Im Test: Mario Kart 7 (3DS)

Welcome to Mario Kart! Es ist wieder soweit. Die Karts sind betankt, die Panzer geladen und selbst Bowser entlässt kurzzeitig Prinzessin Peach aus seinen Fängen, damit auch sie beim großen Turnier teilnehmen kann. Nintendo eröffnet die nächste Runde im beliebtesten Kartrennen der Welt und beendet spätestens jetzt die Spieleflaute auf dem 3DS. Mario Kart 7 ist da – lasst uns gemeinsam herausfinden ob es auch gut ist wie gut es wirklich ist.

Klare Worte

Bei einem derart bekannten Nintendotitel wie Mario Kart kann eigentlich von Beginn an Klartext gesprochen werden. Es ist sonnenklar, dass es sich hierbei um kein schlechtes Spiel handel und es ist ebenso klar, dass auch der siebte Serienableger vor allem im Multiplayer eine Wucht ist. Jeder kennt es schließlich. Wir wollen und müssen also nicht bemüht investigativ jedes Detail unter die Lupe nehmen, um zu ermitteln, ob es sich hierbei auch wirklich um ein gutes Spiel handelt. Vielmehr wollen wir prüfen, was sich im Vergleich zu den Vorgängern verändert hat und welche Neuerungen gewagt wurden. Denn auch wenn sich Nintendo stets ein paar kleine Unterschiede ausdachte (Doppelkarts auf dem Gamecube, Motorräder und Stunts auf Wii), so hat sich das Gameplay seit der N64-Version nicht wesentlich verändert. Und um es gleich vorwegzunehmen – auch in Mario Kart 7 ist das nicht der Fall.
Wie eh und je unterteilt sich das Spiel in Grand Prix, Zeitfahren und die Battles. Der Versus-Modus, wie er etwa noch auf dem DS vorhanden war, wurde gestrichen. Im Grand Prix werden nach und nach bis zu acht Cups mit jeweils vier Strecken freigeschaltet, die sich in den drei bekannten Geschwindigkeitsklassen 50cc, 100cc und 150cc fahren lassen. Die Hälfte der Cups setzt sich dabei aus recycleten Maps der sechs Vorgänger zusammen, die aber nicht 1:1 übernommen, sondern sowohl grafisch, als auch in der Streckenführung überarbeitet wurden. Das ist richtig gut für’s Spielgefühl, denn schon ein paar neue Sprungschanzen und Abkürzungen sorgen für deutlich erhöhten Wiederspielwert – gerade wenn man die Vorgänger noch in guter Erinnerung hat.

Das Zeitfahren ist ebenfalls unverändert und bietet den gewohnten Umfang. Ihr absolviert eine beliebige Strecke alleine oder gegen einen Geisterfahrer. Dieser Geist kann dabei entweder euer eigener, bisheriger Rekord sein oder aber auch der eines Spielers, den ihr per Street Pass getroffen habt – denn Mario Kart tauscht umfangreiche Daten über Street- und Spot Pass. Der Battlemodus unterteilt sich in die bekannte Ballonschlacht und das neue Münzrennen. Während bei Letzterem zwei Teams gegeneinander antreten und am Ende schlicht jenes gewinnt, dass die meisten Münzen eingesammelt bzw. erkämpft hat, wurde die Ballonschlacht in ihren Regeln ein wenig überarbeitet. Statt einfach einem Gegner nach dem anderen die drei Ballons wegzuballern, bis man der letzte verbleibende Spieler auf dem Feld ist, ringt ihr nun mit einem Zeitlimit im Nacken um einen guten Ranglistenplatz. Denn jeder Gegner, der durch euch einen Ballon verliert, beschert euch selbigen auf euer Ballon-Guthabenkonto. Dadurch lässt sich bei einer guten Abschussquote der eigenen Ballonhaushalt in sichere Höhen schrauben. Ist die Uhr abgelaufen, gewinnt der Spieler, der die meisten durch Abschüsse gewonnenen Ballons besitzt. Dadurch erhalten die Schlachten noch mehr Deathmatch-Charakter.

Das Fahrerfeld besteht aus zunächst acht bekannten Protagonisten und kann ebenfalls nach und nach erweitert werden. Da Nintendo die Bikes der Wii-Fassung wieder gestrichen hat, wurde dem Spiel im Gegenzug ein Kart-Baukasten spendiert. Statt aus fest vorgegebenen Boliden zu wählen, stellt ihr euer Fahrzeug nun aus drei Basisbauteilen zusammen. Rumpf, Reifen und Flugerweiterung. Die bekannten Balkendiagramme zeigen sofort den Einfluss jedes Bauteils auf Tempo, Beschleunigung oder Handling an, sodass schnell das persönliche Wunschkart konstruiert ist. Und auch bei den Bauteilen beginnt ihr mit einer überschaubaren Auswahl, die sich mit zunehmendem Spielerfolg vergrößert.

