Megatest: Battlefield 3 (PC)

Battlefield bedeutet übersetzt Schlachtfeld. Und auf einem Schlachtfeld treffen sich für gewöhnlich Soldaten, die unterschiedliche Gesinnungen teilen und versuchen mit bleihaltigen Argumenten herauszufinden, wer als der größere Rechthaber vom Platz gehen darf. Ein Schlachtfeld ist aber auch die Situation, in die DICE seinen neuesten Blockbuster-Shooter Battlefield 3 hineinwirft. Denn im direkten Konkurrenzkampf zur megaerfolgreichen Call of Duty-Reihe kann in diesem Jahr nur der Bessere gewinnen. Und besser, das bedeutet größer, schöner, lauter, umfangreicher. Übersteht Electronic Arts den Kampf Goliath gegen Obergoliath?
Genau wie beim aktuellen Call of Duty: Modern Warfare 3, handelt es sich auch bei Battlefield 3 eigentlich um drei Spiele. Denn neben dem traditionellen Mehrspielermodus, bekommt die Hauptreihe erstmals auch eine vollwertige Solokampagne, sowie kooperative Einsätze spendiert. Während Call of Duty seine Wurzeln jedoch im Singleplayer-Bereich hat und sich dort jährlich mit einer noch krachbummigeren Inszenierung übertrifft, legt EA den Schwerpunkt klar auf die großen Mehrspielergefechte mit riesigem Fuhrpark und ausufernden Karten. Wir gehen daher der Reihe nach vor.

Singleplayer

Mit dem gegen-Call-of-Duty-mit-einem-eigenen-Militärshooter-anstinken hatte EA jüngst ein nicht allzu glückliches Händchen bewiesen. Jahre nachdem die Medal of Honor-Serie in den Untiefen des zweiten Weltkriegs versunken war, landete man mit dem gleichnamigen Reboot im vergangenen Jahr eine glatte Totgeburt. Die Verkäufe liefen zwar einigermaßen, Presse und Spieler waren aber alles andere als zufrieden mit diesem Kraut- und Rübenmix. Auch DICE macht nun keinen Hehl daraus, dass man es mit Activision aufnehmen möchte, denn der Solomodus von Battlefield 3 erinnert in vielerlei Hinsicht frappierend an das große Vorbild. Zu allererst fällt das schon bei der Storyführung auf, wie schon Call of Duty: Black Ops-Held Alex Mason befindet sich der Battlefield 3-Recke Blackburn in einem Verhör – auch wenn es hier etwas kultivierter abläuft. Was er verbrochen hat, bleibt lange unklar, doch Blackburn verfügt über brisante Informationen zu einem geplanten nuklearen Anschlag auf die USA. In einem ständigen Schlagabtausch und wieder aufbereiteten Erinnerungen erzählt das Spiel, wie der unscheinbar wirkende Mann in deren Besitz und dadurch letztlich in das Verhörzimmer kam. Zum guten Ton gehört es dabei auch, dass neben ihm noch drei weitere, größtenteils gesichtslose Protagonisten in das Geschehen involviert sind und nacheinander vom Spieler gesteuert werden.

Von der Grundidee her bietet die Geschichte wenig Neues und wagt auch in der Art ihrer Inszenierung keine großen Innovationen. Doch im Gegensatz zu den jüngsten Call of Dutys orientiert sich DICE ein wenig mehr an den Gesetzen der echten Welt. Der Held wirkt überraschend menschlich, die Gegnerwellen sind nicht ganz so gigantisch, die Verhörmethoden nicht ganz so radikal und die Verschwörungsgeschichte nicht ganz so abgedreht. Was nichts daran ändert, dass die an sich gut erzählte Story euch selten nachvollziehen lässt, warum ihr nun in welcher Haut steckt und was genau machen müsst. Erst gegen Ende fügen sich die Versatzstücke weitestgehend zusammen und resultieren in einem zwar toll inszenierten, aber spielerisch schwachen Finale.

