Die Civilization-Reihe

Die Videospiel-Industrie hat schon einige große Reihen hervorgebracht, die es zu einem gewissen Kultfaktor geschafft haben. Zu diesen zählt zweifelsfrei auch die Rundenstrategie-Reihe Civilization von Entwickler-Legende Sid Meier. Passend zu unserem Erfahrungsbericht über die Brettspiel-Umsetzung der alteingesessenen Serie blicken wir zurück und betrachten die bisherigen Teile von Sid Meiers Welteroberungsspiel.

Ihren Anfang nahm die Civilization-Reihe im Jahr 1991 als Sid Meier mit seinem Entwicklerstudio und Publisher MicroProse den ersten Teil für MS-Dos auf den Markt brachte. Der Erfolg der Reihe war damit begründet und nach zahlreichen Umsetzungen des Erstlings, unter anderem auch für SNES, folgte 1996 schließlich ein deutlich verbesserter und erweiterter zweiter Teil. Gerade deshalb gilt der Titel bei vielen Fans bis heute als bester Teil der Reihe, muss sich aber Kritik wegen eines Fehlers im Wirtschaftssystem gefallen lassen. Dieser sorgte dafür, dass die Balance des Spiels ausgehebelt wurde. Weitere Nachfolger der Reihe folgten schließlich 2001, 2005 und 2010. Wobei der vierte Teil im Jahr 2005 erstmals 3D-Grafik spendiert bekommen hat, während der aktuelle fünfte Teil das Spielprinzip erstmals deutlich spürbar veränderte und nicht nur erweiterte oder mit Neuerungen versah.

Dabei ist das Spielprinzip von Civilization einfach und dürfte den meisten Spielern bekannt sein. Doch um auch all jenen, die bisher nichts mit Civilization am Hut hatten die Reihe näher zu bringen, eine kurze Einleitung in das Spielprinzip: Als Herrscher einer Nation beginnt ihr in der Frühzeit der Geschichte und baut eure Zivilisation immer weiter aus indem ihr Städte gründet, Militär ausbildet, Technologien erforscht, mit anderen Völkern handelt oder Krieg gegen sie führt. Eine Kampagne oder Story gab es noch in keinem Civilization, auch wenn einige Szenarios oder Mods historische Schlachten oder Ereignisse in das Spiel einbauten. Den wirklichen Reiz erhält Civilization aber eher durch das süchtig machende Spielprinzip. Wohl jedem Spieler der schon einmal einen Teil der Reihe gespielt hat dürfte der Satz „Nur noch eine Runde“ geläufig sein. Schnell werden allerdings aus dieser einen Runde auch mal zwanzig und am Ende ist wieder eine Stunde vergangen. Zumindest erging es mir persönlich bisher bei jedem einzelnen Civilization so.

Der bisher komplette Verzicht auf eine aufgezwungene Story – wie sie viele andere Spiele heutzutage verpasst bekommen – macht Civilization ebenfalls zu etwas Besonderem. Doch benötigt „Civ“, wie es von den Fans genannt wird, so etwas auch nicht. Der Spaß liegt bei diesem Spiel nicht daran einer spannenden Geschichte zu folgen, sondern die Historie seines gewählten Volkes zu bestimmten und die Weltgeschichte zu beeinflussen. Es liegt am Spieler selbst wie die Geschichte der Welt ausgeht. Gerade durch die vielen Möglichkeiten zu siegen ergeben sich auch zahlreiche Taktiken und Methoden Civilization zu spielen, wobei niemals komplett auf einen Weg verzichtet werden kann. So braucht ihr auch wenn ihr auf einen Wissenschaftssieg, also die Eroberung des Weltraums, aus seid ein starkes Militär, weil die anderen Völker euch trotz allem angreifen oder zumindest bedrohen könnten. Genauso ist es auch wenn ihr einen Diplomatie, Kultur und Wirtschaftssieg anstrebt. Völlig werdet ihr nie ohne die anderen Optionen auskommen, da sie zusammenhängen und sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Gerade in den neueren Teilen der Reihe bieten die einzelnen Optionen zahlreiche Möglichkeiten Civilization zu spielen und die Weltgeschichte neu zu schreiben.

Doch nicht alles an Civ hat den Zuspruch der Fans gefunden. Gerade der aktuelle fünfte Teil musste sich einige Kritik gefallen lassen, weil erfahrene Spieler ihn als zu einfach und einsteigerfreundlich empfunden haben. Außerdem gefiel der Wegfall der Religionen nicht jedem Spieler. Trotzdem konnte die Reihe auch hier ihren Erfolgsweg fortsetzten und wird auch weiterhin nicht so schnell in der Versenkung verschwinden.

