In der Bücherecke: Copyright existiert nicht

Das Buch, welches ich hier in Händen halte, ist schon ein ungewöhnliches. Der Titel ist ein klares Statement und schon im Vorwort macht der schwedische Autor Linus Walleij eindeutig klar, worum es ihm geht: Information und Wissen ist Allgemeingut und als solches nicht besitzbar.

„Ich weiß nicht, ob irgendein Verlag dieses Buch in gedruckter Form herausbringen möchte, aber ich halte diese Möglichkeit für nicht unwahrscheinlich. Sollte ich innerhalb eines Jahres oder so kein Angebot vorliegen haben, werde ich es als Public Domain freigeben, was bedeutet, dass es auf Dauer frei von jedem Copyright sein wird.“, und weiter: „Die Verbreitung dieses Buches liegt auch in Ihrer Verantwortung, und der Grundtenor dieser Botschaft kommt sicher an. Speichern Sie es auf Ihrer Festplatte und anderen Datenträgern und geben Sie es Ihren Freunden. Brennen Sie es auf CD und verbreiten Sie es als Beilage in Magazinen. Drucken Sie es aus, wenn Sie möchten.“

So passt es auch wie die Faust aufs Auge, dass dieses Originalmanuskript aus dem Jahre 1998 stammt und die erste Auflage in der deutschen Fassung erst jetzt, im Juni 2011, vom CSW-Verlag in der Edition Digitalkultur veröffentlicht wurde. Wer jetzt denkt, dass man sich hier auf eine altbackene Lowtech-Reise begibt, der hat weit gefehlt! Das Werk von Linus Walleij über die Hackerkultur und ihre Entstehung kann wirklich (zum jetzigen Zeitpunkt) als zeitlos betrachtet werden.

Was ein Hacker ist, das weiß mittlerweile annähernd jeder – oder glaubt es zu wissen, wenn sein Bild lediglich durch die klassischen Informationsmedien geprägt wurde, welches meist ein einheitlich-verbrecherisches ist. Oder man kennt sie durch die hollywoodgeprägte Untergrundromantik à la Password: Swordfish. Denjenigen, die sich den allgemeinen Hacker genau so vorstellen oder aber auch denen, welche sich einfach nur für dieses Thema interessieren, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Stets informativ und dabei niemals langweilig, wird der Leser von Walleij an der Hand genommen. Dabei bleibt er stets sachlich – was nicht heißt, dass das Geschriebene vollkommen emotionslos ist. Walleij sagt an mehr als nur einer Stelle deutlich seine Meinung. Er zieht fortwährend eine klare Linie zwischen Hackertum und Computerkriminalität, zeigt eindeutig auf, was illegal ist und was fälschlicherweise als illegal betrachtet wird. In einer niemals nervenden Art und Weise wird dem Leser das so lange ins Hirn geprügelt, bis es auch der Letzte verinnerlicht hat. Es bleibt eben nur die Frage, ob dies auch bei denen Menschen, die eben dieser Aufklärung bedürfen, auch ankommt. Im Endeffekt werden sowieso nur diejenigen das Buch lesen, die diesem Thema von Anfang an offen gegenüber stehen.

Auf einer Zeitreise von den 60ern bis in die späten 90er erfährt der Leser in diesem wirklich detaillierten Werk alles, was es über diese Subkultur zu wissen gilt. Von der Entstehung des ARPAnets über das Phreaking bis zur Crackerszene aus der C64- und Amiga-Zeit sowie der Entstehung der ersten Computerviren. Walleij lässt dabei nichts aus, unternimmt sogar einen kleinen Ausflug in die Szene der elektronischen Musik. Das hat zwar nichts direkt mit dem eigentlich Aufhänger des Werkes zu tun, passt aber sehr wohl zum Zeitgeist dieses Themas.

Nur an wenigen Stellen in diesem Buch erkennt der Leser, dass es eigentlich schon 13 Jahre auf dem Buckel hat. Dort zeigt der Autor aber auch einen soliden Weitblick in die Zukunft: „In fünf Jahren werden auch Videos über das Netz verbreitet.“ Neben solchen eingeschobenen Kommentaren widmet Walleij natürlich ein ganzes Kapitel mit seinem persönlichen Blick in die Zukunft der Cyberwelt. Beim Lesen eben dieses Kapitels wird sich der Leser auch hin und wieder bei einem wissenden Kopfnicken ertappen.