Nach einem kurzen Intro samt Flash-Forward-Sequenz nimmt alles seinen Anfang irgendwo im nahen Osten, wo Blackburn und seine Kollegen zum Einsatz gegen die rebellische Gruppe der PLR schreiten um einen vermissten Marinetrupp aufzustöbern. Schon die ersten Schritte im gleißenden Sonnenlicht, vorbei an echt wirkenden Soldaten und hindurch zwischen realistischer Architektur setzen die Messlatte hoch. DICE erschaft eine verblüffend authentische Atmosphäre und plötzlich macht es auch Sinn, dass Battlefield 3 nicht ganz so hochstapelt, wie die Modern Warfare-Konkurrenz. Statt von der ersten Sekunde an Gegnerwellen umzuholzen, seid ihr Teil einer kurzen Lagebesprechung und hechtet im Anschluss durch die verwinkelten aber leeren Gassen der Stadt. Licht und Schatten erzeugen dabei zusammen mit den überwiegend hochauflösenden Texturen die realistischsten Seitenstraßen, die es jemals in einem Spiel zu sehen gab! Crysis 2 mag in punkto Detailfülle und Effekten noch die Nase vorn haben und dessen Vorgänger Crysis bietet nach wie vor die bestmögliche Naturdarstellung, doch die gesamtheitlich „realistischste“ Grafik besitzt eindeutig Battlefield 3! Und lange dauert es erwartungsgemäß auch hier nicht, bis eurer Soldatentrupp in den ersten Hinterhalt gerät, ein Kamerad angeschossen wird und ihr euch mit bleihaltigen Argumenten eurer Haut erwehren müsst. Die Krönung dieser ersten Mission ist die mittlerweile hinreichend bekannte Stelle, an der Blackburn – um einen Scharfschützen im benachbarten Hotel auszuschalten – das ganze Gebäude mit einem Raketenwerfen in Schutt und Asche schießt. Blöd nur: Obwohl die verwendete Frostbite 2-Engine ihre Stärke im dynamischen Zerstören von Gebäuden und Strukturen hat, geht das Hotel auf die immer gleiche Weise kaputt – Skriptsequenz statt Echzeit-Rums. Generell kommen Hobbysprengmeister im Solomodus kaum auf ihre Kosten, denn die Stellen, an denen sich etwas selbst zerstören lässt, können fast an einer Hand abgezählt werden – meist regieren starre Skripte.

Nachdem Blackburn sich zusammen mit einem ganzen Batallion an Soldaten ein großes Straßenscharmützel geliefert hat, erfolgt endlich die rettende Evakuierung mittels Hubschrauber aus dem Kriegsgebiet. Wir stürmen unter pfeifendem Kugelhagel auf das Luftfahrzeug zu, hinter uns stürzt die Umgebung effektvoll in sich zusammen und DICE spielt erstmals die bekannte Battlefield-Musik in einer modernen Form ab. Wow, das Gefühl, dass bereits der Trailer vermittelte, hat es tatsächlich ins Spiel geschafft – wenn auch nur an wenigen Stellen. Derartige Battlefield-Momente gibt es im Verlauf des Spiels zwar noch häufiger, doch werden sie stets so akzentuiert und abwechslungsreich eingesetzt, dass sie sich nicht abnutzen. Bei unserem ersten Start als F18-Copilot unter einem fantastischen, wolkenbehangenen Himmel und bei stürmischer See oder beim Fallschirmsprung aus einem Flugzeug haut uns das Spiel ebenfalls sein wuchtiges Thema um die Ohren, ansonsten regieren eher dezente und ungewöhnlich elektronische Töne das Geschehen. Dadurch unterscheidet sich Battlefield 3 musikalisch angenehm von anderen Militärshootern. Generell ist die gesamte Akkustik bahnbrechend. Nicht nur, dass die Waffen ausgesprochen realistisch klingen, sie hören sich auch je nach Umgebung anders an. Eine auf freier Flur abgeschossene Kugel erzeugt ein völlig anderes Geräusch, als in einer engen Schlucht oder einem Raum. Auch die Ortung der Geräusche per Raumklang gelingt ausgezeichnet, jedes Geräusch lässt sich in Richtung und auch Entfernung klar definieren. Das ist nicht nur ein technisches Gimmick, sondern fügt vor allem den Mehrspielergefechten eine spannende Komponente hinzu. Ebenso gelungen ist auch die Vertonung des Spiels, wobei sowohl in der deutschen als auch englischen Fassung prominente Sprecher verpflichtet wurden, die ihren Job wirklich gut machen. Die englische Sprachausgabe hat dennoch die Nase vorn, da sie 1. lippensynchron ist und 2. die wichtigsten Figuren auch optischen ihren jeweiligen Schauspielern nachemfpunden wurden. So wird man im Original nicht nur von einem Mann verhört, der so aussieht wie Glenn Morshower (Aaron Pierce aus 24), sondern eben auch genauso klingt.