Neben den Hauptteilen der Reihe bekam Civilization auch Ableger spendiert. Dazu zählt auch das 2008 veröffentlichte Civilization Revolution das nur für Konsolen erschienen ist und die Reihe einem breiteren Publikum näher bringen sollte. Die Besonderheit des Ablegers waren die teils recht großen Änderungen im Gameplay. So wurde Civilization Revolution in vielen Punkten an die Konsolen angepasst und Stellenweise vereinfacht. Auch verzichteten die Entwickler hier auf die aus dem vierten Teil bekannten Religionen und setzten auf eine eher comichafte Grafik. Gelungen ist die Umsetzung trotzdem. Als weiterer Ableger erwähnenswert ist das beliebte und hervorragende Colonization, das 2008 als Civilization IV: Colonization eine Neuauflage spendiert bekam. Doch bereits die Originalversion von 1994 konnte viele Spieler begeistern – mich eingeschlossen. Dabei unterscheidet sich das Spiel maßgeblich von den Civ-Spielen. In Colonization geht es um die Besiedlung von Amerika, die Verteidigung der eigenen Kolonien gegen andere Nationen und die verschiedenen Stämme der Ureinwohner sowie die am Ende erfolgende Unabhängigkeit durch einen entsprechenden Krieg. Dabei stehen die Nationen England, Frankreich, Spanien und Holland zur Auswahl. Genauso wie in Civilization gründet ihr Städte, baut Einheiten und erkundet das neue Land. Allerdings liegt ein größeres Gewicht auf Produktion und Handel als in Civilization. Verantwortlich für Colonization war neben Sid Meier auch Brian Reynolds, der maßgeblich am zweiten Teil der Civilization-Reihe beteiligt war.

Sid Meier persönlich war trotz seines Namens im Titel aller Teile der Reihe nicht an jedem davon direkt beteiligt. Gerade bei Civilization 2 und 3 fungierte er lediglich als Berater und überließ die Arbeiten an den beiden Spielen Brian Reynolds, Douglas Caspian-Kaufmann und Jeffrey L. Briggs (Teil 2) sowie Jeffrey L. Briggs und Soren Johnson (Teil 3). Jeff Briggs war es auch, der gemeinsam mit Sid Meier 1996 den noch heute für die Civ-Spiele verantwortlichen Entwickler Firaxis gründete.

Ebenfalls für Fans interessant dürfte eine Besonderheit bei Civilization 2 sein: die Berater. Im Gegensatz zu den anderen Teilen der Reihe waren diese damals nicht animiert, sondern wurden durch Schauspieler in zeitgemäßen Kostümen dargestellt. Dadurch sorgten sie immer wieder für amüsante Momente, während sie versuchten dem Spieler mit Tipps zur Seite zu stehen. Weshalb sich die Entwickler damals dafür entschieden auf Schauspieler zu setzten ist allerdings leider nicht bekannt.

Die Civilization-Reihe dürfte gerade wegen des recht aktuellen fünften Teils wieder einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Ob oder wann ein sechster Teil erscheint ist noch nicht bekannt, sollte sich allerdings die bisherige Veröffentlichungspolitik fortsetzten, so ist frühstens 2015 mit einem solchen zu rechnen. Aber bis dahin werde ich mich mit Civilization 5 und dem Brettspiel beschäftigen. Auf „nur noch eine Runde“ …

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1 Kommentar zu „Die Civilization-Reihe“

  1. Nette Zusammenfassung der Spielereihe, welche mich auch immer wieder in ihren Bann gezogen hat.
    Als Schüler sorgte Civ 1 für so manche kurz geschlafene Nacht, zum leidwesen meiner Eltern die mich zig mal dazu ermahnten endlich den Computer aus zu machen. „Ja, Papa, nur noch eine Runde“ Aus der einen Runde wurde „nur noch diese eine Stadt einnehmen“, später „nur noch die neue Technologie zu Ende erforschen“. Mit der enuen Technologie, wollte man aber auch die dadurch neu gewonnene Einheit bauen und ausprobieren und dann nur noch diese eine, nächste Stadt einnehmen….. Ein Teufelskreis.

    Ich erinner mich auch noch gerne an das im Artikel nicht erwähnte Civ Net. Eine Netzwerk unterstützende Variante des ersten Ablegers mit Hi-Res (640×480) 16-farb Grafik. Mit 2 Kumpels hatte ich damit verdammt viel Spaß.

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