Im Test: Bodycount (PS3, Xbox 360)

Codemasters. Dieser Name weckt durchaus nostalgische Erinnerungen, gehört das britische Softwarehaus doch zu den wenigen noch existierenden Dinos in der Videospielbranche. Das letzte Codemasters-Spiel, welches ich in Händen hielt, war vor 10 Jahren mit Operation Flashpoint ebenfalls ein Shooter – und dazu noch ein richtig guter! Wie sieht es also mit dem neuen Werk Bodycount aus?

Früher eine PC-Domäne, sind Ego-Shooter mittlerweile auch im Konsolenbereich äußerst zahlreich vertreten. Wie bei jedem anderen Genre, welches mit Titeln überflutet wird, kommen Neuerungen dabei meist zu kurz. Die meisten Spieledesigner versuchen also durch Grafik und Story zu glänzen – und die Steuerung muss natürlich optimal sein. Da auch Codemasters mit diesem Titel das Shooter-Genre nicht (r)evolutionieren wird, beschränken wir unser Augenmerk doch einfach auf diese drei Hauptpunkte.

Worum geht es also in Bodycount? In nicht allzu ferner Zukunft sind die potenziellen gegenwärtigen Krisenherde der Welt nicht mehr kontrollierbar. Warlords und Milizen heizen sich in (fiktiven) afrikanischen Ländern ganz schön derbe ein und radieren ganze Städte von der Landkarte. Und Ihr seid Amerika und müsst natürlich dem bösen unterentwickelten Afrikaner zeigen, dass nur the patriot himself das Zeug dazu hat, tausende von bösen Buben alleine über den Jordan zu wuppen. Auch wenn Bodycount eigentlich nur eine Highscore-Jagd im modernen Gewand ist, hat dieses Setting in mir leichten Bröckelhusten hervorgerufen. Leute: Wenn schon unbedingt Trash, dann bitte doch mit ein wenig Niveau, hm? Nichtsdestotrotz nimmt der Spieler es also mit allen Parteien auf und mäht sich durch stellenweise recht umfangreich geratene Maps. Wenn sich über Funk nicht ab und zu die Basis melden würde, dann könnte man diese „Story“ wenigstens charmant an sich vorbei gleiten lassen – aber die dämliche Tante wird nicht müde, Euch in regelmäßigen Abständen mit „Missionen“ und „Informationen“ zu versorgen, auch wenn´s keiner braucht.

Phasenweise kommt tatsächlich auch mal so etwas wie Spielspaß auf. Zumindest, wenn die Steuerung wieder nicht gerade zu schwammig ist. Speziell das Rennen, das Ducken und das Schleichen mit angelegter Waffe sind unglücklich umgesetzt und man verliert gerne mal den Überblick, wenn es etwas stressiger wird. Grafik und Sound hinterlassen durchaus einen soliden Eindruck – können aber nicht wettmachen, was das Spiel sonst an Schwächen zu bieten hat. Allen voran die Linearität des Gameplays. Dies kann man getrost als Rückschritt in die 90er Jahre bezeichnen. Beispiele gefällig? Man beginnt mit zwei Waffen (mehr kann man auch nicht tragen, von Granaten abgesehen). Wechseln kann man Waffen nur an sogenannten „Waffenverstecken“. Mit jedem Waffenversteck, das man findet, schaltet man sich eine neue Waffe frei – und das immer schön der Reihenfolge nach. Keine Überraschungen, nichts. Während das zwar unschön, aber dennoch bei einigen aktuellen Titeln gang und gäbe ist, ist es jedoch nichts im Vergleich dazu: In einer Mission muss der Spieler drei Sprengsätze an einem Gebäude entschärfen. Leider muss dies (auch wenn alle drei Sprengsätze gleich zu Beginn angezeigt werden) in der richtigen Reihenfolge geschehen! Ich habe den an der Hinterseite des Gebäudes zuerst gewählt. Der war am weitesten entfernt, denn ich wollte mich erst einmal gepflegt durch die Stadt ballern. Angekommen, habe ich die Stellung verteidigt, das Ding entschärft und ab zum nächsten. Nachdem ich dann also den zweiten auch entschärft hatte, war der andere auf einmal wieder da! Das ganze Spiel habe ich dann nochmal wiederholt, weil ich mir dachte, dass das wohl nicht deren Ernst sein könne – aber doch. Es kam wieder so. Falls sich jetzt ein Leser fragt, ob einer der Feinde den Sprengsatz wieder aktiviert haben könnte: No – auch das ist ausgeschlossen. Das ist einfach nur sch… programmiert! Es war wohl nicht vorgesehen, dass der am weitesten entfernte Sprengsatz zuerst bearbeitet werden könnte. Eieiei – das würde ich ja schon fast als Anfängerfehler bezeichnen.