Storymäßig dreht sich im Verlauf der 6-8 Stunden langen Kampagne schon bald alles um die Jagd nach einem Mann namens Solomon. Hierzu ballert ihr euch durch die Pariser Börse, brettert im Panzer durch weitläufige Wüstenlandschaften oder agiert als nächtlicher Scharfschütze im (unglaublich echt wirkenden) verregneten Teheran. Die Einsätze sind abwechslungsreich und haben nachvollziehbare Ziele – sind aber leider auch ausgesprochen unflexibel in der Herangehensweise. Viele Skripte werden nur dann ausgelöst, wenn der Spieler an der richtigen Stelle steht und wer auch nur ein paar Meter in die falsche Richtung läuft, wird sofort per Hinweis und Countdown dazu aufgefordert, in das Kampfgebiet zurückzukehren. DICE macht sich also nicht einmal die Mühe, seine Levels irgendwie logisch zu begrenzen, sondern zwingt den Spieler mit „unsichtbaren Barrieren“ in die richtige Richtung. Ein böser Atmosphärekiller und dicker Minuspunkt. Dennoch motiviert die Kampagne bis zum Schluss, was zu einem guten Stück auch am Gemeinschaftsgefühl zwischen dem Spieler und seinen Kameraden Montez und Campo liegt. Über weite Teile des Spiels ist man mit den selben Soldaten unterwegs, die neben Sprüche klopfen auch mal lautstark ihre Bedenken oder Ängste äußern. Dank solch kleiner Einschübe wirkt Battlefield 3 wesentlich menschlicher als es den immer skrupelloseren Call of Dutys je gelungen ist. Einen unkommentierter Spruch wie „Amerika: Ein Land gegründet von Terroristen für Terroristen“ hätte sich ein amerikanisches Studio vermutlich nie getraut. Somit gewinnt Battlefield 3 trotz unübersehbarer Ähnlichkeiten mit Activisions Shooter-Serie doch noch etwas Eigenständigkeit und ist definitiv das „nachdenklichere“ Actionspiel. Kombiniert mit der deutlich überlegenen Technik und der subtileren Inszenierung ergibt sich am Ende ein zwar nicht überragender, aber immernoch spielenswerter Solomodus, der dank vereinzelter, kleiner Highlights für eine Weile in Erinnerung bleiben wird.

Multiplayer

In den letzten Jahren hat sich die Call of Duty-Serie zu einem unglaublich populären Dauerbrenner im Bereich Mehrspielermodus entwickelt. Die Partien spielen sich flott und actionreich, Spieler steigen schnell im Rang auf. Im Gegensatz hierzu tritt Battlefield 3 als echtes Schwergewicht auf den Platz. Zwar gibt es auch hier flotte Spielmodi auf kompakten Karten – doch ganz im Ernst: Wer will das schon haben, wenn er im Gegenzug mit einem riesigen Fuhrpark von Panzern über Hubschauber bis hin zu Kampfjets in gigantischen Arealen zu Felde ziehen kann? Der Multiplayer-Modus bietet Battlefield-Feeling pur und erinnert mehr als die Bad Company-Ableger wieder an Battlefield 2. Zumindest in den Grundzügen. Das Herz des Spiels ist der bekannte Conquest-Modus, in dem Flaggenpunkte erobert und gehalten werden müssen, um Punkte für das eigene Team zu kassieren. Rush gehört seit Bad Company zum Inventar der Reihe und verteilt die Spieler als Angreifer und Verteidiger über weitläufige Karten, die in verschiedenen Etappen erobert, bzw. gehalten werden müssen. Und zu guter Letzt sind auch Deathmatch bzw. Teamdeatchmatch an Board, wobei sich schnell zeigt, dass sowohl die Karten als auch das Spawnsystem für diese Modi eigentlich nicht ausgelegt sind. Bleiben wir also bei Conquest: Wie gehabt wählt jeder Spieler zunächst seine Seite und im Anschluss eine von vier Klassen. Der Sturmsoldat ist die Frontsau und erbte jüngst auch die Eigenschaften des Sanitäters, kann somit nun auch Medipacks verteilen und mit dem Defibrillator Kameraden wiederbeleben. Der Unterstützer darf als einziger große Maschinengewehre einsetzen, sowie Munition verteilen. Damit ist er prädestiniert für Sperrfeuer und um – seinem Namen gerecht – tatsächlich das Team zu unterstützen. Denn beschossenen Gegnern verschwimmt zunehmend die Sicht, selbst wenn die Kugeln das Ziel verfehlen.  Außerdem hat der Mann noch Minen und anderen Sprengstoff im Gepäck. Der Aufklärer verfügt nicht nur über ein Präzisionsgewehr, sondern kann auch feindliche Ziele und Stellungen markieren, die so wiederum für Teamkollegen sichtbar gemacht werden. Dadurch ist etwa präzieses Mörserfeuer möglich. Und zu guter Letzt der Pionier, der Fahrzeuge reparieren, mit einem kleinen Roboter Mienen räumen und per Raketenwerfer jedwedes Gefährt zerbröseln kann.

