritten und letzten Akt. Alleine durch diese eine große Entscheidung bietet The Witcher 2 einen hohen Wiederspielwert, der durch weitere Entscheidungen, die, die Story direkt beeinflussen noch einmal erhöht wird. Mehrmaliges Durchspielen wird dadurch schon fast zur Pflicht. Dazu kommt für Spieler des ersten Teils, dass die dort getroffenen Entscheidungen auf Wunsch in The Witcher 2 übernommen werden können, wodurch sich Charaktere euch gegenüber anders verhalten oder aber überhaupt nicht auftauchen.

Die wirklich gelungene Geschichte von The Witcher 2 leidet leider ein wenig an dem etwas schwachen und deutlich kürzeren dritten Akt. Hier verliert das Spiel etwas an Puste, was dem Gesamteindruck aber nur ein klein wenig schadet. Den Entwicklern ist dafür aber einer der besten Spieleinstiege der letzten Jahre, wenn nicht sogar aller Zeiten gelungen. Durch die im gesamten Spiel packende Atmosphäre und glaubhafte Spielwelt, wirkt die Belagerung und Erstürmung der Burg der de Valetts enorm fesselnd und mitreißend. Aber auch der erste und zweite Akt können hier punkten. Gerade die exzellent gelungenen Quests tragen einiges zum Spielerlebnis bei. Dabei ist es vollkommen unwichtig, ob es sich nur um eine Nebenaufgabe handelt oder die Geschichte vorangebracht wird. Dazu kommen wirklich gelungene und glaubhaft umgesetzte Charaktere, die ihren eigenen Tagesablauf verfolgen und einiges zur atmosphärischen Spielwelt beitragen.

Die Spielwelt an sich ist auch ein Punkt, der The Witcher 2 gutzuschreiben ist. Dies gilt zum einen in grafischer Hinsicht, zum anderen aber auch der Gestaltung der Welt, die Sapkowski bereits in seinen Romanen festgelegt hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Fantasy-Werken ist die Welt der Witcher-Spiele und -Bücher dreckig, rau und hart. Neben einer ungezügelten und teilweise vulgären Sprache werden auch erotische und sexuelle Themen erwähnt und gezeigt. Außerdem spielt Rassismus gegenüber den sogenannten Anderlingen, Elfen und Zwergen, eine große Rolle. Es existiert auch nicht das reine und strahlende Gute oder das klare und dunkle Böse. Alles hat seine Licht- und Schattenseite. Die Welt von The Witcher 2 ist grau und das trifft auch auf den Protagonisten Geralt zu, der keineswegs für das Gute kämpft, wie es in vielen anderen Genrevertretern üblich ist. Zu beachten ist aber, dass The Witcher 2 kein Open-World-Spiel ist. Das Rollenspiel ist in drei Akte, sowie Prolog und Epilog eingeteilt. In jedem Akt könnt ihr euch nur in einem bestimmten Gebiet bewegen. Diese Gebiete fallen allerdings ausgesprochen groß aus und bieten genügend Bewegungsfreiheit, um zum Erkunden einzuladen. Lediglich das Gebiet im finalen Akt fällt etwas kleiner aus.

