Im Test: Captain America: Super Soldier (Wii)

Es ist keine Seltenheit, dass Spiele für die HD-Zwillinge und die dazu gehörige Wii-Version von zwei unterschiedlichen Teams entwickelt werden. So ist es auch im Fall von Captain America: Super Soldier von Sega gewesen. Natürlich haben wir uns neben dem Spiel für die Xbox 360 auch die Wii-Version ausgiebig zu Gemüte geführt und verraten euch in einem ausführlichen Test, was Captain America: Super Soldier auf Nintendos Heimkonsole taugt.

Während Sega für die Umsetzung von Captain America: Super Soldier auf den HD-Konsolen die Entwickler von Next Level Games verpflichtete, wurden für die Wii-Version die Conduit-erprobten Kollegen von High Voltage Software beauftragt. Man sollte meinen, dass diese sich gut genug mit Nintendos Hardware auskennen, um der weißen Kiste zumindest eine ordentliche Engine entlocken zu können. Gepaart mit dem auf Action ausgelegten Gameplay hätte es somit ein recht netter Lizenztitel werden können. Immerhin haben Next Level Games es geschafft, das aktuelle Videospiel das Captains ein klein wenig positiv aus dem Einheitsbrei der Lizenzen herausragen zu lassen. Im Falle des Superheldenabenteuers für die Wii ist dieses Unterfangen dagegen nicht wirklich geglückt. Wer nämlich eine einfach Portierung mit schlechterer Grafik erwartet hat, wird enttäuscht sein. Captain America: Super Soldier ist auf der Nintendo-Konsole ein nahezu komplett anderes Spiel. Natürlich wurde das Grundprinzip beibehalten: Ihr prügelt euch als der flinke Superheld mit eurem Schild bewaffnet durch endlose Schergen an bösen Hydra-Soldaten. Aber da dies von der Vorlage her wohl unumstößlich war, konnte man daran wohl nicht viel ändern. Ansonsten erlebt man im Vergleich zur HD-Version ein in vielen Bereichen umgekrempeltes Spiel.

Die Level sind weitaus weniger verzweigt und ein blauer Pfeil am oberen Bildschirmrand zeigt euch stets an, in welche Richtung ihr laufen müsst. Dafür müsst ihr auf eine Karte verzichten, anhand der ihr euch orientieren könnt. Die verschiedenen Areale sind dabei nicht mittels Kanälen miteinander verknüpft, sondern ihr könnt die einzelnen Level nur direkt über das Hauptmenü anwählen, sobald ihr diese einmal erfolgreich absolviert habt. Im Kampf selbst lebt das Spiel zum einen von den ausgeführten Angriffen, zum anderen von der rechtzeitig ausgeführten Konterattacken. Rechtzeitig wird dabei der zu drückende Knopf eingeblendet, so dass man eigentlich jeden Konter vollführen und sich davor stets noch eine Tasse Kaffee kochen kann. Man hat versucht wie auf den HD-Zwillingen das Kampfgeschehen gut in Szene zu setzen, scheitert hier jedoch an den grafischen Möglichkeiten der Wii. Natürlich springt auch auf Nintendos Heimkonsole der Captain agil über seine Feinde hinweg, verteilt Kopfnüsse, Combos und Kicks, jedoch wirkt alles in allem der Spielablauf nicht so flüssig und stimmig. Der Schild eures Superhelden kann entweder zum Block verwendet werden, um Projektile abzuwehren oder um es zu werfen und damit Dinge zu zerstören oder Gegner zu betäuben. Komplett ausgeschaltet werden Feinde durch den Schild allerdings nicht. Immerhin dürft ihr recht angenehm mittels Pointer das Ziel für den Schildwurf aussuchen, was gut funktioniert.

Neben euren Feinden dürft ihr in den einzelnen Abschnitten auch Kisten plätten und Fässer zerstören. Medi-Kits hinterlassen zudem Energie, da sich eure Kraftreserven in der Wii-Version nicht von selbst regenerieren. Zerstörte Objekte hinterlassen Sterne, die euch Erfahrungspunkte und so nach und nach neue Attacken ermöglichen. Allerdings findet ihr auf der Wii weitaus weniger Sammelobjekte und die neuen Attacken sind andere als im HD-Ableger des Titels. Die Herausforderungen der HD-Geschwister, die gesondert freigeschaltet werden müssen und in denen ihr gegen die Zeit bestimmte Aufgaben erledigen müsst, fehlen ebenfalls. Zwar gibt es Sonderaufgaben, diese beschränken sich jedoch auf Aufgaben in den aktuellen Levels, wo beispielsweise Bomben zerstört oder Soldaten gerettet werden müssen. Die Abwechslung hält sich dabei allerdings in Grenzen. Das liegt auch daran, dass die vielfältigen Rätsel der HD-Versionen auf ganz einfache Aufgaben wie das Betätigen von Schaltern und das Zerstören von Kabeln reduziert wurden. Dafür erscheinen die Sprungpassagen etwas freier. Man springt zwar immer noch auf vorgegebenen Pfaden an bestimmten Stellen, kann hier und da allerdings auch Abstürzen und muss die Passagen dann wiederholen.

Technisch gesehen merkt man deutlich, dass High Voltage Software offenbar nicht die Engine verwendet haben, mit denen sie in den beiden Conduit-Teilen teils richtig nette Effekte auf Nintendos weiße Kiste zauberten. Captain America: Super Soldier dagegen hat einen recht billig wirkenden Comic-Look, bei dem die Effekte mit der Ausnahme von einigen Farbwischern bei den Prügeleien nahezu komplett fehlen. Die Umgebungen wirken recht trist und eintönig. Selbst in den eher offen angelegten Arealen kommt kein wirkliches Gefühl von Freiheit auf. Die deutsche Synchronisation präsentiert sich ebenfalls ein wenig auf Sparkurs, was man unter anderem daran merkt, dass befreite Soldaten immer denselben Spruch auf den Lippen haben, der euch bereits nach der dritten Rettungsaktion auf den Senkel geht. Warum der Name der gegnerischen Organisation Hydra teils unterschiedlich ausgesprochen wird, bleibt auch ein ungelöstes Rätsel. Die Soundeffekte sind mittelmäßig, die Musik versucht teils mit martialischem Einschlag noch etwas Stimmung zu erzeugen.

Fazit

Ragt Captain America: Super Soldier auf den HD-Konsolen ein klein wenig über das Mittelmaß hinaus und macht durchaus Laune, versumpft es auf der Wii dagegen im Lizenz-Chaos der Filmumsetzungen. Gerade im direkten Vergleich merkt man, wie schwach die Wii-Version ist. Auch verglichen mit anderen Comicumsetzungen auf Nintendos Konsole zieht man dank einfachem Leveldesign, schwacher Comic-Optik und kaum spielerischer Abwechslung den Kürzeren. Selbst hartgesottene Marvel-Fans werden hier wohl nicht glücklich.

Screenshots

2 Kommentare zu „Im Test: Captain America: Super Soldier (Wii)“

  1. Pingback: Im Test: Captain America: Super Soldier (Xbox 360) | Press A Button

  2. Am meisten Spaß soll man ja mit dem Game haben, wenn man die Spieledisk genau so schwungvoll wirft, wie es Captain America mit seinem Schild tut. „Zwinker“
    High Voltage ist für diesen Mist verantwortlich? Haben die nicht noch „The Grinder“ für dieses Jahr in der Mache? Da bin ich mal gespannt.
    Zum Glück: Kommenden Freitag ist für viele Wii-Besitzer Weihnachten!

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