Im Test: El Shaddai: Ascension of the Metatron (PS3)

Eine Grafik, die viele Spieler abschrecken könnte und eine Geschichte, die ob ihrer religiösen Ausrichtung, nicht jedem interessant erscheinen mag. Dies sind die beiden offensichtlichsten Merkmale des Action-Spiels El Shaddai: Ascension of the Metatron, in dem ihr als Enoch, seines Zeichens Auserwählter Gottes, gegen gefallene Engel in den Kampf zieht, um diese wieder in den Himmel zurück zu holen.

El Shaddai: Ascension of the Metatron ist schon auf den ersten Blick die Andersartigkeit anzusehen. Der grafische Stil des von Konami in Europa veröffentlichten Action-Titels beweist in seiner Vielfältigkeit und teilweisen Schönheit den Aspekt, dass Videospiele auch Kunst sein können. Verantwortlich für dieses andere und ungewöhnliche Art Design ist Takeyasu Sawaki, der schon dem Playstation 2-Hit Okami seinen einzigartigen Look verpasst hat. Diese Beteiligung des Designers ist El Shaddai: Ascension of the Metatron deutlich anzumerken. So liegt in jedem Level eine Art Filter über dem Bild, der die grafischen Spielereien noch unterstützt und immer zur jeweiligen Thematik des Kapitels passt. Besonders auffallend sind auch die Wechsel zwischen dem teilweise minimalistischen Einsatz von Details und dem Spiel mit den Kontrasten, während andere Level schier vor Effekten überzulaufen scheinen. Trotz des wirklich gelungenen grafischen Spiels liegt hier auch eine der größten Schwächen von El Shaddai: Ascension of the Metatron, da das Geschehen und der teilweise extreme Wechsel auch die Augen anstrengen kann und mitunter zu schnellerer Übermüdung dieser führen kann. Dies mag aber bei jedem Spieler in einer anderen Stärke ausfallen und kam auch bei mir nur äußerst selten vor.

Dem allgemeinen Grafikstil gegenüber steht das leichte Kantenflimmern und die Treppchenbildung, die an manchen Stellen recht deutlich zu sehen ist, aber nur leicht ins Gewicht fallen. Viel stärker stoßen da die Charaktermodelle sauer auf, die mit Sicherheit schon vom Stil nicht jedem Spieler gefallen dürften. In das Gesamtkonzept passen sie meistens aber trotzdem, auch wenn nur wenige wirklich besondere Charaktere einen Auftritt haben. Gerade die Gegner sehen sich oft viel zu ähnlich und unterscheiden sich lediglich in Details. Dies gilt leider auch in den meisten Fällen für die gefallenen Engel gegen die ihr immer wieder antreten müsst. Dafür gilt für die Gegner wie auch für Enoch die Rüstung nicht nur als rein optisches Merkmal, sondern auch als Anzeige der eigenen Lebensenergie. Bei jedem Treffer verliert ihr oder eure Gegner ein Stück von dieser. Auf Bildschirmanzeigen haben die Entwickler mit diesem Trick komplett verzichten können.

Neben der Grafik steht aber natürlich auch noch die wichtige Frage, wie sich El Shaddai: Ascension of the Metatron überhaupt spielt. Außerdem liegt der Fokus des Spiels neben dem außergewöhnlichen Grafikstil ganz klar auf der biblischen Geschichte. Letztere könnte durchaus dafür sorgen, dass einige Spieler dem Action-Titel keine Chance geben oder schnell aussteigen. Entweder weil sie zu religiös ausgefallen ist oder weil der teilweise etwas verwirrende und nicht ganz klare Erzählstil den Überblick zunichte machen könnte. Dies tritt zwar eher schwach auf, könnte aber gerade Spieler stören, die nichts mit Enoch, Lucifel, den Erzengeln und ähnlichen Begriffen und Themen anfangen können. Gelungen ist die Geschichte von El Shaddai: Ascension of the Metatron trotzdem und weiß Spieler die sich darauf einlassen weitest gehend zu überzeugen. Sie ist es auch, die den Spieler immer wieder motiviert weiter zu machen, selbst wenn das stellenweise etwas monoton wirkende Gameplay den Spielspaß etwas drückt.

Und damit wären wir dann auch beim größten Problem von El Shaddai: Ascension of the Metatron: dem Gameplay. Zwar zeigt sich das Action-Spiel hier von seiner konventionellsten Seite, aber genau das ist das Problem. Dabei stört nicht einmal, dass die Level fast völlig linear ausfallen und nur wenige abweichende Wege bieten. Viel mehr liegt es daran, dass sich die Kämpfe – sind erst einmal alle drei (mehr gibt es nicht) Waffen gefunden und genutzt worden – irgendwann etwas abnutzten und teilweise sogar etwas nervig ausfallen können. Zum Glück haben die Entwickler hier versucht durch abweichende Abschnitte etwas Abwechslung einzubauen. Während das bei den grafisch tollen 2D-Abschnitten gelingt, ist dies zum Beispiel bei einer Fahrsequenz nur zum Teil der Fall. Zwar spielt sich diese spaßig und bietet dem Spieler etwas anderes als das übliche Gekloppe und Gehüpfe, dafür gibt das Spiel den Weg und den folgenden Ablauf noch stärker vor als sonst. Abwechslung bringt dies, genauso wie andere Stellen, trotzdem mit sich.

In Sachen Sound wurde jedoch erstklassige Arbeit geleistet. Gerade der Soundtrack ist hervorragend gelungen und passt perfekt zu den einzelnen Stellen im Spiel. Liebhaber von Spiele-Musik sollten diesen – selbst wenn El Shaddai: Ascension of the Metatron eigentlich eher uninteressant ist – zumindest einmal Probehören. Die Sprachausgabe hingegen ist eher ein zweischneidiges Schwert. Zwar ist die englische Vertonung durchaus in Ordnung, wirkt teilweise aber doch etwas gelangweilt. Dem entgegen steht die japanische Synchronisation, die wirklich erstklassig ausfällt. Damit ist es den Spielern frei zu entscheiden, welche Sprache sie bevorzugen, trotz der kleineren schwächen bei den englischen Sprechern.

Fazit

El Shaddai: Ascension of the Metatron ist, wie bereits erwähnt, ein etwas anderes Spiel. Die religiös orientierte Geschichte könnte viele Spieler von vorne herein abschrecken, während der ungewöhnliche, aber schöne Grafikstil bei Fans von realistischer HD-Optik für Abneigung sorgen dürfte. Alle anderen sollten dem Action-Spiel von UTV Ignition Games zumindest eine Chance geben und Probe spielen. Spaß macht der Titel auf jeden Fall, auch wenn das etwas monotone Gameplay manchmal stark an der Motivation zerren kann. Dies ist auch der Grund, weshalb El Shaddai: Ascension of the Metatron kein „Güteklasse A“-Siegel verdient hat. Ein „Geheimtipp“ ist der Titel aber auf jeden Fall.

Screenshots

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