Shigeru Miyamoto: Rückzug als Nintendos Chef der Spiele-Entwicklung?

Mitte dieser Woche machte eine Meldung des US-Magazins Wired die Runde im Internet: Nintendo-Mastermind Shigeru Miyamoto soll in einem Interview verkündet haben, er werde sich von seinem aktuellen Posten bei Nintendo zurückziehen. Das japanische Traditionsunternehmen dementierte diese Meldung schnell, doch Wired betonte erneut die Richtigkeit der Übersetzung von Miyamotos Aussage.

Ob Shigeru Miyamoto sich nun wirklich von seinem Posten als Head of Game Development bei Nintendo zurückzieht oder nicht, ist unklar. Nintendo war auf jeden Fall schnell bemüht die Meldung von Wired als Fehlübersetzung darzustellen. Schon öfters kam ähnliches vor und Aussagen von Vertretern der japanischen Spieleindustrie wurden in den USA und Europa falsch zitiert. Doch Wired besteht auf die Richtigkeit der Übersetzung und gibt hierzu auch einen Grund an: Die Aussagen von Shigeru Miyamoto seien nicht von einem Wired-Redakteur übersetzt worden. Stattdessen habe Miyamotos langjähriger Übersetzter Mr. Minagawa die Aussagen ins englische Übertrage weshalb es sich um eine offizielle Nintendo-Übersetzung handle.

Dem Interview zu Folge plane Miyamoto allerdings nicht sich komplett aus der Spieleentwicklung oder von Nintendo zurückzuziehen. Er wolle weiter im Unternehmen verbleiben und sich vielmehr kleineren Projekten mit jüngeren Entwicklern widmen. Genauer plane Miyamoto keine Spiele mehr, die eine Entwicklungszeit von fünf Jahren nötig hätten. Völlig aus der Luft gegriffen wäre eine solche Aussage nicht. Schon früher erwähnte Miyamoto, er wolle sich dem Nachwuchs widmen, was er laut Nintendo schon seit längerer Zeit macht. Aber auch einige Projekte der aktuellen Konsolen-Generation, an denen Miyamoto beteiligt war, deuten auf seinen Weg hin zu einfacheren Spielen. Beispielhaft sei hier Wii Music genannt. An der Entwicklung größerer Titel ist Miyamoto häufig nur noch beratend beteiligt. So hat in den vergangenen Jahren Eiji Aonuma eine immer wichtigere Rolle bei der Entwicklung von Zelda-Spielen eingenommen. Lediglich bei neuen Mario-Jump & Runs war Miyamoto weiterhin maßgeblich beteiligt. Hier stellt sich auch noch die Frage wer – sollte Miyamoto tatsächlich kürzer treten – seine Rolle übernimmt.

Aber eine viel wichtigere Frage ist: Was würde ein Rückzug der wohl bekanntesten Persönlichkeit der japanischen Games-Branche und von Nintendo für den Konzern aus Kyoto bedeuten? Würde wirklich eine solch große Lücke zurück bleiben? Wer die Spiele von Nintendo der letzten Zeit betrachtet wird schnell sehen, dass viele Titel – gerade neue Franchises – nur selten von First-Party-Entwicklern erschaffen wurden. Oft wurden sogar Third-Party-Entwickler für bereits bestehende Nintendo-Reihen an Bord geholt. So waren es die Retro Studios, die Donkey Kong im vergangenen Jahr wieder zurückholten und Rares Erfolgs-Reihe Donkey Kong Country aus den 90ern fortsetzten. Und auch die neueren Metroid-Spiele wurden nicht oder nur teilweise intern bei Nintendo entwickelt. Ob Miyamotos Rückzug allerdings wirklich eine schadhafte Lücke bei Nintendo hinterlassen würde, könnte frühstens einige Zeit nach dem Rückzug des Masterminds beantwortet werden.