Zu allem Überfluss ist die Xbox 360-Version ab der zweiten Mission bei jedem Ladebildschirm abgestürzt und die Konsole musste neu gestartet werden. Kann natürlich ein Fehler bei der Pressung sein, denn es wird nicht jedes Exemplar, welches in den Handel kommt, abstürzen – aber unglücklicherweise passte das leider zum Gesamtpaket. Also übergebe ich jetzt einfach mal an unsere Rae, die für Euch die PS3-Version getestet hat. Rae, wie sieht´s auf Deinem Schlachtfeld aus?

Auf meinem Schlachtfeld sieht es ziemlich belanglos aus, trotz hohem Bodycount und vielen in Schweizer Käse verwandelnden Gebäuden. Ich wurde vor ein paar Tagen von jemanden gefragt, was ich über Bodycount so erzählen könne und alles was mir einfiel war „Ja, hm. Ist ein Shooter, ne?“

Wie du schon sagtest, Sascha, es revolutioniert das Genre nicht. Muss ja auch nicht immer sein, aber irgendetwas braucht ein Spiel, um einen Anreiz zu schaffen, es auch tatsächlich kaufen und spielen zu wollen. Diese Kleinigkeit habe ich bei Bodycount nicht gefunden. Es ist ein Shooter, der sich nicht von anderen abhebt (abgesehen vielleicht von den bereits genannten Fehlern, was nun nicht wirklich eine Kaufermutigung gibt) und auf Dauer keine wirkliche Motivation schafft sich damit zu beschäftigen. Es gibt nette Grundideen, aber diese wurden eher mäßig umgesetzt und auch die Story bietet keinerlei Verlangen erfahren zu wollen, was als nächstes geschieht.

Es ist jedoch cool seine Umgebung so zerstören zu können, dass ich mich gar nicht erst um eine Ecke herumbiegen muss, um einen Feind zu killen, sondern gleich durch die Wand schießen und ihn so erledigen kann. Oder sagen wir es wäre cool, wenn ich dafür nicht gleich vom Punktesystem dafür bestraft werden würde. Vorsichtig geplante Manöver und Headshots (sofern es in dem Chaos geht) geben mehr Punkte, als die ziellose Zerstörung, mit der Bodycount wirbt. Da ich ein Fan von sinnloser Zerstörung bin und mich wirklich darauf gefreut habe, sie hier wundervoll ausleben zu können, war das etwas enttäuschend und noch dazu verwirrend. Warum das Spiel- und das Punktesystem in so einem Wiederspruch stehen, kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

Fazit

Alles in allem ist Bodycount ein Shooter, auf den man gerne verzichten kann, zumindest zum Vollpreis. Es gibt einfach zu viele bessere Shooter auf dem Markt, um hier seine Zeit und sein Geld zu verschwenden. Wer es trotzdem nicht lassen kann, sollte zumindest erstmal eine Weile warten, da ich vermute, dass es einer dieser Titel ist, deren Preis sehr schnell sinken wird. Nicht ganz so schnell wie der Spielspaß aber hey, man kann nicht alles haben.

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3 Kommentare zu „Im Test: Bodycount (PS3, Xbox 360)“

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