Im Test: Assassin’s Creed: Revelations (Xbox 360)

Zum dritten und letzten Mal schickt Ubisoft euch in Assassin’s Creed: Revelations als Desmond Miles in die Rolle seines Vorfahrens Ezio Auditore da Firenze. Doch es stellt sich die Frage, ob auch der vierte – und dritte im jährlichen Turnus – Teil noch überzeugen kann oder ob sich erste Abnutzungserscheinungen bei der Reihe zeigen.

Konstantinopel 1511. Ezios Suche nach der Bibliothek seines Vorfahren Altair hat den gealterten Assassinen hierher geführt. In Masyaf hat er erfahren, dass es fünf Schlüssel gibt, die den Zugang zum Vermächtnis Altairs öffnet. Einen davon haben bereits die Templer gefunden. Es ist nun an euch ihnen zuvor zukommen und die vier anderen zu besorgen. Mehr wollen wir an dieser Stelle nicht zur spannenden und gut inszenierten Geschichte von Assassin’s Creed: Revelations verraten. Während Kenner sich über weitere Informationen zu Ezio und Altair sowie über die Beantwortung einiger – wenn auch nicht aller – Fragen freuen, dürfte es Einsteigern schwer fallen der Erzählung komplett zu folgen. Zwar bietet Ubisoft zu Beginn des Spiels einen kurzen Rückblick über die bisherigen Geschehnisse, aber dieser reicht kaum aus, um die komplexe und verworrene Geschichte der drei Vorgänger zusammenzufassen. Daher sei jedem, der dies noch nicht getan hat, geraten erst die anderen drei Assassin’s Creed-Ableger zu spielen – oder zumindest die anderen beiden Teile der so genannten Ezio-Trilogie.

Assassin’s Creed: Revelations fesselt dank der exzellenten Atmosphäre wieder vom ersten Moment an. Kaum einem Spiel gelingt das so gut wie den letzten Ablegern der Assassin’s Creed-Reihe, was zum Teil auch an den bekannten Mechaniken und Charakteren liegt, aber auch an der glaubwürdigen Spielwelt. Dabei bietet euch der neueste Teil der Reihe einige gelungene, neue Charaktere wie zum Beispiel Sofia Sartor, die im Laufe des Abenteuers eine wichtige Rolle einnimmt, oder Prinz Süleyman, Enkel des Sultans. Einige wenige neue Persönlichkeiten bleiben allerdings auch etwas blass, was an sich schade ist, dem sehr guten Spielgefühl aber nicht wirklich schadet.

Spielerisch bietet Assassin’s Creed: Revelations für Kenner der Reihe, insbesondere des direkten Vorgängers Assassin’s Creed: Brotherhood, kaum Neues. Ihr rennt, springt, klettert und kämpft euch immer noch wie gewohnt durch die frei begehbare Stadt und erfüllt dabei eure Missionen. Dabei gibt es neben jenen, welche die Geschichte weiterbringen, auch Nebenaufträge. Hier fällt der Umfang – wie beim gesamten Spiel – allerdings etwas kleiner aus als noch bei Brotherhood. Zwar gibt es wieder zahlreiche versteckte Gegenstände in der Spielwelt, die gefunden werden wollen, doch hält sich die Anzahl der optionalen Missionen etwas mehr in Grenzen. Speziell die Fraktionen haben eine weit geringere Bedeutung als in Brotherhood. Gerade einmal jeweils einen richtigen Auftrag dürft ihr für Roma, Söldner und Diebe durchführen. Dazu kommen allerdings neu die Meisterassassinen-Missionen, auf die weiter unten genauer eingegangen wird. Insgesamt bleibt jedoch mehr als genug zu tun in Konstantinopel.

Natürlich hat Ubisoft trotz der Beibehaltung des grundlegenden Spielablaufs auch einige Neuerungen für euch parat. Die erste davon ist die im Orient bei den Assassinen alltägliche Hakenklinge. Mit dieser führt Ezio nicht nur neue und schön umgesetzte Konter aus, sondern kann sich beispielsweise auch schnell über einen Gegner schwingen. Weit wichtiger ist die Hakenklinge aber beim Klettern. Wenn ihr einen höher gelegenen Absatz nicht erreicht genügt ein Sprung nach oben und Ezio aktiviert automatisch die Hakenklinge, um sich am nächsten Absatz festzuhalten und hochziehen zu können. Das erleichtert das Klettern an einigen Stellen ungemein, ist teilweise sogar zwingend erforderlich um ein Gebäude bis zur Spitze zu erklimmen. Doch die Hakenklinge hat noch eine weitere Funktion. Überall in der Stadt sind Seile an Masten gespannt und überbrücken damit größere Abstände zwischen zwei Gebäuden. Springt ihr gegen beziehungsweise unter eines dieser Seile, hält sich Ezio automatisch daran fest und rutscht bis zum Ende des Seils. Das macht es in manchen Situationen deutlich schneller euer Ziel zu erreichen. Außerdem könnt ihr euch dank der Hakenklinge auch noch an Absätzen festhalten, die ihr nach einem Sprung eigentlich verfehlen würdet. Ein Druck auf die B- beziehungsweise Kreis-Taste genügt. Selbiges gilt auch, um euren Sprung an hängenden Töpfen zu verlängern, statt um die Ecke zu schwingen.