Ist die Entscheidung für eine Klasse gefallen, erfolgt die Wahl eines Squads – ein vier-Spieler-Team, das sich untereinander vielseitig unterstützen kann. So dient etwa jeder Spieler seinen Squadmitgliedern als Einstiegspunkt. Auf dem Feld und in den ersten Gefechten ankommen, fällt auf, wie sehr die Klassen in Battlefield 3 auf das Teamspiel zugeschnitten sind. Kaum eine Funktion, kaum eine Fähigkeit, die nicht im Zusammenspiel mit Kollegen mehr Sinn ergibt. Wer statt als Scharfschütze statt nur zu campen wirklich zur Aufklärung des Schlachtfelds beiträgt, erhält nicht nur Erfahrungspunkte, sondern verbessert auch deutlich die Situation des eigenen Teams. Wer als Unterstützer die Frontkämpfer aufmunitioniert und mit Sperrfeuer aushilft, bekommt sogar für nicht selbst erledigte Feinde Punkte. Und da der Pionier als Einziger Fahrzeuge reparieren, gefährliche Minen räumen und feindliche Flugzeuge vom Himmel holen kann, ist er die wichtigste Kraft für die Überlegenheit des eigenen Fuhrparks. Durch dieses Konzept kommen jedem Spieler andere Rollen und Aufgaben zu, sodass sich die Klassen nicht nur in der Ausrüstung, sondern tatsächlich auch dem Spielstil unterscheiden! Oh und apropos Fuhrpark: Auch bei den Bodenfahrzeugen hat sich Einiges getan. Zum einen reparieren sich Fahrzeuge nun in begrenztem Rahmen selbst, solange sie nicht beschossen werden. Zum anderen fliegen sie neuerdings bei weitem nicht mehr so schnell in die Luft, sondern verlieren zunächst nur ihre Fahrtauglichkeit und im Folgenden kontinuierlich „Lebensenergie“. Ein schwer beschädigter Jeep kann dann zwar kaum noch fahren, das aufgeschraubte Geschütz lässt sich aber sehr wohl noch bedienen. Und ist ein Pionier zur Stelle, lässt sich das Fahrwerk im Handumdrehen wieder reparieren. Bei den Fluggeräten funktioniert das freilich nicht, doch auch Helis und Jets sind in der Lage, sich ein Stück weit selbst zu heilen. Durch diese Funktionen gestalten sich die Kämpfe mit Fahzeugen sehr spannend und abwechslungsreich. Gerade das (sehr anspruchsvolle) Herumsausen mit den Fluggeräten bereitet einen Heidenspaß, die Maschinen per Raketenwerfer vom Himmel zu holen aber fast noch mehr. Das gute Belohnungssystem sorgt dafür, dass schon allein das Fahruntüchtigschießen eines Vehikels belohnt wird, die komplette Zerstörung und eventuelle Eliminierung der Insassen gibt dann nochmal ordentlich Erfahrung obendrauf.

Battlefield 3 enthält neun Mehrspielerkarten, wobei Käufer der Limited Edition den im Dezember erhältlichen DLC „Back to Karkand“ mit vier zusätzlichen Karten gratis dazubekommen. Diese sind nicht nur optisch sehr abwechslungsreich und spielen etwa im engen Paris, auf einem Basar, in U-Bahntunneln oder riesigen Ölfeldern – auch spielerisch bieten sie höchst unterschiedliche Herausforderungen. Caspian Border lädt beispielsweise zu ausufernden Jet- und Panzerschlachten ein, Grand Bazar eignet sich für schnelle Infanteriegefechte und auf Tehran Highway kommen sogar Schleich-Liebhaber auf ihre Kosten. Die dunklen, verwinkelten Ecken fordern geradezu dazu auf, sich zu verstecken und Hinterhalte zu legen. Bestimmte Karten sind im Rush-Modus sogar noch spektakulärer als im klassischen Conquest. Allen voran das Gebirge von Damavand Peak, dessen Angreifer sich per Fallschirm von den Klippen in eine gigantische Schlucht stürzen müssen, um anschließend einen Tunnel zu säubern. Soviel Abwechslung bietet kaum ein Multiplayer-Shooter. Bei Rush ist es das Ziel der Angreifer, je zwei sogenannte Mcom-Boxen per Sprengladung zu zerstören. Gelingt ihnen das, verlagert sich das Geschehen in den nächsten Abschnitt des Schlachtfelds und sie müssen abermals Mcom-Kisten vernichten, bis alle Bereiche einer Karte erobert sind. Dieser Modus erinnert an das altehrwürdige Wolfenstein: Enemy Territory, in dem ebenfalls ein Angreiferteam Stück für Stück die Verteidiger zurückdrängen musste. Anders als im Gratis-Shooter von 2003 können die Verteidiger bei Battlefield 3 nach dem virtuellen Tod allerdings beliebig oft wieder einsteigen – die Angreifer nicht. Gerade auf gut besuchten Servern entwickeln die verbissenen Rushs eine unglaubliche Spannung.