Copyright existiert nicht ist keineswegs ein exklusives Buch für Technikfreaks. Fachbegriffe werden durch Fußnoten erklärt, ohne dass das Werk dadurch überlagert bzw. überladen wird. Wem kann man dieses Buch empfehlen? Klare Antwort: Jedem, der sich auch nur ein bisschen für Computer, Internet, virtuelle Realität und technische Frickeleien interessiert. Ihr werdet schmunzeln, Ihr werdet staunen – und Ihr werdet (abhängig von Eurem Jahrgang) mehr als nur ein Aha-Erlebnis haben. Und vor allem: Ihr werdet es nicht so schnell wieder aus der Hand legen.

8 Kommentare zu „In der Bücherecke: Copyright existiert nicht“

  1. zocka:
    cool.

    copyright ist echt dreck. wissen undkunst sollte jedem menschen unabhängig vom gehalt zugänglich sein.

    creative commons ist ne gute alternative

    Wie aber sollte ein Künstler dann sein täglich Brot verdienen, wenn sein Werk automatisch frei jeden Werts ist? Und sind Filme und Videospiele nicht auch Kunst? Und Musik?
    Ein schwieriges Thema, sonst wäre es nicht so beständig.

  2. Ich gebe Andreas Recht, so einfach ist das Thema leider echt nicht. Ich verdiene selbst mein Geld mit kreativen Inhalten und wenn alles Public Domain wäre, dann könnte ich mir so meinen Lebensunterhalt nicht verdienen (was auch so schon schwer genug ist im kreativen Bereich). Meinem Vermieter kann ich ja wohl kaum sagen, dass Copyright nicht existiert und meine Miete daher auch nicht.

    Ich hatte es leider schon öfter, dass meine Sachen einfach kopiert und von anderen verkauft wurden, weil sie meinten „copyright ist echt Dreck“.
    Creative Commons ist eine gute Alternative, einfach weil man sehr genau angeben kann, wie das Werk zu behandeln ist und es eine sehr einfache Möglichkeit der Kennzeichnung ist. Wäre schön, wenn das in Deutschland weiter verbreitet wäre.

    Interessant klingt das Buch aber in jedem Fall, das werde ich mir mal bei Gelegenheit besorgen.

  3. Sascha Reimringer

    Rae Grimm:
    Ich hatte es leider schon öfter, dass meine Sachen einfach kopiert und von anderen verkauft wurden, weil sie meinten “copyright ist echt Dreck”.

    Das ist ja auch kriminell und wird von dem Autor eindeutig angeprangert. Es geht auch nicht darum, dass Filme und Musik im großen Stil verbreitet und an den Mann gebracht werden.
    Jeder, der glaubt in dem Buch eine Bestätigung für sein Tun zu finden (falls er so handelt), der irrt…

  4. Andreas Abb: Wie aber sollte ein Künstler dann sein täglich Brot verdienen, wenn sein Werk automatisch frei jeden Werts ist? Und sind Filme und Videospiele nicht auch Kunst? Und Musik?
    Ein schwieriges Thema, sonst wäre es nicht so beständig.

    in einer schenkökonomie wäre das sehr leicht. also ökonomie ohne geld. werd das hier nicht ausführlich erklären. infos werdet ihr dazu auch selber suchen können.

  5. zocka: in einer schenkökonomie wäre das sehr leicht. also ökonomie ohne geld. werd das hier nicht ausführlich erklären. infos werdet ihr dazu auch selber suchen können.

    Schenkökonomie ist aber ein utopisches Modell und daher als Beispiel ziemlich belanglos. Wäre ich Bundeskanzler wäre auch vieles sehr leicht. 😉

  6. Sascha Reimringer

    zocka: in einer schenkökonomie wäre das sehr leicht. also ökonomie ohne geld. werd das hier nicht ausführlich erklären. infos werdet ihr dazu auch selber suchen können.

    Phantast! Du vergisst die menschliche Gier. Ich werde das hier nicht ausführlich erklären. Irgendwann kommst Du auch selbst auf den Trichter, wenn Du genug Lebenserfahrung hast 😉

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