Doch wie ist The Witcher 2 als Rollenspiel an sich? Diese Frage lässt sich einfach beantworten: sehr gut. The Witcher 2 ist das aktuell beste Rollenspiel auf dem Markt. Das verdankt das Spiel nicht nur der guten Story, der packende Atmosphäre und der glaubhaften Spielwelt, sondern auch dem Gameplay an sich. Dieses ist zwar nicht perfekt, aber den Entwicklern wirklich gut gelungen. Dennoch hätte der Talentbaum insgesamt etwas größer ausfallen könne beziehungsweise mehr direkte Fähigkeiten für Geralt mit sich bringen können. Dennoch wird es euch nicht gelingen alle Bereiche vollständig auszubilden. Selbst wenn ihr euch nur auf einen der drei Hauptzweige konzentriert, werdet ihr nicht alles komplett ausbauen können. Dafür habt ihr aber die Möglichkeiten Geralt in gewisser Weise an eure eigene Spielweise anzupassen. Völlige Freiheit habt ihr dabei aber leider nicht, da der Hexer nur fünf Zeichen zur Wirkung von Magie beherrscht und der Fernkampf lediglich aus dem Werfen von Messern besteht. Deshalb werdet ihr gezwungen sein in den Kämpfen auf eure Schwerter zurückzugreifen. Trotzdem könnt ihr auf Wunsch statt eurer Schwertkampftalente auch Magie oder Alchemie weiter ausbilden und damit zumindest ein wenig beeinflussen, wie ihr agieren könnt. Misslungen ist das Talentsystem damit aber nicht, sondern schränkt den Spieler nur ein wenig ein. Dies passt aber auch besser zu Geralt, da dieser in erster Linie mit seinen Schwertern kämpft und den Kampf durch Tränke und Magie unterstützt. Hierbei liegen die Entwickler also nah an der Buch-Vorlage.

Neben dem Ausbau der Talente gehört das Kampfsystem zu den wichtigsten Elementen eines Rollenspiels. Dieses fällt in The Witcher 2 ganz klar Action-reich aus. Dabei entfernen sich die Entwickler von dem aus Teil eins bekannten System. Damals galt es immer dann die Maustaste zu betätigen, wenn der Mauszeiger von einer Flamme umgeben war. The Witcher 2 erlaubt auch einfaches und frei aufeinander folgendes Klicken. Dies führt aber nicht immer zum Ziel, da eure Widersacher eure Angriffe blocken, parieren und auch durchbrechen können. Es ist also durchaus wichtig taktisch vorzugehen und auch mal Angriffe zu blocken. Spielt ihr auf dem einfachsten der vier Schwierigkeitsgrade ist die Nutzung von Tränken oder Magie meistens nicht erforderlich, aber bereits auf dem zweiten Grad solltet ihr darauf zurückgreifen. Das Magiesystem basiert dabei, wie bereits erwähnt, auf fünf unterschiedlichen Zeichen. Diese sorgen zum Beispiel dafür, dass Geralt einen Feuerball auf seinen Gegner schießt oder für begrenzte Zeit ein magisches Schild aktiviert. Wechseln könnt ihr jederzeit zwischen den einzelnen Zeichen. Dafür drückt ihr einfach eine Taste wodurch sich das Kreismenü öffnet in dem ihr neben den Zeichen auch zwischen euren beiden Schwertern sowie den Nebenwaffen wechseln könnt. Solange dieses Menü geöffnet ist, wird das Spiel selbst stark verlangsamt. Bei den Kämpfen ist es im übrigen auch wichtig darauf zu achten welches Schwert ihr einsetzt. Gegen Monster und übernatürliche Wesen benötigt ihr euer Silberschwert, während gegen menschliche, elfische oder zwergige Gegner ein Stahlschwert am besten wirkt. Der größte Nachteil der Kämpfe zeigt sich, wenn ihr gegen größere Gruppen kämpft. Dabei wird das Geschehen auf dem Bildschirm schnell etwas chaotisch und euch bleibt kaum eine andere Möglichkeit, als auszuweichen, wodurch es viel zu oft nötigt ist durch die Gegend zu rollen. Grund dafür ist das automatische Anvisieren eines Gegners. Geralt konzentriert seine Angriffe immer auf einen bestimmten Kontrahenten. Dieser ist natürlich entsprechend markiert. Leider passiert es viel zu oft, dass nicht der euch am nächsten stehende Gegner anvisiert wird, sondern auch einmal jener am anderen Ende der Gruppe. In diesem Fall rennt oder rollt Geralt bis zu diesem Feind, um ihn zu attackieren. Sämtliche andere Feinde werden dabei ignoriert. Das wirkt manchmal schon etwas störend, schadet aber dem eigentlich guten Eindruck des Kampfsystems kaum.

