Im Test: Uncharted 3: Drake’s Deception

Endlich ist es da, das wahrscheinlich meisterwartete PS3-exklusiv-Spiel des Jahres: Uncharted 3: Drake’s Deception. Die Fortsetzung des 2009er Action-Adventure-Hits Uncharted 2: Among Thieves von Naughty Dog schickt euch erneut als Nathan Drake auf ein Abenteuer rund um die Welt. Doch ist der dritte Teil der Reihe wie von vielen erhofft tatsächlich noch besser geworden als der grandiose Vorgänger? Hat sich die atemberaubende Grafik noch einmal verbessert?

Es sei gleich vorweg gesagt: Uncharted 3: Drake’s Deception kann die hohen Erwartungen trotz einiger kleinerer Patzer problemlos erfüllen. Egal ob die actionreichen Kämpfe, die zahlreichen Klettereien oder die gute gemachten Rätsel, Uncharted 3 weiß in vielen Punkten zu überzeugen. Aber der Reihe nach. Die Geschichte des dritten Abenteuers von Nathan Drake dreht sich um die Suche nach der als Atlantis des Sandes bekannten Stadt Iram. Diese suchte bereits Nates Vorfahre Sir Francis Drake im Dienst von Königin Elizabeth, hielt die Reise aber geheim. Weshalb er dies tat und was es mit der verschollenen Stadt auf sich hat, erfahrt ihr im Verlauf des Spiels. Aber natürlich sind Nathan und seine Freunde nicht alleine auf der Suche nach Iram. Erneut wollen euch andere zuvor kommen. Was es genau mit der neuen Gegenspielerin Katherine Marlow auf sich hat, wollen wir an dieser Stelle aber nicht verraten. Die Geschichte gehört aber auf jeden Fall wieder zu den starken Momenten von Uncharted 3 und schlägt locker vergleichbare Hollywood-Streifen der jüngeren Zeit. Positiv ist dabei auch, dass die Entwickler auf Übersinnliches verzichtet haben.

Wichtig für eine gute Geschichte sind ganz klar auch die Charaktere und diese sind in Uncharted 3 erneut mehr als nur gelungen. Während die aus den Vorgängern bekannten Protagonisten Nathan Drake, Victor „Sully“ Sullivan, Elena Fisher und Chloe Frazer gewohnt gut gelungen und menschlich daher kommen, sind dieser Liste auch zwei Neuzugänge hinzuzufügen. Zum einen Charlie Cutter, der als sympathischer Raufbold und schwarzem Humor daher kommt. Ihm gegenüber steht die intrigante und hinterhältige Kathrine Marlow. Einzig euer anderer neuer Gegenspieler Talbot bleibt etwas blass.

Für viele noch ausschlaggebender als eine gute Geschichte und gelungene Charaktere ist wahrscheinlich aber der Spielablauf selbst. Dieser lässt sich auf einfache Weise in drei Abschnitte aufteilen. Den größten Part nehmen dabei die actionreich inszenierten Schießereien ein. Diese Abschnitte sind den Entwicklern wieder gewohnt gut gelungen. Einzig die nicht gerade intelligent agierenden Gegner trüben den sehr guten Eindruck etwas. Aber das ist Kritik auf einem sehr hohen Niveau. Die schiere Anzahl an Feinden lockert diesen Aspekt sowieso wieder deutlich auf. Wirklich leicht sind die Abschnitte – je nach Schwierigkeitsgrad und Erfahrungswert – dadurch nicht. An manchen Stellen treten euch sogar bis zu zwanzig Gegner auf einmal gegenüber.

Neben den Schießereien bietet euch Uncharted 3 auch ein völlig neues Nahkampfsystem. Immer wieder tretet ihr ohne Waffen gegen eure Feinde an oder habt zumindest die Möglichkeit dazu. Dabei setzten die Entwickler auf ein recht einfaches Prinzip. Eine Taste zum Schlagen, eine für Konter und eine zum Packen der Gegner. Aber das reicht vollkommen. Auch weil Nathan immer auf die jeweilige Situation reagiert. So greift ihr euch beispielsweise automatisch eine nah stehende Flasche und schlagt mit dieser zu. Am Ende der immer wieder eingestreuten Prügeleien wartet immer ein besonders harter Brocken auf euch. Dieser wirkt zwar deutlich überzeichnet, das stört aber nicht. Dafür sind die Kämpfe gegen diese Zwischenbosse weniger individuell. Viel mehr erinnern sie in weiten Teilen an Quick-Time-Events. Gut in Szene gesetzt sind sie aber trotzdem.

Wie schon in den Vorgänger hangelt ihr euch auch wieder an Felswänden entlang oder erklimmt alte Ruinen. Das Klettern fällt dabei wie in den Vorgängern relativ leicht aus. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass Nathan automatisch in die jeweilige Richtung sieht in die es weiter geht und sich selbstständig an Vorsprüngen festhält. Dadurch reicht es zwar meist aus in die jeweilige Richtung zu klettern und die X-Taste zu drücken, den Spaß mindert das aber keinesfalls. Trotz allem bleiben die Klettereien gut umgesetzt und sind schön anzusehen.

