iPhone 4S: Die Zukunft des mobilen Gamings?

Vor gut einer Stunde hat Apple in seiner Konzernzentrale im kalifornischen Cupertino sein neuestes Handymodel, das iPhone 4S vorgestellt. Soweit nichts Besonderes, denn die Ankündigung wurde schon lange herbeispekuliert. Interessant ist jedoch abermals der Fokus aufs mobile Gaming: Das neue Telefon erhält eine Grafikeinheit spendiert, die bis zu sieben mal mehr Leistung bringt, als die des iPhone 4. Ebenfalls bezeichnend: Die Technologie-Experten von Epic Games wurden während des Events auf die Bühne geladen um mit Infinity Blade II einen neuen Exklusivtitel für’s iOS vorzustellen.

Nintendos 3DS hat es bekanntermaßen schwer, im Jahr 2011 den Markt der mobilen Spiele für sich zu gewinnen. Auch Sonys Playstation Vita wird in wenigen Monaten beweisen müssen, ob mehr Power allein ausreicht, um in der anarchischen Welt des Mobile Gamings ein Wörtchen mitreden zu können. Eher ungefragt und in einem schleichenden Prozess haben sich neue Geräte etabliert, die per Definition ganz klar zu den Spielkonsolen gehören. Die Smartphones. In Apples AppStore floriert das Geschäft mit Spielen, alle namhaften Publisher haben Titel im Angebot, neben vielen Portierungen finden sich auch zunehmend Exklusivtitel im Angebot – mitunter in durchaus beeindruckender 3D-Grafik. Und das alles zum Preis von wenigen Euro. Für alteingesessene Spieler ist die Bedienung per Touchscreen immer noch ein K.O.-Kriterium, doch die „junge“ Generation der Rebel-Gamer, die ohne viel Aufwand und zum günstigen Preis zocken will, nimmt die Angebote millionenfach dankend an. In gewisser Weise ist es wie in früheren Zeiten, als die Älteren in den komischen Gamecontrollern der Konsolen eine unüberwindbare Barriere sahen. Oder PC-Spieler, die bis heute nicht verstehen, wie man Ego-Shooter auf einer Konsole spielen kann. Genauso blicken viele „klassische“ Gamer nun auf die mobile Fraktion und fragen sich, wie man ernsthaft mit einem Telefon zocken kann? Die Vergangenheit hat gelehrt, dass solche Barrieren nicht lange bestehen – es sieht also ganz danach aus, dass Apple zukünftig zu den Großen im Spielesektor aufrücken könnte. Alles was sie dafür brauchen – eine Spielkonsole und ein Vermarktungskonzept – haben sie am Start. Und mit der neuen, potenten Hardware werden auch immer komplexere Welten möglich. Theoretisch könnten die aktuellen Smartphones sogar die ersten modularen Spielkonsolen werden, denn sie lassen sich beliebig um externe Monitore, Maus, Tastatur oder Gamepads erweitern. Klassisches Zocken am Fernseher mit einem Controller ist schon heute per Telefon möglich. Eine interessante Entwicklung ist das allemal – auch wenn die zunehmende „Globalisierung“ des Gamings für alteingesessene Zocker viele Kompromisse bedeutet – denn sie genießen schon lange nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit der Entwickler.

Wie denkt Ihr über die Entwicklungen (nicht nur im mobilen Bereich). Verlieren klassische Konsolen ganz allgemein an Boden? Ist es irgendwann egal, auf welcher Plattform man spielt, weil das Game ohnehin in der Cloud gespeichert und von überall aus abgerufen werden kann? Und wird Apple (bzw. Android) eines Tages auf einer Stufe mit den Großen im Spielegeschäft stehen? Tun sie es vielleicht heute schon? Wir sind gespannt auf eure Meinung.

8 Kommentare zu „iPhone 4S: Die Zukunft des mobilen Gamings?“

  1. Also in meinen Augen werden Geräte, die nur über Touchscreen bedient werden, niemals eine angemessene Alternative für’s mobile Gaming darstellen. Zumindest nicht für richtige 3D-Spiele, wo Analog-Stick und Buttons simuliert werden müssen. Es ist einfach viel zu ungenau.

    Für kleine Casualspielchen sind Smartphones wunderbar geeignet, aber für mehr nicht.

  2. Sobald ein z.B. ansteckbares Device, mit Buttons und Steuerkreuz/Analogstick(s) offiziell herausgebracht wird, welches von der breiten Masse an Entwicklern unterstützt wird, könnten ein 3DS und die PS Vita echt ins hintertreffen geraten. 3D ohne Brille wird ja auch schon von 2 Smartphones unterstützt.

    Die Chance der Spielemarktbeherschung durch Smartphones ist da, wird aber noch nicht richtig realisiert. Leider oder Gott sei Dank mag ich gar nicht sagen. Bin eigentlich ein Freund der „nur“ Gaming Devices von Nintendo und Sony aber vielleicht ist jetzt auch einfach mal umdenken angesagt.

    Ich brauche meist richtige Buttons und Steuereinheiten um ein präzises Gefühl der Kontrolle zu haben. Sobald das auch andere Geräte bieten, wäre ich auch bereit anderen Herstellern eine Chance zu geben, obwohl mir Nintendo sehr am Herzen liegt.