Zur Erholung vom anstrengenden Alltag als Hexer finden sich in The Witcher 2 neben den ganzen Quests auch Zeitvertreib für zwischendurch. Entsprechende Quests motivieren dabei sogar noch dazu, diese Minispiele auch wirklich zu absolvieren. Genau handelt es sich dabei um Würfelpoker, Faustkämpfe und Armdrücken. Dabei handelt es sich bei den letzten beiden eher um Reaktionstest beziehungsweise Quick-Time-Events. So müsst ihr während den Faustkämpfen lediglich schnell die Taste drücken, die eingeblendet wird, um einen Angriff zu blocken oder selbst einen auszuteilen. Beim Armdrücken gilt es hingegen eine Regler innerhalb eines bestimmten Bereichs zu halten, der immer kleiner wird. Dafür müsst ihr die Maus entsprechend nach links und rechts bewegen, um dem Bereich zu folgen. Trotz oder gerade wegen ihrer Einfachheit sind die drei Minispiele spaßig und außerdem gut integriert.

Wie bereits erwähnt, kann The Witcher 2 auch in Sachen Grafik überzeugen. Im Gegensatz zum Vorgänger haben die Entwickler von CD Project Red nicht auf die etwas veraltete Aurora Engine von Bioware gesetzt, sondern eine eigene entworfen. Wie gut diese Entscheidung war, dürfte jedem Spieler sofort klar werden. Nicht nur die Charaktermodelle sehen wirklich gelungen und realistisch aus, auch die Umgebungen sind eine wahre Augenweide. Egal ob die Burgstadt im Prolog oder die Wälder rund um Flotsam im ersten Akt, The Witcher 2 besticht durch eine herausragende Optik. Dazu kommen erstklassige Wasser- und Lichteffekte. Kurz gesagt: The Witcher 2 ist das bisher schönste Rollenspiel.

In Sachen Sound und Musik braucht sich der Titel auch nicht zu verstecken. Zwar war der Soundtrack insgesamt gesehen im Vorgänger ein kleines bisschen besser und präsenter, doch auch für Teil zwei haben die Komponisten sehr gute Arbeit geleistet, die der gelungenen Atmosphäre von The Witcher 2 zu gute kommt. Selbiges gilt auch für die Sprachausgabe. Zwar kommt die deutsche Vertonung nicht ganz an die englische Sprachfassung heran, aber das stört kaum, da auch die meisten deutschen Sprecher wirklich gute Arbeit geleistet haben und den Charakteren in The Witcher 2 egal in welcher Sprache gekonnt Leben einhauchen. Schön ist auch die Möglichkeit die Sprache frei zu wählen. Dadurch können Spieler nach eigenen Vorlieben entscheiden, ob sie lieber in deutsch, englisch oder einer der anderen zahlreich vorhandenen Sprachen spielen möchten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit die Untertitel ebenfalls frei einzustellen. Dadurch habt ihr nicht nur die Möglichkeit englische Sprache mit deutschen Texten zu verknüpfen, sondern auch andere Kombinationen zu wählen.

Fazit

The Witcher 2 ist eindeutig das beste Rollenspiel des Jahres 2011, zumindest bis jetzt. Gerade The Elder Scrolls 5: Skyrim im November könnte dem Werk von CD Project Red den Titel noch streitig machen, aber selbst dann bleibt ein sehr gutes Rollenspiel, das trotz einiger kleinerer Mängel ein Meisterwerk geworden ist um das PC-Rollenspieler nicht herum kommen. Wirklich bedeutet ist auch, dass CD Project Red deutlich bessere Arbeit abgeliefert hat, als die Rollenspiel-Meister von Bioware mit Dragon Age 2. Egal ob in Sachen Atmosphäre, Story, Quests, Grafik oder Musik. The Witcher 2 ist in allen Bereichen sehr gut gelungen und ich kann das Rollenspiel nur jedem der etwas mit dem Genre anfangen kann und kein Problem mit der oben beschriebenen Art der Welt hat empfehlen. Ich warte nun gespannt auf The Elder Scrolls 5: Skyrim und hoffe, dass dieses Rollenspiel-Jahr sich so fortsetzt. Bis dahin bietet The Witcher 2 noch genügend Möglichkeiten für ein erneutes Durchspielen.

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