Von Nerds für Nerds: Filmtipp

Auch wenn wir uns ja eigentlich schwerpunktmäßig der interaktiven Unterhaltung widmen und es bei Filmen für gewöhnlich auch keinen A-Knopf zum hämmern gibt, muss doch die Gelegenheit ergriffen werden, auf ein ganz besonderes Stück Filmkunst aufmerksam zu machen. Die Rede ist von der Comicverfilmung Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, welche seit einigen Tagen auf DVD und Blu-Ray erhältlich ist und wie garantiert kein Streifen zuvor die Ästhetik von Film und Spiel verschmelzen lässt. Sprich: Der Film ist zu großen Teilen inszeniert wie ein Videospiel der 90er!

Nun gab es ja schon einige Streifen, die in ihrer Machart deutlich von Games beeinflusst wurden. Wanted etwa, der nicht nur völlig übertriebene Action bot, sondern auch vom Handlungsaufbau her der typischen Spieledramaturgie folgte – inkl Zwischenbossen und Endgegner. Doch all diese Werke erreichen nicht ansatzweise die Nerdigkeit des neuesten Films von Edgar Wright! Richtig gehört, denn hinter Scott Pilgrim steckt kein Geringerer, als der Regisseur von Shaun of the Dead und Hot Fuzz!

Doch worum geht es überhaupt? Der 22-jährige Scott Pilgrim ist Bassist in der ziemlich durchschnittlichen Band Sex Bob-Omb, arbeitslos und teilt sich mit seinem schwulen besten Freund eine kleine Wohnung. Sein Leben verläuft somit ziemlich unspektakulär, bis er zufällig dem Mädchen seiner Träume begegnet: Ramona Flowers. Unkonventionell, sprunghaft, außergewöhnlich. Da auch Ramona Interesse an Scott empfindet, könnte die Welt doch eigentlich nicht besser sein. Wenn…. ja, wenn da nicht Ramonas sieben teuflische Ex-Freunde währen. Denn wenn Scott mit seiner Angebeteten zusammen sein will, muss er zuerst ihre Verflossenen besiegen! Und das ist wörtlich zu nehmen, denn von Martial-Arts-Kämpfen über Guitar-Hero-mäßige Gitarrenduelle bis hin zu Koop-Endgegner-Kämpfen inszeniert der Film seine Auseinandersetzungen als spektakuläre Duelle der ultimativen Nerdigkeit. Inklusive CGI-Trefferanimationen, Punkteeinblendung, Comboleiste, VS. und KO Buchstaben. Dieser Stil zieht sich sowohl in den äußerst gelungenen Actionsequenzen, wie auch in den zahlreichen ruhigen Momenten konsequent durch, kaum eine Szene ohne clevere CGI-Spielereien. Und wer einigermaßen fit ist in der Spiel- und Comickultur, der darf praktisch am laufenden Band mehr oder weniger versteckte Anspielungen entdecken. Das beginnt beim 8-Bit Universal-Logo (natürlich mit passender Musik) zu Beginn des Films, geht über zahlreiche Zelda-Soundeffekte bis hin zum Continue-Zähler kurz vor dem Abspann. Die letzte Comicverfilmung mit einem derart konsequenten Stil war Sin City vor knapp sechs Jahren. Nur das die Welt von Scott Pilgrim sehr viel lustiger und bunter ist und den Autoren das Kunststück gelang, ihrer abgefahrenen Inszenierung tatsächlich eine ernsthafte Coming-of-age-Geschichte als Unterbau zu spendieren. Somit ist Scott Pilgrim (übrigens gespielt von Michael Cera aus Juno und Superbad) auch endlich mal nicht der so oft gesehene, verpeilte Looser, der zum Helden aufsteigt, sondern ein durchaus liebenswerter und mutiger, wenn auch einfach noch vom Leben völlig unerfahrener Junge. Und auch das Mädchen muss nicht erst erobert werden – im Gegenteil, es muss mit Fäusten, Gitarren und Schwertern verteidigt werden.

Leider hatte der Film im Kino nicht allzu großen Erfolg und spielte nicht einmal seine Produktionskosten ein – vermutlich, weil er eben auf eine sehr spezielle Zielgruppe zugeschnitten ist. Nämlich jene Gamer, die das Medium vllt nicht ganz von der Geburtsstunde, aber doch zumindest von seiner Kindheit an kennen. Doch genau diese Zuschauer erhalten mit Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt die abgefahrenste und lustigste Sammlung purer Anspielungen, die unser aller Lieblingsmedium ein Denkmal setzt, das seiner würdig ist! Sicher wird den Film nicht jeder verstehen und manchem wird er viel zu übertrieben sein – doch alle anderen dürften ihn sehr wahrscheinlich lieben.

