Im Test: White Knight Chronicles II (PS3)

Die aktuelle Konsolengeneration sieht immer weniger exklusive Spiele von Third Parties auf den Konsolen der drei Hersteller. Gerade bei den HD-Geschwistern ist diese Entwicklung nachvollziehbar, da wegen der hohen Entwicklungskosten das Risiko entsprechend minimiert werden sollen, indem man die Spiele für die Playstation 3 und die Xbox 360 zugleich veröffentlicht. Von daher ist White Knight Chronicles eine seltene Ausnahme in der heutigen Zeit, erschien es doch exklusiv für die Playstation 3. Die RPG-Experten von Level 5 legen nun noch eine Schippe nach und bringen den zweiten Teil ebenfalls für die aktuelle Sony-Konsole auf den Markt. Wir haben für euch zu Schwert und Schild gegriffen und White Knight Chronicles II einem ausführlichen Test unterzogen.

Im Zuge der Veröffentlichung von White Knight Chronicles II hat man sich gleich dazu entschieden den Erstling mit auf die Disc zu packen. Somit ist in jedem Fall genug „Value for Money“ gewährleistet und auch Neuneinsteiger in der Reihe erhalten eine Chance die Geschichte um Leonard nachzuvollziehen. Wenn man in den zweiten Teil der Sage einsteigt, hat man gleich zu Beginn mehrere Möglichkeiten: Wer nicht den überarbeiteten ersten Teil nachholen will, darf sich sofern er den ersten Teil bereits gespielt hat seinen selbst erstellten Charakter von dort importieren. Alternativ dazu darf man sich aber auch einen komplett neuen Charakter erstellen. Da das Sequel direkt an den Erstling anknüpft, findet man sich nach der kurzen Einleitung, in welcher man den mysteriösen Ritter Scardigne spielt, in der Gesellschaft von Leonard wieder, Protagonist des ersten Teils. Nun hat man erneut die Wahl: Möchte man alle Fertigkeiten der Charaktere so belassen oder sie komplett neu vergeben? Spätestens wenn man sich für die zweite Variante entscheidet macht es sich negativ bemerkbar, dass das Spiel Neulinge ohne irgendeine Art von Tutorial mitten ins Spielgeschehen wirft. Man muss im breit gefächerten Fertigkeitenbaum alle Fähigkeiten seiner Charaktere neu vergeben und kann entscheiden, ob man eher die Angriffe mit dem Zweihänder, dem Bogen oder dem Stab favorisiert. Maximal 18 dieser erlernten Angriffe dürfen danach ausgewählt werden um euch im Kampf zur Verfügung zu stehen. Dürfen Standardattacken dabei immer ausgeführt werden, kosten aufwändigere Attacken oder magische Angriffe MP. Diese regenerieren sich jedoch genauso wie eure HP nach jedem Kampf langsam, aber kontinuierlich. Genug ausgeteilter und eingesteckter Schaden treiben dabei eure Anzeige der AC-Punkte nach oben. Diese lässt euch besondere Attacken wie den Mana-Absauger anwenden oder euch im Falle von beispielsweise Leonard in die Form des Incorruptus verwandeln. Leonard transformiert sich so zum überdimensional großen Mech-Ritter, was vor allem gegen große Zwischen- und Endbosse hilfreich sein kann.

Natürlich braucht man eine gewisse Zeit, bis man das Spielkonzept durchschaut hat. Man wird einiges erst ausprobieren müssen um festzustellen wie es funktioniert – oder wie es eben nicht geht. Hat man sich nach einigen Stunden eingewöhnt, macht das Spiel soweit eigentlich ganz gut Laune. Die Voraussetzung ist allerdings, dass man sich für klassisch gehaltene JRPGs interessiert. Denn in White Knight Chronicles II hat man es mit Innovationen nicht so, sondern wandelt auf dem bereits bekannten Pfaden des Genres. Die Story treibt ihr durch die Hauptquests voran, indem ihr Nebenquests erledigt, den Kopfgeldjäger spielt und Botendienste erledigt könnt ihr euch extra Items verdienen und steigt in eurem Gildenrang. Dabei habt ihr reichlich Laufwege zu bewältigen, die euch mitunter recht schnell auf den Keks gehen können. Dazu kommt, dass immer nur das Storyziel auf der Karte angezeigt wird. Die optionalen Ziele müsst ihr stets selbst finden, was für Frust sorgen kann. Wer den Erstling kennt, dem kommt auch ein Großteil der Landschaften bekannt vor. Diese wurden nämlich größtenteils recycelt und werden nun in umgekehrter Reihenfolge durchstreift. Warum die Geschichte euch durch die Landschaften schickt, ist dabei etwas verworren und nicht so packend, wie sie vielleicht hätte sein können. Es dauert somit eine Weile, bis sich alle Möglichkeiten des Titels nach und nach offenbaren. Dazu gehört das Verbessern von Gegenständen genauso wie das Erstellen einer eigenen Stadt oder die Individualisierung eures Incorruptus. Dies ist allerdings erst sehr spät im Spiel möglich.