Die zweite große Neuerung sind die Bomben. In eurem Unterschlupf, den Assassinen-Festen und an in der Stadt verteilten Werkbänken könnt ihr, sobald ihr sie freigeschaltet habt, jederzeit selbst Bomben zusammenbauen. Insgesamt könnt ihr maximal jeweils vier Bomben in drei unterschiedlichen Beuteln mit euch führen. Die Beutel sind dabei in „tödlich“, „taktisch“ und „Ablenkung“ unterteilt. Spezielle Missionen beim Händler Piri Reis führen euch gekonnt in die Verwendung der durchaus nützlichen Bomben ein. Nicht völlig neu sind die in der Stadt verteilten Festen. Davon gibt es für jeden Bezirk der Stadt eine. Kontrolliert ihr eine dieser Festen, dann kontrolliert ihr auch den entsprechenden Bezirk. Zum einen erhöht jede Feste in eurem Besitz die maximale Anzahl an Assassinen, die ihr rekrutieren könnt, aber auch das Renovieren von Geschäften, Fraktionsgebäuden und Sehenswürdigkeiten ist nur in Gebieten möglich, die ihr kontrolliert. Erobern könnt ihr die Festen, in dem ihr den zuständigen Hauptmann ausschaltet und anschließend ein Leuchtfeuer im Turm der Feste entzündet. Das alles gab es in ähnlicher Form bereits in Assassin’s Creed: Brotherhood.

Doch die Festen bringen weit mehr mit sich. So starten die Templer gelegentlich Versuche, die Festen wieder zurück zu erobern. Wer nun an größere Kämpfe gegen zahlreiche Templer gemeinsam mit anderen Assassinen denkt, liegt nicht ganz richtig. Die Verteidigung eurer Festen gestaltet sich eher als eine Art Tower-Defense-Minispiel. Während des Templerangriffs steht ihr auf einem Dach und blickt auf die enge Straße hinunter, die zu eurer Feste führt. Ihr müsst nun auf den Dächern um euch herum andere Assassinen platzieren, um die heranrückenden Feindwellen abzuwehren. Jedes Dach benötigt allerdings erst einen Anführer, bevor ihr Armbrustschützen, Nahkämpfer und dergleichen platzieren könnt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit unterschiedliche Arten von Barrikaden auf der Straße zu platzieren, um das Weiterkommen der Templer kurzfristig zu verhindern. Eure Einheiten und Barrikaden bezahlt ihr dabei mit Moralpunkten, die sich entweder automatisch, beim Abwehren der Wellen und durch das Plündern von gefallenen Templern steigern lassen. Größtes Problem bei diesem Minispiel ist die teilweise mangelnde Übersicht. Da Ezio auf einem Dach steht, ist euer Sichtfeld auch so ausgelegt. Das macht das gezielte Platzieren eurer Einheiten etwas unhandlich. Auch die Häufigkeit der Angriffe kann etwas nerven, wobei hier zu beachten ist, dass dies von eurem Kenntnislevel abhängig ist. Statt wie in den Vorgängern zeigt euch das Spiel nicht mehr an wie stark die Wachen nach euch suchen, sondern wie groß der Kenntnisstand der Templer über eure Aktivitäten ist. Bei vollem Level besteht die Gefahr, dass eure Festen angegriffen wird. Wollt ihr die Angriffe also vermeiden, müsst ihr versuchen, den Kenntnislevel niedrig zu halten.

Die Festen dienen aber nicht nur zur Kontrolle der Gebiete. Auch die bereits erwähnten Meisterassassinen-Missionen hängen mit ihnen zusammen. Sobald einer eurer Assassinen Level 15 erreicht hat, könnt ihr ihn einer noch freien Feste als Anführer zuweisen. Ist das getan, hat euer Assassine ein Anliegen an euch. Dieses wird immer mit einer ersten Missionen eingeführt und bei einer zweiten beendet. Sobald das Problem des Festen-Führers beseitigt ist, kann die entsprechende Feste nicht mehr von den Templern zurückerobert werden.

Ein großes Highlight von Assassin’s Creed: Revelations sind ganz klar die Missionen, in denen ihr die Schlüssel von Masyaf sucht. Hier gilt es immer eine lineare Höhle oder einen Tempel zu durchsuchen. Ähnliche Abschnitte gab es zwar auch in Brotherhood, weshalb sie nicht wirklich neu sind, dafür sind sie wirklich gut inszeniert und bringen viel Spaß mit sich. Ähnliches gilt auch für die immer wieder eingeworfenen Altair-Rückblicke. Diese sind zwar oft relativ kurz und ihr müsst nicht in allen viel kämpfen, dafür verraten sie euch viel über die weitere Geschichte des Protagonisten aus dem ersten Teil der Serie .