Daher mein gut gemeinter Rat an dieser Stelle: Legt den Controller kurz bei Seite, rennt wenn schon nicht ins Kaufhaus, dann zumindest in die nächste Videothek und gebt Scott Pilgrim eine Chance! Es lohnt sich.

15 Kommentare zu „Von Nerds für Nerds: Filmtipp“

  1. Wenn ihr schon auf dem Weg zur Videothek seid, solltet ihr gleich mal eurem lokalen Buchladen einen Besuch abstatten 😉

    Ich liebe beide Versionen, den Film und den Comic, aber ich muss ganz ehrlich sagen das mir der Comic besser gefallen hat. Man sollte aber beide Versionen dringend mal erlebt haben, da der Film sich ein paar Freiheiten erlaubt hat. Manche mehr, manche weniger Erfolgreich.

  2. POST NR1 🙂

    Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Seitenstart und Lob für Design und Konzept…gefällt mir 🙂

    Zum Film: Wer den nicht gesehen hat, hat definitv was verpasst. Einfach nur geil ^^

  3. Geschaut, gekauft, geliebt… ich liebe diesen Film, auch wenn viele ihn sehr… doof finden.
    Aber nachdem ich die Comics gelesen habe UND das Spiel gespielt habe wusste ich einfach, dieser Film wird gut und ja, das war er ^^

  4. Also dieser Film hat bereits einzug in meine erlesehne Top 5 erhalten.
    Ich habe Ihn bestimmt schon 20 mal geschaut und er wird einfach nicht langweilig.
    Ich hatte das Glück Ihn sogar im Kino zu sehn. Denn im Umkreis um meinen Wohnort von etwa 50 km lief er nur in einem einzigen Saal…

  5. Der Film ist auch leider an mir völlig vorbeigegangen. Werde ich aber unbedingt nachholen. Wenn er mir gefällt werde ich vielleicht auch mal die Comics ausprobieren.

    @Soma
    Es gibt auch ein Spiel dazu?

    Gruß, Dekstar

  6. Also ich empfehle wirklich dringend lieber das Comic zu lesen. Der Film wirkt so unglaublich gehetzt und geht kaum auf die Charaktere ein, was ich etwas schade finde.

    Aber dennoch schön, dass solchen Filmen die Chance gegeben wird 🙂

  7. Piet:
    Also ich empfehle wirklich dringend lieber das Comic zu lesen. Der Film wirkt so unglaublich gehetzt und geht kaum auf die Charaktere ein, was ich etwas schade finde.

    Genau das Problem hatte ich auch mit dem Film. Die Comics waren viel stimmiger und die Beziehung zwischen Scott und Ramona (Worums in der Geschichte ja geht) kommt im Film überhaupt nicht rüber. Aber mir hat er trotzdem sehr gut gefallen. Die Comics waren eben nur besser^^

    Dekstar:

    Es gibt auch ein Spiel dazu?

    Ein 2D Beat ‚em Up von Ubisoft das ich auch wärmstens empfehlen kann. Aber da das Spiel sehr knackig ist, würde ich vorschlagen mit mindestens einem Co-Op Partner zu zocken.

  8. @ Dekstar
    Ja , es gibt für XBLA und PSN Scott Pilgrim vs the World The Game (langer name xD). Die Musik rockt alles weg und nen dezentes Prügelspiel isses auch (wie Batman Returns SNES ^^)

    @ Redaktion
    Übrigens top, dass ihr auch Filmtipps gebt, find ich echt genial 😀

  9. Piet:
    Also ich empfehle wirklich dringend lieber das Comic zu lesen. Der Film wirkt so unglaublich gehetzt und geht kaum auf die Charaktere ein, was ich etwas schade finde.

    Aber dennoch schön, dass solchen Filmen die Chance gegeben wird

    Naja, direkte Vergleiche zwischen Comic und Film sind immer ein bisschen unfair. In meinen Augen macht der Film bei der Umsetzung alles richtig. Gerade am Anfang wirkt es ja teilweise wie eine Bild-für-Bild Umsetzung des Comics, was ich ziemlich cool fand.

    Dass dann später Sachen rausfallen und abgeändert werden, ist bei dem Medium unvermeidlich, aber die Essenz des Comics bleibt hier IMO trotzdem erhalten. Die Änderungen haben mich jedenfalls nicht so gestört wie bei Kick-Ass.

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