Im Test: Virtua Tennis 4 (PS3)

Wenn es um Tennis auf Konsolen geht, gibt es im Prinzip zwei große Namen: Top Spin und Virtua Tennis. Während Top Spin eher in die Richtung der Simulationen geht, steht Segas Virtua-Tennis-Reihe für Arcade Tennis mit viel Action. Wir haben für euch zum Racket gegriffen – oder auch zum Dualshock- sowie zum Move-Controller und diese für euch gedrückt und geschwungen.

Bereits mit dem ersten Teil konnte Virtua Tennis von Sega Fans und Kritiker gleichermaßen überzeugen. Mit dem Arcade orientierten Gameplay setzte man auf Spielgeschwindigkeit und Unterhaltung. Daran hat sich auch in all den Jahren nichts geändert und genau das hat man auch in Virtua Tennis 4 beibehalten. Noch immer merkt man dem Game an, dass es ursprünglich aus der Spielhalle kommt. Das Gameplay mit seinen drei Grundschlägen ist zwar simpel, aber dennoch packend umgesetzt. Einsteiger finden sich schnell ein und feiern auch im leichtesten der drei Schwierigkeitsgrade schnell erste Erfolge. Profis dagegen werden durchaus gefordert, vor allen Dingen in späteren Matches auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad.

Das Herz des Spiels ist dabei wie in den letzten Versionen auch der World Tour Modus. Dieser wurde allerdings komplett überarbeitet und gleicht nun eher einem Brettspiel. In vier Abschnitten arbeitet man jeweils auf ein großes Turnier hin. Man startet dabei in Australien und bahnt sich seinen Weg über Asien und Europa bis in die USA. Die einzelnen Städte sind jeweils als Felder auf einem Spielplan markiert und halten beispielsweise unterschiedliche Ereignisse sowie Minispiele zum Training eures Spielers bereit. Ihr bewegt euch dabei mittels Tickets pro Runde maximal vier Felder fort. Da ihr stets drei verschiedene Tickets mit euch führt, gehört zwar ein gewisses Glück, aber auch etwas Taktik dazu, um im Endeffekt die gewünschten Felder auf dem Brett ansteuern zu können. Jeder Zug kostet euch dabei einen Tag in der laufenden Saison. Da ihr jeweils nur eine begrenzte Anzahl an Tagen zur Verfügung habt, an denen ihr euch für das große Tennismatch qualifizieren müsst, könnt ihr euch nicht ewig Zeit lassen. Euer Rang wird dabei in Form von Sternen dargestellt. Diese könnt ihr nicht nur in Trainingsmatches gewinnen, sondern auch bei Sonderveranstaltungen erhalten, wo ihr für eure Fans Autogramme schreibt. Nach und nach rückt ihr so auf der Rangliste nach vorne.

Die Fähigkeiten eures Spielers werden in acht verschiedenen Minigames verbessert. Diese gehören schon seit dem ersten Teil fest zum Bestandteil der Reihe dazu und sind auch in der aktuellen Inkarnation wieder einmal teils sehr ausgefallen. Während das Zielschießen auf Scheiben noch zum Standardrepertoire gehört, geht es auch extravaganter. Ihr spielt anstatt mit einem Tennisball beispielsweise mit einer Bombe und müsst dafür sorgen, dass der Countdown genau dann abläuft, wenn sie in der Hälfte eures Gegners ist. Oder ihr huscht übers Spielfeld und bringt kleine Küken zum schlüpfen, indem ihr die Hühnereier berührt. Mit den Küken als Schlange hinter euch im Gepäck bringt ihr diese zur Mutterhenne am Spielfeldrand. Passt aber auf, dass die von der anderen Seite des Spielfelds abgefeuerten Tennisbälle eure Küken nicht plätten, sonst gibt es keine Punkte mehr. Klingt irre? Ist es auch. Aber das Spiel wurde in Japan entwickelt, von daher verwundert das nicht und besitzt auf jeden Fall einen gewissen Unterhaltungswert. Stück für Stück verbessert ihr so euren Protagonisten in den verschiedenen Bereichen. Im weiteren Spielverlauf könnt ihr euch dann für einen bestimmten Spielstil entscheiden und beispielsweise darauf hinarbeiten ein Experte für Grundlinienschläge oder Schmetterbälle zu werden. Wichtig sind auch die Spielfelder für kurze Erholungspausen, die eure Kondition wieder herstellen. Sinkt diese nämlich zu stark nach unten, wird euer Spieler unkonzentriert und macht verstärkt Fehler. Dies äußert sich in unpräzisen Schlägen, die euch hin und wieder das aktuelle Spiel kosten können.

