Im Test: Stronghold 3 (PC)

Nahezu 10 Jahre ist es nun her, dass das englische Studio Firefly mit Stronghold einen ambitionierten Burgbau-Strategiemix auf den Markt und in direkte Konkurrenz zur Echtzeit-Wuchtbrumme Empire Earth geschickt hat. Die Rechnung ging auf, Stronghold überzeugte und gewann eine große, treue Fangemeinde. So treu, dass auch das 2005 erschienene Stronghold 2 trotz mieser Performance und überfrachtetem Mikromanagement noch einigermaßen akzeptiert wurde. Teil 3 ist nun seit einigen Tagen auf dem Markt und soll alles besser machen. Tut er auch. Doch er macht es gleichzeitig auch noch schlimmer.

Herr des Hügels

Zunächst kurz die Rahmendaten: Wie schon die zwei Vorgänger, so ist auch Stronghold 3 eine Mischung aus Aufbau- und Echtzeitstrategie mit besonderem Fokus auf Belagerungsschlachten. Unter dem Einfluss zahlreicher wirtschaftlicher Faktoren könnt ihr eine Siedlung aus dem Boden stampfen und sie schließlich zur mächtigen Burg ausbauen. Oder aber ihr übernehmt die Kontrolle einer Belagerungsarmee und versucht mit Infanteristen und Reitern, Rammböcken und Katapulten die feindlichen Festungen bis auf deren Grundmauern einzureißen.Die Besonderheit beim Stronghold-Burgenbau ist aber seit jeher das Jonglieren mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einflüssen. Die sind zwar nicht so ausgeprägt wie bei etwa bei Anno, liegen aber dennoch weit über den Managementanforderungen eines Age of Empires. Wie bei der Microsoft-Konkurrenz bilden einfache Bauern die Grundlage einer jeden Siedlung. Diese dienen allerdings nicht nur als Leibeigene, sondern wollen auch versorgt werden. Ohne Nahrung und Freizeitangebote oder bei erdrückender Steuerlast verweigern sie schon bald die Arbeit oder machen sich gleich ganz vom Acker. Also muss das Volk bei Laune gehalten, gleichzeitig aber auch Ressourcen für die Expansion beschafft werden. Den Ausbau der Burg finanziert ihr etwa aus den Steuereinnahmen. Seid ihr ein gütiger Herrscher und haltet die Abgaben niedrig, ist euch zwar Liebe und Achtung gewiss, doch möglicherweise fehlt es andernorts am nötigen Kleingeld. Außerdem werden zu glückliche Arbeiter faul. Haltet ihr das Fußvolk dagegen an der kurzen Leine, steht ihr zwar finanziell besser da, provoziert aber möglicherweise einen Aufstand. Der richtige Weg ist also stets ein Balanceakt. Dieses System funktioniert damals wie heute gut, auch weil es im Vergleich zu Teil 2 etwas entschlackt wurde – Innovation in der Volks- und Ressourcenverwaltung  gibt es im Gegenzug aber auch nicht.

