Im Test: Gears of War 3 (Xbox 360)

Es kommt nur selten vor, dass der dritte Teil einer weltweit erfolgreichen Videospielserie der erste Teil ist, der offiziell in Deutschland erscheint. Bei Gears of War ist es aber so. Microsofts Exklusivtitel aus dem Hause Epic Games geht in die dritte, nunmehr vorerst letzte Runde und liegt demnach auch in unseren Regalen. Wir haben uns für euch mit Marcus Fenix & Co durch die gegnerischen Locust-Horden gekämpft und verraten euch in unserem Test, was der Titel taugt…

Lasst die Kettensäge kreischen und die Körperteile fliegen – Gears of War ist zurück! Nachdem man den dritten Teil der Saga ursprünglich bereits im Frühjahr auf den Markt bringen wollte, wurde der Third Person Shooter kurzerhand von Microsoft auf den Herbst verschoben. Ob die zusätzliche Zeit genutzt wurde um letzten Feinschliff an den Titel zu legen? Ich möchte eigentlich nicht vorgreifen, aber: ja. Zwei Jahre sind mittlerweile vergangen seit die fiesen Locust offenbar nach der Flutung des Tunnels vernichtet wurden und mit Jacinto die letzte Bastion der Menschheit unterging. Nur mühsam sind die überlebenden Menschen damit beschäftigt, sich eine neue Zivilisation aufzubauen. Doch der Frieden ist erneut in Gefahr, denn mit den so genannten „Leuchtenden“ bahnt sich eine neue Bedrohung an. Es handelt sich dabei um eine infizierte Locust-Art, die noch bösartiger als ihre Artgenossen ist. Und als ob das für die Delta Squad noch nicht genug wäre, erfährt Marcus Fenix außerdem, dass sein bereits tot geglaubter Vater Adam offenbar noch unter den Lebenden weilt. Seine Aufgabe ist es somit nicht nur die feindlichen Horden ein weiteres Mal aufzuhalten, sondern auch seinen Vater zu finden, der offenbar die Lösung für alle Probleme parat hat. Aber dafür muss er erst einmal gefunden werden.

Wer bereits einen Teil der Reihe gespielt hat, fühlt sich auch in Gears of War 3 sofort heimisch. Das liegt daran, dass man seitens Epic Games im Prinzip keine Änderungen in Sachen Gameplay vorgenommen hat. Gemäß dem Motto „Never change a winning team“ seid ihr immer noch mit eurer Truppe unterwegs und fechtet in fünf Kapiteln Stellungskämpfe mit den gegnerischen Horden aus. Alte Hasen fühlen sich somit schnell heimisch, Neulinge kommen allerdings genauso schnell mit der präzisen Steuerung zurecht. Aus der Third Person-Ansicht stürmt ihr durch Gänge, über Plattformen, durch Straßenzüge und ein altes Footballstadion, über eine verlassene Insel und – halt, ich greife hier nicht voraus. Nach dem etwas zähen Start entwickelt sich die Geschichte nämlich ziemlich spannend mit der ein oder anderen überraschenden Wendung, so dass man als Spieler gebannt den eindrucksvoll inszenierten Cutscenes beiwohnt und sich an der fulminanten Präsentation ergötzt. Gears of War 3 macht im Prinzip vieles wie seine Vorgänger, aber alles davon irgendwie besser. Die Spielmechanik ist nach wie vor präzise und knackig, so dass spannende Gefechte garantiert sind. Euer Waffenarsenal wurde dabei um das ein oder andere Kleinod erweitert, das es mitunter in sich hat. Der Retro-Lancer verfügt statt einer Kettensäge beispielsweise über ein Bajonett, die Granaten des Diggers buddeln sich unterirdisch ihren Weg zum Ziel und die One Shot-Sniper braucht bei so einem Namen eigentlich keine weitere Erklärung mehr. Obwohl auch an der KI ein wenig gefeilt wurde, sind weder eure Mitstreiter noch eure Gegner zu jeder Zeit wahre Intelligenzbestien. Hin und wieder suchen eure Widersacher zwar geschickt Deckung und versuchen euch von der Seite her zu flankieren, dann wieder laufen sie euch aber ins offene Messer. Wirklich negativ wirkt sich das auf den Spielspaß allerdings nicht aus.

