Rise of the Killerspiel

Erst in diesem Sommer haben es zwei der Urgesteine des Shootergenres geschaft, von der schwarzen Liste der der BPjM zu hüpfen. Doom & Doom 2 sind in ihren deutschen Versionen (ohne Hakenkreuz) nicht mehr indiziert, Grund dafür war ein erneutes Prüfverfahren auf Wunsch von Publisher Bethesda. So weit, so bekannt. Wie sich heute jedoch herausstellte, hat es ein weiteres Spiel geschaft, der berüchtigten Liste A zu entkommen, ebenfalls ein Urvater des Genres, der polygonbasierte 3D-Engines erst salonfähig gemacht hat. ID Softwares Quake ist nicht mehr indiziert!

Eine Indizierung gilt grundsätzlich für 25 Jahre. Danach wird ein Werk automatisch von den Listen gestrichen, kann jedoch jederzeit erneut geprüft und für noch immer bedenklich empfunden werden. Bei Werken, die wegen ihrer Gewaltdarstellung indiziert wurden, ist das allerdings selten der Fall, denn was früher noch anstößig und böse war, sorgt heute höchstens noch für müdes Grinsen. So wurde etwa der Kultfilm Terminator vor nicht allzu langer Zeit erst von Liste A gestrichen und ist nun, nach 25 Jahren, wieder in seiner ursprünglichen Form erhältlich. Bei Doom und Quake lief die Sache ein wenig anders, deren Verjährungsfristen sind noch lange nicht ausgelaufen, beide Spiele erschienen in den 90ern. Allerdings obliegt es jedem Rechteinhaber jederzeit eine erneute Prüfung seines Werks zu beantragen (gegen das nötige Kleingeld versteht sich, doch die Kosten sind überschaubar). Im Fall von Videospielen kann das ein lohnendes Unterfangen sein, denn die Akzeptanz virtueller Gewalt stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Mussten seinerzeit noch die Pixelmännchen eines Command & Conquer 1 für den deutschen Markt angepasst werden und war den Jugendschützern selbst das ziemlich harmlose Star Wars: Dark Forces eine Indizierung wert, schaffen es heute Spiele wie Dead Space oder sogar Gears of War 3 ungeschnitten auf den Markt. Dies liegt freilich auch an der geänderten Gesetzgebung seit 2003, denn davor konnte die ehemalige BPjS jedes Spiel nach Gutdünken indizieren, niemand war sozusagen sicher. Heute ist der Erhalt einer USK-Freigabe zugleich auch Garantie, dass das Werk auf keiner Liste der Bundesprüfstelle landet.

Warum aber das Geld in die Hand nehmen und Spiele vom Index holen, die uralt und eh auf jeder LAN-Party erhältlich sind? Die Antwort dürfte im Download- und Smartphone-Bereich liegen. Sowohl Doom als auch Quake besitzen einen bekannten Namen und hohen Kultfaktor – und für ein paar Cent im Appstore oder Android Market würden sicher viele Kunden nochmal zugreifen. Warum also nicht als Werbung für künftige Releases die alten Klassiker nochmal für die Hosentaschengeräte anbieten? Auch bei anderen Titeln und Plattformen wäre das vorstellbar. Max Payne von 2001 würde ein erneutes Prüfverfahren vermutlich überstehen und könnte im Bundle mit seinem nicht indizierten Nachfolger pünktlich zum Release des dritten Teils im kommenden Jahr in die virtuellen Stores der Konsolen wandern. Oder auf Steam. Für ein paar Euro könnte somit jeder Spieler die Vorgeschichte noch einmal erleben.

Die Möglichkeiten zur Wiederverwertung alter Spiele waren noch nie so zahlreich wie heute. Wir sind gespannt, ob bald noch mehr weggesperrte Klassiker zu neuem Leben erwachen.

1 Kommentar zu „Rise of the Killerspiel“

  1. Damals wohl noch irgendwo nachvollziehbar, auch wenn die „Pixel-Monster“ mich damals mit 9 ( als ich das Spiel zum erstemal sah und kurze Zeit später auch spielte ) auch nicht besonders geflasht haben und ich deswegen keine panischen angstzustädne bekommen oder es mich in meiner persönlichkeitsentwicklung negativ beeinflusst hätte, habe ich mich in den vergangen jahren schon öfter gefragt warum die damlige Einstufung der BPjS nicht nocheinmal korrigiert wurde.
    Agressiv hat es mich auch nicht gemacht – mal abgesehen davon das die damalige Shareware nur den ersten Akt bereit stellte – das konnte einen dann schon wütend machen.:D (;
    Videospiele sind nunmal immer den jeweiligen technischen Limitationen ihrer Zeit unterlegen und ich wage zu bezweifeln das die darstellungen heute noch jemanden erschrecken oder gar verstören würden.
    Da konnte ich das herausnehmen der an Wolfenstein 3D angelegten Stages in DOOM 2 noch eher nachvollziehen…
    Vermutlich würden die Kids auf der Arbeit bei dem Anblick des Spiels lachen, sich über die Grafik amüsieren und dann uninteressiert weiter laufen.(;
    Die im Artikel erläuterte Begründung für die jetzige Neu-überprüfung erscheinen mir auch ziemlich logisch – ich könnte mir durchaus vorstellen das eine DOOM Anthology z.B. durchaus seine Käufer finden würde – mich eingeschlossen.:P
    Auch auf Smart Phones oder Tablets sehe ich durchaus eine Zukunft für diese Klassiker, da sie dort, wie auch von euch erwähnt, zu einem sehr geringen Preis angeboten werden können.
    Jaja,die gute alte Zensur…
    Das ich damals die „ungeschnittene“ Import-Version von Mario Kart auf dem Super Famicom gespielt habe und sah wie Bowser sich eine Falsche Sekt gekippt hat,sollte mich wohl auch nicht in meinem Umgang mit Alkohol beeinflusst haben.

    Hm…ich glaube ich hole mir erstmal ein kühles Blondes…

    In diesem Sinne – gute Nacht. (;

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