In den Rennen selbst hat sich nur wenig (aber immerhin überhaupt etwas) verändert. Zum einen feiern die aus dem allerersten Super Mario Kart bekannten Münzen ihre Rückkehr. Von den auf der Strecke verteilten Geldstücken lassen sich bis zu Zehn einsammeln und erhöhen nach und nach eure Höchstgeschwindigkeit, bei jedem kassierten Treffer oder Absturz verliert ihr jedoch wieder welche. Ebenfalls auf der Strecke verteilt sind natürlich auch die gewohnten Itemboxen, die neben roten und grünen Panzern, Pilzen oder einem Powerstern auch diverse Neuzugänge enthalten. Wer z.B. auf die dekorativen Fuchsschwänze steht, die an so manchem Autorückspiegeln baumeln, darf sich künftig immerhin einen Waschbärschwanz ans Kart hängen. Genau wie kürzlich bei Super Mario 3D-Land lässt sich damit auf Knopfdruck ein Rundumschlag ausführen, der Kontrahenten umwirft oder feindliche Geschosse abwehrt. Ebenfalls aus dem Jump’n’Run entliehen ist die Feuerblume, mit der ihr kurzzeitig und nach Belieben Feuerbälle verschießen dürft. Die Krönung der neuen Itempalette ist die sogenannte Glückssieben. Hierdurch erhaltet ihr einen Ring aus sieben zufälligen Items um euch herum, die der Reihe nach eingesetzt werden können. Außerdem schon aus den ersten Trailern bekannt, ist die Fähigkeit, unter Wasser zu fahren oder per Gleitschirm zu segeln. Während sich das Fahrverhalten im kühlen Nass sogut wie überhaupt nicht verändert, sind die Gleitpassagen eine nette Abwechslung, zumal ihr je nach Lenkverhalten länger segeln oder wieder steil auf die Strecke runter rasen könnt. Technisch präsentiert sich Mario Kart 7 in einem äußerst gewohnten Gewand, dass in etwa der Optik der Wii-Version entspricht. Die war ihrerzeit schon nicht auf der Höhe der Zeit, sah aber hübsch bunt aus – ebenso verhält es sich auch auf dem 3DS. Der 3D-Effekt ist im Gegensatz zu Super Mario 3D-Land kein spielerisch sinnvolles Feature und kann bei heftigen Lenkmanövern gern auch mal stören – vor allem wenn man in der neuen Ego-Perspektive mittels Neigungssensor steuert. Wer ihn abschaltet verpasst nicht viel.

Seine wahre Stärke demonstriert das Spiel aber im Mehrspielermodus. Lokal können bis zu acht Spieler antreten, wobei nur einer zwingend eine Spielkarte besitzen muss. Alle anderen sind dann zwar auf lediglich einen Fahrer beschränkt (Shy Guy), aber sonst kann ohne Einschränkung aus allen Modi und Strecken gewählt werden. Online bietet Nintendo eine ganze Reihe vorbildlicher Features, die andeuten, dass man langsam die Bedeutung des Internetspiels begreift. Über ein simples Matchmaking-System könnt ihr in sekundenschnelle gegen Spieler aus aller Welt antreten, wobei in den Rennen praktisch nie Lags auftreten. Eure fahrerische Leistung wird mit sogenannten Rennpunkten beurteilt, ein Wert, den ihr nach und nach steigern könnt und der das automatische Zuweisen gleichstarker Fahrer ermöglicht. Besonders nett sind die Online-Communities. Diese Gruppen können von jedem Spieler erstellt werden, um ohne lästige Freundescodes mit Bekannten zu spielen. Wird eine Community gegründet, generiert das Spiel automatisch einen Beitrittscode. Jeder, der diesen Code im Onlinemenü eingibt, kann direkt der Community beitreten. Einfach und komfortabel. Simple Chatnachrichten stellt das Spiel ebenso zur Verfügung, einen Voice- oder gar Videochat gibt es allerdings nicht – obwohl die 3DS-Hardware alle Voraussetzungen dafür erfüllt. Dennoch, der Ansatz einer Onlinelobby sowie Profilverwaltung ist erkennbar. Nintendo hat in puncto Internet enorm viel nachzuholen, Mario Kart 7 macht immerhin einen guten Ansatz.

Fazit

Mario Kart bleibt Mario Kart bleibt Mario Kart. Das ist nun auch zum mittlerweile siebten Mal so. Der Funracer bietet das gewohnt gute Gameplay, alle liebgewonnenen Extras sowie einige spannende Neuzugänge. Der Umfang entspricht mit 32 Strecken dem der Vorgänger, dafür wurden die 16 altbekannten Strecken erstmals überarbeitet. Die vom DS bekannten Missionen wurden ersatzlos gestrichen, dafür bietet Mario Kart 7 das bisher beste Online-Erlebnis auf Nintendos 3DS. Wen der Mangel an echten Innovationen nicht stört, der erhält genau das, was er erwartet. Puren Rennspaß.

Screenshots

5 Kommentare zu „Im Test: Mario Kart 7 (3DS)“

  1. Ihr habt die Siegel für “Güteklasse A” und “Game Of The Year” vergessen! 😉
    Nun ja, ich hab’ das Spiel zugegebenermaßen noch nicht ausgiebig gezockt, aber selbst bei meinen seltenen Onlinerennen gab es haufenweise Lags oder “Fehler bei der Datenübertragung”. Insofern kann ich euch bei dem Punkt nicht ganz zustimmen.
    Ansonsten passt der Test, wie ich finde, ganz gut. Ich bin grob gesehen mit dem Spiel zufrieden und werde sicher noch öfter durchs Pilzkönigreich düsen, auch wenn mein Suchtfaktor bei weitem nicht mehr so hoch ist wie einst bei Mario Kart Wii.
    Es ist halt Mario Kart, wie ihr so treffend erwähnt. Also keine Revolution, aber sicher der beste portable Fun Racer.

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