Wie schon in den Vorgängern, so sammelt ihr auch in Assassin’s Creed: Revelations wieder zahlreiche in der Spielwelt verteilte Gegenstände. Dazu zählen auch die Animus-Datenfragmente. Diese schalten auf der Animus-Insel – auf der sich Desmond Miles befindet – zusätzliche Levels frei, in denen ihr mehr über die Vergangenheit des ehemaligen Barkeepers erfahrt. Dabei spielen sich die Desmond-Levels aber vollkommen anders als das eigentliche Spiel. Statt in der 3rd-Person-Perspektive wechselt das Spiel in die Ego-Ansicht. Desmond bekommt in diesen Levels, die im Kern des Animus angesiedelt sind, die Fähigkeit Blöcke zu platzieren. Auf diesen müsst ihr Abgründe überqueren oder euch einen Weg nach oben bauen, um in den nächsten Raum zu gelangen. Dabei gibt es immer wieder Stellen an denen die Blöcke anders reagieren. So werden sie zum Beispiel langsam nach oben gedrückt oder zerfallen direkt. Die Abschnitte motivieren ungemein und erinnern ein wenig an die beiden Portal-Spiele. Insgesamt gibt es fünf dieser Level, die mit der Zeit ganz schön knackig werden.

Assassin’s Creed: Revelations kann auch auf der technischen Seite wieder überzeugen und sieht einfach toll aus. Gerade die teilweise verbesserten Bewegungsanimationen, die detaillierte Kleidung und Rüstung der Charaktere und die mitunter sehr authentischen wirkenden Gesichter der einzelnen Charaktere machen viel her. Es gibt jedoch auch ein paar kleinere Schwächen. Immer wieder kommt es zu Detail- und Grafik-Pop-Ups oder das Bild zerreißt. Das stört allerdings nur selten. Musikalisch bleibt sich Assassin’s Creed ebenfalls treu. Einige bereits bekannte Stücke ergänzen das sonst gute neue Repertoire. Die Soundeffekte bleiben gewohnt gut und auch die Sprachausgabe kann sich hören lassen. Hier gibt es aber auch einen der größten Schwachpunkte für die sonst exzellente Atmosphäre: viele Stimmen wiederholen sich zu oft. Damit sind nicht die Aussagen von Menschen in der Stadt gemeint, sondern die Stimmen selbst. Das trifft sowohl auf Charaktere innerhalb der Story-Missionen, als auch auf die Bewohner der Stadt zu. Dazu kommt, dass sich die Sprachsamples der Bürger selbst zu oft wiederholen und teilweise offenbar eins zu eins aus den Vorgängern übernommen wurden. Aber das sind wirklich nur marginale Kritikpunkte auf einem ansonsten sehr hohen Niveau.

Fazit

Assassin’s Creed: Revelations ist genauso gut wie die Vorgänger und schließt die Geschichte um Ezio Auditore da Firenze und auch Altair gekonnt und würdig ab. Dennoch wirkt das Gameplay nicht mehr so erfrischend und Neuerungen sind eher im Detail enthalten. Es gelingt allerdings trotzdem Ubisoft die Qualität der Reihe hochzuhalten. Gerade die gute Geschichte, die tolle Atmosphäre und die gelungenen Charaktere machen Revelations zu einem wahren Ableger der Reihe. Kenner der Vorgänger werden wahrscheinlich sowieso zugreifen, um zu erfahren wie die Geschichte weitergeht. Außerdem schafftt es Ubisoft auch den Wunsch nach dem nächsten Teil, der dann endlich die Zahl 3 im Namen tragen sollte, in mir zu wecken. Meinen Glückwunsch dazu.

Screenshots

2 Kommentare zu „Im Test: Assassin’s Creed: Revelations (Xbox 360)“

  1. *Gähn*
    Schade dass die Ip auch zum jährlichen Update verkommen ist, Teil 1 war was frisches mit allerdings starken Schwächen wie den ewig gleichen Missionen, Teil 2 dann eine wirkliche Witerentwicklung der viel neuen Wind in die Serie brachte. Brotherhood War dann Teil 2.0.1 und das hier scheint 2.0.2 zu werden
    Fun Fact: Während das Spiel teilweise mit 70erwertungen abgestraft wird hält sich COD MW 1.0.2 immer noch bei über 90%, faszinierende Welt der Gamingredakteure

  2. Also solang die die Qualität halten, ist mir das mehr als recht, wenn die jedes Jahr einen Ableger rausbringen. Brotherhood war definitiv der beste Teil der Reihe bisher. Und viel weniger Neuerungen als beispielsweise Uncharted 3 hatte das Spiel im Vergleich zum Vorgänger auch nicht.

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