  3. Was Apple gestern geboten hat, fällt eher unter den Gesichtspunkt der normalen Produktpflege, würde ich sagen.
    GameCenter hat derzeit 67 Millionen Nutzer und wurde um Photos für die Freundesliste, Achievement Points, etc. erweitert. AirPlay Mirroring ist mit iOS 5 dann auch möglich, man kann sein iOS Spiel dann per AppleTV am TV zocken. Und ja, die Grafikleistung des neuen iPhones ist schon beeindruckend, aber laut Apple ist ja der iPod Touch die populärste portable Spielkonsole der Welt. Und die hat leider (noch) nicht denselben Prozessor des iPhone 4S spendiert bekommen.
    Die Entwicklung ist seit Jahren relativ offensichtlich. Viele Spielefirmen, wie Square Enix, Capcom, Sega, EA, Namco Bandai, Epic, id, etc. haben in ihren Firmen Leute abgestellt, die sich auf iOS und Android spezialisiert haben. Dabei werden entweder alte Spiele portiert oder gar Exklusivtitel angefertigt. Die Firmen wollen nicht ins Hintertreffen geraten, indem sie sich auf die alteingesessenen Hardwareentwickler wie Sony, Microsoft oder Nintendo verlassen. Denn in den Hosentaschen der Leute steckt heutzutage nunmal Hardware von Apple, HTC, Samsung usw.
    Mir persönlich geht’s -um beim Thema Videospiele zu bleiben- natürlich um den Inhalt. Mich kann ein Spiel wie Mario Kart 7 einfach begeistern, die Vorfreude darauf ist riesig. Insofern werde ich mir auch den 3DS holen, obwohl ich diese portable Konsole aus offensichtlichen Gründen eigentlich auslassen wollte. Da ich generell das Spieleangebot für iOS aber zigfach interessanter finde, als jenes für den 3DS, werde ich wohl weiterhin hauptsächlich auf meinem iPod Touch zocken. Es gibt genug Titel, welche mit Gyroskop und v.a. dem Touchscreen ideal zu steuern sind. Und ja, arm wird man dabei auch nicht, da die Preise halt paradiesisch sind.

  4. Da ich ein sehr konservativer Mensch bin (Handy? Brauch ich net!), werd ich nie und nimmer auf ein iPhone umsteigen, um damit zu zocken. Ich steh halt nun mal auf die Nintendo-Games und dazu brauchts ein Nintendo-Handheld. Download-Spiele sind mir ein Greul und werden bei mir NIE denselben Stellenwert haben, wie ein herkömmliches Spiel in althergebrachter Spieleverpackung. Alleine schon deswegen boykottiere ich diesen Kram. Sollten es die traditionellen Handhelds wegen dieser Entwicklung bald nicht mehr geben, wars das für mich, dann steig ich aus. Ist mir auch egal, wer dann den Markt beherrscht. Lieber bezahl ich 50€ für ein Spiel, das ich anfassen kann, als ein paar Groschen für einen elektronisch gespeicherten Mist, den man eh wenige Jahre später in die Mülltonne wirft. Es kommt mir im Moment ein bisschen wie auf dem Arbeitsmarkt vor: Hauptsache billig. Die Masse machts.
    Man mag mir meine Einstellung sicherlich übel nehmen, ist ja auch Jedem seine Sache, was er mit seiner Kohle macht. Aber: Ohne mich!

  5. @ Kugelwilli:

    „Greul“, „Kram“, „Mist“.
    Ich will dir deine Ansicht nicht nehmen, aber hier mal nur ein(!) Beispiel, warum ich so gerne auf meinem iPod Touch zocke: alleine heute habe ich wieder über ein Dutzend kostenlose Updates für meine Spiele runtergeladen, z.B. für Broken Sword und Pflanzen gegen Zombies. Zahlreiche tolle Spiele im App Store werden von ihren Entwicklern monate- oder gar jahrelang(!) gepflegt und erweitert, und das alles kostenlos und bequem für den Spieler.
    Ich habe noch nie ein System besessen, auf dem die Spiele dermaßen liebevoll und regelmäßig geupdated wurden. Schade, dass du das nie erleben und somit weiter auf deinen anfangs zitierten Vorurteilen sitzen bleiben wirst.

  6. @ CAP

    Sorry, ich wollte mit meiner Äußerung bestimmt niemanden auf den Schlips treten. Und: Natürlich macht man als langjähriger Spieler immer ne bestimmte technische Entwicklung mit. Das ist ganz selbstverständlich und auch in Ordnung. Manches geht aber entschieden zu weit. Bestes und jüngstes Beispiel: Dragon Quest X für Wii oder WiiU. Hier geht es mir jetzt nicht um den Datenträger, sondern alleine darum, daß man zwingend Online sein muß, um es zu spielen. Da bin ich wohl nicht der einzige, der dazu NEIN sagt. Als Sammler von Videospielen steht für mich nun mal das Objekt der Begierde im Vordergrund, das ich auch mal in die Hand nehmen möchte. Und das geht nun mal bei Download-Spielen nicht. Auch in diesem Punkt bin ich nicht der einzige, der so denkt. Übrigens: Ich habe einen iPod zu Hause, den ich vorrangig für Musik nutze. Da finde ich es toll, wenn ich meine CD-Sammlung oder die unzähligen Vinyls meines Vaters, jederzeit abrufen und anspielen kann. Aber für Videospiele nutze ich diesen auf keinen Fall.
    Also, wie gesagt, es ist jedem seine Sache. Unterstützen mag ich elektronische Spiele, egal von welchem Hersteller jedoch nicht.

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