Neben Kämpfen und Klettern galt es schon in den Vorgängern sporadisch eingestreute Rätsel zu lösen. Diese fielen aber immer sehr simpel aus und lösten sich Mithilfe des Notizbuchs fast von alleine. Einer der größten Kritikpunkte der Spieler am zweiten Teil. In Uncharted 3 ist es den Entwicklern nun gelungen, die Rätsel deutlich besser und fordernder zu gestalten. Das liegt zum einen an den Rätseln selbst, aber auch an den weniger ausführlichen Hinweisen im Notizbuch. Dort erhaltet ihr nur noch sehr ungenaue Angaben zur Lösung. Es gilt also gewissenhafter über die Aufgaben nachzudenken, um diese erfolgreich abzuschließen. Fair bleibt das Spiel dabei aber immer. Dazu tragen auch eure außerordentlich intelligent agierenden Begleiter bei. Braucht ihr für ein Rätsel zu lange, geben sie euch Tipps, die aber noch lange keine genaue Lösung darstellen. So merken sie zum Beispiel an, dass sie einen Hebel entdeckt hätten. Insgesamt haben die Entwickler bei den Rätseln eindeutig bessere Arbeit abgeliefert als noch bei Uncharted 2. Lediglich die geringe Rätselkonzentration zum Ende des Spiels ist noch verbesserungswürdig. Den Großteil der Rätsel findet ihr bereits im ersten Drittel des Spiels.

Uncharted: Drakes Schicksal zeigte 2007 das Potenzial der Playstation 3 und sorgte für offene Münder unter den Spielern. Mit Uncharted 2: Among Thieves gelange es den Entwicklern die Spieler erneut zu schocken. Der zweite Teil der Reihe sah wesentlich besser aus als das Serien-Debüt. Gerade die tollen Charaktermodelle- und Animationen sowie die Schneeeffekte begeisterten. Mit Uncharted 3: Drake’s Deception gelingt Naughty Dog nun auch noch dieses bereits grandios aussehende Spiel zu übertreffen. Auch wenn der Sprung von Teil 2 zu Teil 3 deutlich geringer ausfällt. Seien es die tollen Animationen, die dafür sorgen, dass Nathan fast wirkt wie ein Schauspieler in einem Film, die genialen Licht-, Feuer- und Wasserffekte oder die wirklich klasse in Szene gesetzten Zwischensequenzen, Uncharted 3 sieht einfach nur atemberaubend schön aus. Ein klares Highlight – grafisch und auch spielerisch – ist dabei der Wüstenlevel. Der Sand sieht täuschend echt aus und reagiert dynamisch auf die Bewegungen von Nathan Drake. In den späteren Wüsten-Abschnitten fällt das zwar nicht mehr ganz so stark auf, das liegt aber mehr an den Geschehnissen und optischen Eindrücken drum herum, als an der Grafik.

Im Gegensatz zur Grafik erlaubt sich Uncharted 3 bei der Musikuntermalung ein paar kleiner, aber kaum wirklich gewichtige, Patzer mehr. Während die meisten Szenen mit bombastischen oder zumindest immer passenden Liedern unterlegt sind, gibt es einige wenige Stellen an denen die Musik zu sehr im Hintergrund bleibt und kaum zu nehmen ist. Das stört aber nur gering und trübt die sonst hohe Qualität des Sounds kaum. Ebenfalls gelungen sind die Soundeffekte. Seien es Fahrzeuge, Waffen oder Flugzeuge. Alles klingt realistisch und glaubhaft. Ein klarer Gewinn für die sowieso schon gelungene Atmosphäre. Die Sprachausgabe braucht sich ebenfalls nicht zu verstecken. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob ihr auf deutsch oder englisch spielt. Beide Vertonungen sind erstklassig. Lediglich an manchen Stellen wirken die englischen Sprecher etwas passender. So etwa bei Charlie Cutter. Aber auch das nur in einem ziemlich geringen Maß.

Fazit

Uncharted 3: Drake’s Deception ist genau das Spiel geworden, das ich erwartet habe. Tolle Action, fesselnde Story, lebendig und menschlich wirkende Charaktere, gut gemachte Rätsel, spaßige Klettereien. Und das alles verpackt in ein fast perfektes audiovisuelles Äußeres. Da ist es den Entwicklern klar zu verzeihen, dass es keine wirklichen Neuerungen zum Vorgänger gibt. Mir persönlich hat gerade der Wüsten-Level gefallen, trotz seiner spielerischen Schlichtheit. Ob Uncharted 3 nun tatsächlich der Beste Teil der Reihe ist, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Dank der Detailverbesserungen und kleinen Neuerungen positioniert sich Nathan Drakes drittes Abenteuer Drake für mich aber knapp über Uncharted 2.

Da die Server noch nicht online sind, konnten wir den Mehrspieler-Modus von Uncharted 3: Drake’s Deception noch nicht testen. Dieser bewegt sich aber in ähnlicher Richtung wie in Uncharted 2. Einen Nachtest bieten wir euch, sobald wir genügend Zeit in Online-Gefechten verbringen konnten.

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