Bei all der Action kommt man fast nicht dazu die technischen Leistungen von DICE zu würdigen. Während der Sound wie schon im Singleplayer überragend ist, kann die Grafik erst im Mehrspielermodus so richtig auftrumpfen. Enorme Weitsicht und eine unglaublich realistische Lichtstimmung prägen die Karten. Dieser Look kommt vor allem auch durch den exzessiven Einsatz von Post-Processing-Filtern zustande. Der Präsenteste ist dabei das staubige Objektiv, dass jeder Soldat in Battlefield 3 vor sich her zu tragen scheint. Durch unscharfe Staubpartikel, Lens-Flares und Reflexionen, die je nach Lichteinfall mehr oder weniger deutlich zu sehen sind, erzeugt DICE einen Look der an dokumentarische Videoaufnahmen erinnern soll und vor allem in sandigen Umgebungen die Sicht ganz schön erschweren kann. Grundsätzlich eine wirklich coole Idee, die tatsächlich zum gesteigerten Realismus beiträgt – doch gerade in der Kampagne, wo man etwa nach einem Hubschrauberabschuss minutenlang mit staubigem Gesicht herumläuft wird es irgendwann aber zuviel des Guten. Ganz anders hingegen bei den Zerstörungen, denn hier kann es einfach gar nicht zuviel sein. Dank der Frostbite 2-Engine lassen sich viele Objekte und Gebäude mit der entsprechenden Waffengewalt aus dem Weg räumen. Eine Granate fegt schonmal eine halbe Hauswand aus dem Weg, ein Panzer entledigt sich gleich des kompletten Hauses. Das sieht nicht nur cool aus, sondern hat auch massiven Einfluss auf das Gameplay, denn was eben noch massive Deckung war, kann im nächsten Moment schon weg sein. Die physikalische Genauigkeit, mit der Mauerstücke und Dächer in sich zusammenfallen sucht dabei ihresgleichen. Kein anders Spiel bietet bessere Echtzeitzerstörungen als Battlefield 3!

Fazit

Hui Singleplayer, Wow Multiplayer. Die Schweden von DICE haben mit Battlefield 3 eine Menge richtig gemacht. Freunden ausufernder Mehrspielerschlachten bieten sie schlicht das beste und umfangreichste, derzeit erhältliche Gesamtpaket. Auch technisch wird die Messlatte ein Stück höher gesetzt, denn (zumindest auf dem PC, der unsere Haupttestplattform war) zum ersten Mal seit vier Jahren schafft es ein Spiel stellenweise klar besser auszusehen als Crysis! Zwar gibt es ab und zu auch schwächere Momente, doch gerade der nächtliche Einsatz in Teheran ist die vielleicht schönste und effektvollste Mission, die je in einem Videospiel absolviert wurde! Spielerisch kann der Singleplayer dagegen nicht vollends überzeugen. Zu unflexibel die Skripte, zu linear der Spielablauf und die lächerlichen Levelgrenzen sind ein echtes Ärgernis. Doch die spannend inszenierte Story mit einigen emotional bemerkenswerten Momenten und der tollen Musik macht vieles wieder wett. Die klar beste Spielerfahrung gibt es übrigens am PC. Dort ist nicht nur die Grafik wesentlich besser, statt 32 dürfen sich hier auch stattliche 64 Spieler auf den Schlachtfeldern tummeln. Zwar ist die Aktivierung über EAs Zwangsplattform Origin ein echter Schmerz im Arsch (Origin bestand etwa darauf, das 11GB große Spiel aus dem Internet zu laden, obwohl wir die DVD im Laufwerk hatten, erst ein Neustart brachte Besserung), doch lässt sich der Dienst mittlerweile mit einfachen Firewall-Tricks in den Keller verbannen. Somit steht dann auch dem unbeschwerten Spielvergnügen nichts mehr im Wege. Denn ein Vergnügen ist Battlefield 3 definitiv!

Screenshots

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