Angespielt: Risen 2 (PC, PS3, Xbox 360)

Ein risen Spaß auf einer risengroßen Insel. Mit einem risigen Hauch von Gothic. Das war das erste Risen von Piranha Bytes, welches sich im rollenspielstarken Jahr 2009 die Ehre gab. Die sympathischen Entwickler aus Essen haben nach dem Verlust der Markenrechte an Gothic kurzerhand ein neues Rollenspielfranchise aus dem Boden gestampft. Und das beließ dann doch irgendwie ganz viel beim Alten. Ein wenig zuviel vielleicht – denn mit Risen 2: Dark Waters beweisen die Herrschaften, dass ihre neue Serie weit mehr ist, als nur ein Gothic unter unter anderem Namen…

Trinkt aus Piraten, joho!

Was braucht ein Rollenspiel von Piranha Bytes für Zutaten? Eine weitläufige, von Männern dominierte Landschaft mitteleuropäischen Klimas, einen namenlosen Helden, der vorzugsweise eins auf die Birne bekommen hat, mehrere Fraktionen zur Wahl, einen rauen Umgangston und jede Menge zu entdecken. Zumindest mit einer dieser Traditionen wird von Beginn an gebrochen, denn Risen 2 geht weg von der Insel und atmet die steife Brise des Meeres. Landschaft und Atmosphäre erinnern an Piratenfilme vom Schlag eines Fluch der Karibik. Nachdem der Held am Ende des Vorgängers den finsteren Inquisitor besiegt, dem Titanen eins auf die Mütze gehauen und das Mädchen erobert hatte, steht er – kaum auf dem Festland angekommen – schon wieder vor neuen Problemen. Die See wird durch monströse Ungeheuer unbefahrbar, einzig eine Fraktion von Piraten kennt sichere Schiffahrtswege. Die will am liebsten auch die Inquisition in die Finger kriegen und abseits der Politik ist dem Helden auch noch das Mädchen davongelaufen. Die Lösung all dieser Probleme: Gespräche führen, Gegenstände sammeln, Leute verhauen, Gegend erkunden. Traditionell eröffnet euch Risen 2 eine große und weitestgehend freie Welt, die nach Belieben durchstöbert werden kann – sofern Ihr die überall lauernden Gefahren übersteht. Anders als etwa in Gothic 3 werden wir allerdings behutsam eingefüht und nicht alleine gelassen, nur wenige Schritte vom Strand unserer Demo entfernt, liegt  schon das erste Dörfchen und ein auskunftsfreudiger Wachmann informiert uns über die aktuelle Lage. Hier warten auch erste Quests, sowie Informationen zum weiteren Vorgehen. Wollen wir weiter ins Landesinnere, so können wir wahlweise einen gefährlichen Tunnel durch den Berg nehmen, oder den längeren Pass entlang der Klippen besteigen. Als großmäuliger Held wählen wir natürlich den Tunnel – und zack, bereits der erste Gegner haut uns aufs Ärgste aus den Latschen. Piranha Bytes ziemt sich abermals nicht, Anfängern mit roher Gewalt beizubringen, wo sie zunächst noch nichts verloren haben. Wir waren ja gewarnt…

Während sich an der grundlegenden Spielmechanik nicht viel ändert, haben die Entwickler das Kampfsystem um eine neue Waffengattung erweitert. Neben dem Schwert kann der moderne Pirat nämlich auch auf allerlei Schießeisen zurückgreifen, vom kleinen Revolver bis zur großen Büchse. Auch die Feuerwaffen unterliegen rollenspieltypischen Werten und besitzen außerdem begrenzt Munition, gerade Anfänger können damit jedoch recht schnell und sicher Erfolge feiern. Wir hatten jedenfalls keine Probleme, das Anfangsdorf voll eigentlich friedfertiger Einwohner nur mithilfe unseres Gewehrs auszuräuchern, im Schwertkampf wären wir dagegen klar unterlegen! Wie? Warum wir das getan haben… ähm, nun, ja also… Weiter im Text! Wo Piraten und Piratenwaffen sind, da sind auch Piratenschiffe nicht fern. Und tatsächlich erhält unser Held im Laufe des Abenteuers seinen eigenen, stolzen Pott. Selbst übers Meer schippern ist zwar nicht drin, doch zumindest verschiedene Inseln lassen sich damit ansteuern. Und die sehen wirklich schick aus. Wer auch nur ein bisschen was für karibisches Flair mitsamt wehender Palmen, saftiger Gräser, Strand, Meer und Buchten übrig hat, wird sich in dieser Welt sofort wohlfühlen. Der Wechsel ins Piratenszenario sorgt also nicht nur spielerisch für frischen Wind sondern macht auch optisch einiges her. Für die Animationen setzt Piranha Bytes übrigens erstmals auf Motion Capturing – dennoch wirken viele Bewegungen in unserer Demoversion noch abgehackt und unfertig. Beim Schwertziehen etwa bleibt bis auf den Waffenarm nahezu der komplette Körper steif – dass die Entwickler das eigentlich besser können, haben sie in der Vergangenheit schon bewiesen. Generell war die Demo noch von einer dürftigen Performance und regelmäßigen Abstürzen geplagt, dies dürften aber Probleme sein, die bis zum Release im nächsten Jahr noch ausgebessert werden. Denn nach drei relativ bugverseuchten Gothic-Teilen, war Risen schließlich erfreulich fehlerfrei.

Die Handlung soll übrigens erst rund 10 Jahre nach den Ereignissen auf der Insel des Vorgängers stattfinden. Was in dieser Zeit so alles passiert ist und ob der namenlose Held auch mit Augenklappe noch bei seinem Mädchen ankommt, das erfahren wir verraussichtlich Anfang 2012 in einem hoffentlich risigen Abenteuer.

3 Kommentare zu „Angespielt: Risen 2 (PC, PS3, Xbox 360)“

  1. Hm. Ich kann mittlerweile mit der hölzernen Inszenierung von Piranha Bytes nicht mehr so viel anfangen wie früher. Risen hat mich auch schon im zweiten Kapitel irgendwann gelangweilt und ich hab es bis heute nicht durchgespielt.

    Es fehlen einfach irgendwie eine richtig fesselnde Story und markante Figuren.

  2. Bezüglich der Stoty hab ich ja Hoffnungen. Björn Pankratz von PB hat ja erst kürzlich beteuert, dass die Handlung von Risen 2 sehr viel abwechslungsreicher werden soll, als noch im vorgänger. Mal sehen…

  3. Die Sache ist, selbst wenn ich jetzt zurückdenke an die Gothic Reihe, die ich immer heiß und innig geliebt habe, fällt mir auf, wie eindimensional damals schon die Figuren waren. Abgesehen von Xardas hat Piranha Bytes eigentlich nie wirklich interessante und vielschichtige Charaktere entwickelt.

    Und seit ich den Witcher und Mass Effect kenne, erwarte ich sowas einfach in einem guten Rollenspiel.

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