Möglich wäre aber auch, dass der Rückzug der Entwickler-Legende dem Unternehmen und den Spielen zugute kommt. Immerhin soll es Miyamoto sein, der Gerüchten zufolge in der Vergangenheit verhindert habe, dass Spiele wie Zelda eine umfangreichere und komplexere Geschichte erhalten. Vielleicht könnte Nintendo sich ohne Miyamoto in eine neue Richtung bewegen und viele nicht mehr zeitgemäßge Einflüsse ablegen um auch alteingesessenen Reihen frischen Wind zu verpassen. Zumindest sollte ein eventueller Rückzug Miyamotos nicht zu sehr befürchtet werden. Nintendo selbst dürfte deshalb nicht untergehen. Auch wenn Miyamoto zu den wichtigsten Persönlichkeiten des Konzerns gehört und Ankündigungen von neuen Mario- und Zelda-Spielen ohne ihn – zumindest anfangs – etwas ungewohnt erscheinen könnten.

Letztlich bleibt abzuwarten, ob sich der Bericht von Wired bewahrheitet. Nintendos Dementi ist auf keinen Fall eine hundertprozentige Bestätigung dafür, dass Miyamoto in Zukunft nicht doch etwas kürzer tritt.

Meinung

Ganz persönlich sehe ich einem eventuellen Rückzug Miyamotos nicht negativ entgegen. Viel mehr bin ich schon länger der Meinung, dass der ehemalige Mastermind das Potenzial einiger Spiele – insbesondere der Zelda-Reihe – etwas zurückhält. Miyamoto entstammt einer anderen Zeit und hat sich scheinbar nur wenig weiterentwickelt, was die Spiele-Entwicklung angeht. Natürlich ist seine Ansicht, dass Spielspaß und Gameplay immer an erster Stelle stehen sollten, nicht vollkommen falsch. Aber auch eine gute und komplexe Geschichte ist nicht zu verachten. Mario-Jump & Runs benötigen wahrscheinlich kaum mehr als die üblichen Abläufe, aber zumindest Zelda würde enorm von etwas mehr Storytiefe profitieren. Ich betrachte das Gerücht also eher positiv und hoffe darauf, dass es sich letztlich bewahrheitet.

3 Kommentare zu „Shigeru Miyamoto: Rückzug als Nintendos Chef der Spiele-Entwicklung?“

  1. Zweifelsfrei wird Nintendo versuchen, noch so lange wie möglich vom exzellenten Ruf Miyamotos zu profitieren.
    Letzten Endes bin ich nicht gut genug im Bilde darüber, inwieweit Miyamoto tatsächlich in die Geschicke der Firma integriert ist. Aber meiner Ansicht nach sollte man eines nicht vergessen: Miyamoto bekam als junger Designer das Vertrauen ausgesprochen, seine Visionen einzubringen oder gar selbst verwirklichen zu können. Ich bin überzeugt, Nintendo hat mehrere aufstrebende „Miyamotos“ in der Hinterhand. Solange der „echte“ Miyamoto aber sein Zepter schwingt und als Director bzw. Producer als eine Art Damoklesschwert über kreativen und mutigen Designern und Entwicklern schwebt, wird Nintendo halt weiterhin Altbewährtes aufkochen müssen – anstatt neue Wege beschreiten zu können. Was in meinen Augen sehr wichtig wäre.
    Vielleicht wäre Miyamotos Äusserung, sich zurückzuziehen und (wie in einem anderen Artikel gelesen) junge Talente unterrichten zu wollen, das beste für die gesamte Branche und somit auch für Nintendo.

  2. Vielleicht wäre Miyamotos Äusserung, sich zurückzuziehen und (wie in einem anderen Artikel gelesen) junge Talente unterrichten zu wollen, das beste für die gesamte Branche und somit auch für Nintendo.

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    ja seh ich auch so. aber bitte nich nur neue ideen für alte serien sondern auch mal neue serien machen. nicht ganz so bunt und kindlich. auch nintendo-nerds brauchen abwechslung!

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