Ein Grund dafür mag sicherlich der Onlinemodus sein, indem ihr euch mit Spielern aus aller Welt messen oder zu Gruppen zusammen schließen dürft und hier soll es wohl nicht allzu schnell übermächtige Charaktere geben. Wer gerne online spielt und eine Alternative zu den MMORPGs auf dem PC sucht, sollte White Knight Chronicles II durchaus eine Chance geben. Das actionreiche Gameplay kommt dem Titel dabei sehr zugute. Ein Zeitbalken füllt sich im Kampf permanent auf und erlaubt euch Attacken auszuführen. Diese werden aus dem Menü am unteren Bildschirmrand gewählt, während ihr euch frei auf dem Schlachtfeld bewegen könnt. Zufallskämpfe gibt es somit nicht, jedoch lässt sich auch nicht jeder Kampf auf der Landkarte umgehen. Die Monster in White Knight Chronicles II decken das übliche Spektrum der Verdächtigen ab und reichen von Spinnen und Skeletten bis hin zu Wölfen, Trollen und allerlei fantastischem Getier aus den Tiefen eurer Vorstellungskraft. Nahezu jedes Monster gibt es dabei in verschiedenen Abwandlungen, deren Angriffsmuster sich jedoch nicht wirklich voneinander unterscheiden. Habt ihr einmal die Schwachstelle eurer Opponenten gefunden, führt ihr im Prinzip immer dieselbe Attacke aus, bis euer Feind das Zeitlich segnet. So verkommen die Schlachten vor allen Dingen gegen einfachere Gegner eher zum stumpfen Knöpfchendrücken ohne taktische Komponente. Die Bossfights gegen die zäheren Brocken dagegen erfordern meist etwas mehr Geschick. Hier sind auch die erstellbaren Combos angebracht, die es euch erlauben mehrere Angriffs aneinander zu reihen und dabei besonders viel Schaden zu verursachen. Die Spielzeit des zweiten Teils ist jedenfalls ausreichend groß und bietet dank des Multiplayer-Bereichs auch abseits der Singleplayer-Kampagne jede Menge Material. Rechnet man noch den ebenfalls erhaltenen und spielenswerten Erstling mit ein, ist man weit über 100 Stunden mit dem Spiel beschäftigt.

Technisch gesehen war bereits White Knight Chronicles recht nett anzusehen. an der Grafikschraube hat man bei der Fortsetzung nur wenig gedreht und präsentiert nach wie vor in sich stimmige Welten, deren Texturen hin und wieder etwas schärfer und kontrastreicher hätten ausfallen können. Immerhin kommt das Spiel trotz seiner weitläufigen Flächen ohne Ruckler aus. Nur die Ladezeiten hätten beim Speichern und Laden von Spielständen etwas kürzer sein dürfen. Die Möglichkeit des selbst erstellbaren Charakters im umfangreichen Editor ist an sich übrigens eine tolle Idee. Dumm ist nur, dass euer Protagonist in der Story nicht wirklich eine Rolle spielt. Wenn man ihn in den Cutscenes mal am Rand stehen sieht, ist das schon viel. Ansonsten seid ihr auch immer wieder gezwungen andere Charaktere zu übernehmen, wenn ihr euch beispielsweise in den Incorruptus verwandeln müsst um einen Endboss zu bezwingen oder trotz erteilter Strategien an eure Gefährten ihre MP durch den Einsatz eines Items manuell auffüllen müsst. Beim Sound macht White Knight Chronicles II dagegen eine richtig gute Figur. Der Soundtrack ist zwar typisch für das Genre, allesamt dem Japano-Metal-Titelsong in sich komplett stimmig. Die Soundeffekte sind in Ordnung, die ausgiebige englische Sprachausgabe dagegen verdient ein besonderes Lob.

Fazit

Wer auf der Suche nach einen traditionell gehaltenen J-RPG ist, liegt bei White Knight Chronicles II im Prinzip richtig. Man darf sich nur nicht an den Details stören, die den Titel mitunter etwas langatmig und nervig wirken lassen könnten. Die langen Laufwege, die teils etwas dümmliche KI eurer Gefährten und die steil ansteigende Lernkurve mangels Tutorial sprechen genauso wie die etwas träge Story eigentlich nicht wirklich für das Spiel. Wer den Einstieg geschafft hat und mit White Knight Chronicles II warm geworden ist, kann darüber aber hinwegsehen und durchaus einige nette Stunden mit dem Spiel verbringen. Der Online-Multiplayermodus trägt ebenfalls dazu bei, dass man den Titel für auf dem trocken sitzende Fans des Genres mit einer Playstation 3 im Haus trotz aller Mängel bedenkenlos empfehlen kann.

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