Obwohl sich das Gameplay nicht grundlegend verändert hat, wurden dennoch immer wieder Passagen integriert, mit denen alles aufgelockert wird. Mal hängt ihr an einem Seil und rauscht an euren Feinden vorbei, denen ihr explodierende Fässer um die Ohren pustet. Dann wieder müsst ihr in einer Mixtur aus Traumsequenz und Realität in der Rolle von Cole eure Gegner wie auf einem Footballfeld umlaufen und eine Art Touchdown mit einer Granate landen. Ihr tragt mit einem Roboter Versorgungskisten und räumt dabei störende Wände und Fahrzeuge aus dem Weg, verschanzt euch hinter Geschütztürmen – die Möglichkeiten sind vielfältig und bringen immer wieder Abwechslung ins Spiel. Die Kampagne kann dabei nicht nur alleine, sondern auch im Coop-Modus online oder per Netzwerk gespielt werden. Vor einer Konsole dürfen per Splitscreen immerhin zwei Kumpels auf Locustjagd gehen. Wer die Kampagne durch hat, darf sich in den weiteren Spielmodi austoben. Der Horde-Modus, indem ihr mit bis zu drei Mitspielern auf neun Karten anstürmende Wellen von Gegnern aufhaltet, ist dabei bereits aus dem Vorgänger bekannt. Neu dagegen ist der Beast-Modus, der den Spieß umdreht und euch in die Haut eines Locust schlüpfen lässt. Der normale Versus-Modus bietet mit seinen üblichen Matcharten wie Deathmatch oder King of the Hill ebenfalls viel Unterhaltung. Positiv fällt dabei auf, dass die Duelle online allesamt unglaublich flüssig ablaufen. Die Interfaces und Menüs sind dabei vorbildlich aufgebaut und erklären sich im Prinzip von selbst. Umfassende Statistiken verwalten dabei nicht nur eure online erzielten Erfolge, sondern sind mit dem Fortschritt kombiniert, den ihr offline erzielt habt.

Technisch hat Epic Games mit Gears of War 3 der Trilogie einen mehr als würdigen Abschluss beschert. Die abwechslungsreich gestaltete Locations bringen frischen Wind ins Spiel und sehen verdammt detailliert aus. Tolle Rauch- und Partikeleffekte heizen die Action an, geniale Lichteffekte lassen eure Augen leuchten. Dass eure neuen Gegner, die Leuchtenden, bei ihren Ableben schön zerplatzen, wird auch optisch einwandfrei rübergebracht. Eure neuen Kontrahenten treten in vielen verschiedenen Ausführungen auf und überzeugen vom Design. Wenn sie sich nach ein paar Treffern in Würmer mit riesigen Tentakeln verwandeln und euch besonders schwer attackieren, dann steigt der Adrenalinpegel enorm. Zusammen mit den wunderbar in Szene gesetzten Cutscenes reißt einen Gears of War 3 schnell mit. Wer jedoch die Bücher nicht kennt, könnte die ein oder andere Anspielung verpassen und fühlt sich ohne Kenntnis der Vorgänger trotz eines „Previously on Gears“-videos ein wenig ins kalte Wasser geworfen. Dennoch lässt man sich schnell von der hitzigen Atmosphäre anstecken. Auf dem actiongeladenen Trip werdet ihr von krachenden Soundeffekte, wuchtigen Schussgeräuschen, markerschütternden Schreien und martialischer Musik begleitet. Ja, so muss ein Spiel in Szene gesetzt werden – dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.

Fazit

Eigentlich hat man ja erwartet, dass Gears of War 3 ein tolles Spiel wird. Das wurde es dann auch – und sogar noch ein wenig mehr. Selbst Shooter-Muffel sollten jedenfalls ein Auge riskieren, da es selten einen so spannend inszenierten Titel gab, der mit seinen verschiedenen Spielmodi und der überzeugenden technischen Präsentation so viel Laune gemacht hat. Natürlich könnte man meckern, dass es vom Gameplay her kaum Innovationen gibt. Aber warum sollte man ein optimal funktionierendes System über den Haufen werden? Na? Na also… Somit hat sich Gears of War 3 seinen Status als einer der heißesten Titel des Quartals und dadurch auch unser Gütesiegel redlich verdient.

Screenshots

4 Kommentare zu „Im Test: Gears of War 3 (Xbox 360)“

  1. Pingback: Gears of War 3 Review « GameBooze – Bottoms up! Aggregated gaming news, guides, cheats and fixes to quench your gaming needs.

  2. Da mir 3rdpersonshooter prinzipiell sehr sympathisch sind werd ich mir wohl auch die Serie mal anschauen müssen, werd mir aber wohl erst mal Teil 2 billig zulegen, bevor ich das teuer kaufe 😉
    Ich nehme an, Story im ersten Teil ist jetz nicht so arg lebenswichtig, dass ich das beruhigt so angehen kann…

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.