Bevor ihr euch überhaupt in die World Tour stürzt, dürft ihr euch natürlich euren eigenen Spieler erstellen. Die Möglichkeiten sind hier leider gerade in Bezug auf die Frisuren und bei den Herren der Schöpfung die Gesichtsbehaarung etwas limitiert, so dass man nicht unbedingt immer den Spieler basteln kann, den man gerne darstellen würde. Aber vom Grundprinzip ist der Editor nicht verkehrt, denn auch die gewünschten Animationen für die Schläge sowie die Stimme eures Spielers darf geändert werden. Dies ist jedoch keine Neuerung in Virtua Tennis 4, sondern war schon in den vorherigen Teilen möglich. Brandneu ist dagegen auf den HD-Konsolen die Unterstützung der Motion Controller. Die Kalibrierung des Move-Controllers funktioniert simpel und zuverlässig, allerdings wird seitens Sega auf dem Cover mehr versprochen als im Endeffekt gehalten wird. Der Move-Support bezieht sich nämlich nicht auf das gesamte Spiel, sondern nur auf einen speziell dafür erschaffenen Modus. Hier könnt ihr kurze Matches oder Partyspiele austragen und dabei mit dem Move Controller steuern.

Die Kameraperspektive wechselt hierbei oft von der Rückansicht in die Egoansicht, was den Spielfluss sehr unruhig wirken lässt. Hinzu kommt, dass ihr nur noch schlagen dürft, die Laufarbeit jedoch komplett von der CPU für euch erledigt wird. Somit bietet dieser Modus nicht mehr als das mittlerweile fünf Jahre alte Wii Sports, wobei dort der Spielspaß deutlich höher liegt. Man merkt einfach, dass die Motion Controls in Virtua Tennis 4 nur eine Dreingabe sind, nicht aber den Kern des Spiels ausmachen. Dies wird auch dadurch unterstrichen, dass die regulären Matches und der gesamte World Tour Modus nur mit dem Joypad gespielt werden können. Der Party Modus ist ebenfalls eher zu vernachlässigen, lässt er euch doch lediglich die Minispiele aus dem World Tour Modus einzeln anwählen. Theoretisch wäre auch ein Online Modus verfügbar, der jedoch auf einzelne Matches beschränkt ist und keine langen Turniere oder Karrieremodi bietet. Praktisch konnte dieser Punkt jedoch aufgrund des andauernden PSN-Ausfalls nicht getestet werden.

Grafisch macht Virtua Tennis 4 eine gute Figur. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Tennisspieler bei Sega wie verkorkste Wachsfiguren aus dem Gruselkabinett aussahen. Die selbst erstellten Spieler hinken zwar in Sachen Qualität immer noch etwas hinterher, aber zumindest die Stars wie Federer oder Nadal lassen sich nun erkennen. Hinzu gesellen sich geschmeidige Animationen und eine auf Action ausgerichtete Kamera, die ganz Fernsehübertragung-like viele Szenen wiederholt und mit Kameraschwenks effektvoll in Szene setzt. Hin und wieder mag das etwas zu viel des Guten sein, aber per Knopfdruck lässt sich jede Wiederholung überspringen. Ebenfalls effektreich in Szene gesetzt werden die brandneuen Superschläge. Eine Leiste füllt sich hierbei nach und nach auf und sobald diese gefüllt ist, vollführt euer Spieler bei den nächsten Ballwechseln einen kaum zu haltenden Superschlag. Da das erneute Füllen der Leiste gut und gerne zwei Matches dauern kann, ist dies jedoch nicht als Spiel entscheidendes Merkmal zu sehen, sondern eher als kleines Gimmick. Die einzelnen Courts sind abwechslungsreich gestaltet und wirken authentisch, die Optik ist generell gelungen. In Sachen Sound muss sich Sega dagegen ein paar Schelte gefallen lassen. Das beginnt bereits mit dem unsäglichen Rocksong im kitschigen Intro, geht über die sich schnell wiederholende und somit langweilig werdende Hintergrundmusik und endet bei den Stimmen der Spieler, die teils sehr unnatürlich wirken. Schade.

Fazit

Es ist gut, dass Tennisspiele nicht wie ihre sportlichen Konkurrenten aus dem Bereich Fußball, Basketball, etc. jedes Jahr neu aufgelegt werden. Denn man merkt auch Virtua Tennis 4 an, dass sich die Neuerungen im Gameplay in Grenzen halten. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Reihe von Sega von Anfang an bereits ein recht tightes Gameplay mit hervorragender Spielbarkeit bot. Insofern wären hier große Änderungen vielleicht sogar ein Nachteil. Die tatsächlichen Neuigkeiten wie der Support der Bewegungssteuerung wirkt dagegen eher gezwungen und auch der umstrukturierte World Tour Modus spielt sich nun umständlicher als zuvor. Einzig die Grafik ist wirklich besser, rechtfertigt aber alleine den Kauf natürlich nicht. Hat man somit bereits den Vorgänger Virtua Tennis 2009 im Schrank stehen, kann man das aktuelle Werk von Sega guten Gewissens auslassen. Wer jedoch auf der Suche nach einem Tennisspiel ist und noch keinen Ableger der Serie hat, darf bedenkenlos zugreifen.

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1 Kommentar zu „Im Test: Virtua Tennis 4 (PS3)“

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