Eure (optional im Tutorial erlangten) Burgbaukenntnisse können in gleich zwei grundverschiedenen Kampagnen unter Beweis gestellt werden. „Lady Catherines Abtei“ sowie „Die Rache des Wolfs“. In Ersterer steht das geschickte Wirtschaften im Vordergrund. Um der namensgebenden Adelsdame auf den Thron zu verhelfen, müsst ihr eine vom Krieg gebeutelte Welt wieder aufbauen und mit knappen Rohstoffen gute und funktionierende Städte errichten. Feindliche Eingriffe sind hierbei nicht zu fürchten, dennoch sorgen clevere und teils überraschende Missionsziele für Abwechslung. Die „Rache des Wolfs“ setzt hingegen ganz auf militärische Intervention. Denn der eigentlich tote Halunke des ersten Teils feiert hier ein Comeback und setzt (erfahrene) Spieler mitunter ganz schön unter Druck. Generell ist der Schwierigkeitsgrad knackig und wer uneffektive Strukturen hochzieht, steht ganz schnell vor Problemen, die in der Regel den virtuellen Exitus nach sich ziehen. Gerade in den hektischen Momenten macht sich aber noch eine ganz andere Schwäche des Spiels bemerkbar: Die Bugs! Nein, nicht die außerirdischen Krabbler aus Paul Verhoevens Science Fiction-Klassiker, sondern eben jene kleinen Biester, die uns Spielern das Leben mitunter zur Hölle machen! Und die Hölle muss ein Insektennest sein, denn was die Firefly-Studios mit Stronghold 3 vorlegen, kann bei aller Ernsthaftigkeit nur als Betaversion bezeichnet werden! Falsche Kollisionsabfrage, falsch oder gar nicht reagierende Einheiten, manchmal auch geisterhaft selbstständig reagierende Einheiten, Grafikfehler wie Kühe im Steinbruch, mangelnde Einheitenbalance, regelmäßige Verbindungsabbrüche im Mehrspielermodus, regelmäßige Abstürze des kompletten Spiels und unser persönlicher Favorit, die Suchspiel-Steuerung, die es bevorzugt, Einheiten nicht bei direktem Draufklicken auszuwählen, sondern nur dann, wenn man den exakten Punkt irgendwo um die Figur herum trifft, bei dem sie sich angesprochen fühlt. Eieiei, was haben die Herrschaften aus London da nur verzapft? Ähnlich wie seinerzeit bei Gothic 3 wird ein eigentlich gutes Spiel im Auslieferungszustand von seinen Programmierfehlern regelrecht zugrunde gerichtet. Denn auch wenn das bewährt gute Spielprinzip und die grundsätzlich recht hübsche Grafik eine unbestreitbare Faszination ausüben, frustriert Stronghold 3 im jetzigen Zustand vorne und hinten.

Dazu kommen noch einige kleinere Ärgernisse, wie etwa die Beschränkungen auf fünf vorgefertigte Einzel-, bzw. Mehrspielerkarten, sowie der Verzicht auf einen Zufallskartenmodus. Auch beim freien Bauen fehlt es nach kurzer Zeit an Herausforderungen, denn überraschende Ereignisse oder Feindangriffe gibt es hier nicht. Dafür packt Firefly einen mächtigen Editor obendrauf, der nun zwar außerhalb des Hauptspiels als eigenes Programm läuft, mit dem (nach einiger Einarbeitung) aber sehr viel komplexere und individuellere Kartenkreationen möglich sind, als noch in den Vorgängern – vorausgesetzt, ihr könnt die Karte in Ruhe spielen und das Programm rauscht derweil nicht ab…

Fazit

Stronghold 3 bietet viele gute und auch einige sehr tolle Elemente. Die Grafik ist zweckmäßig aber taugt völlig, die Musikuntermalung sehr schön. Die Kampagnen gefallen durch ihre verschiedenen Ansätze und der etwas bescheidene Umfang wird durch den sehr guten Leveleditor wieder wett gemacht, der reichlich Nachschub aus der Community erwarten lässt. Nun, vorausgesetzt die Community läuft nicht schreiend davon, denn Stronghold 3 hätte locker noch ein, zwei Monate Bugfixing vertragen können. Unzählige, eigentlich grundlegende Funktionen sind fehlerhaft, der Mehrspielermodus praktisch unspielbar. Einen ersten Patch hat Firefly auch bereits nachgereicht, doch enthält der kaum spürbare Verbesserungen. Kein Wunder also, dass mittlerweile auch die Fans auf die Barrikaden gehen und öffentlich eine Entschuldigung, sowie Wiedergutmachung fordern. Die dem Spiel gratis beiliegende Vollversion des ersten Teils ist da nur ein schwacher Trost. Das Einzige, was wir an dieser Stelle tun können, ist daher leider von einem Kauf von Stronghold 3 abzuraten. Zumindest im Augenblick. Denn wenn Firefly die hausgemachten Probleme in den Griff bekommt, wartet hier ein sehr spannender und facettenreicher Burgbausimulator, dessen Grundkonzept auch nach 10 Jahren noch super funktioniert. Wenn es denn mal funktioniert…

Screenshots

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