Im Test: Kirby’s Adventure Wii (Wii)

Was lange währt, wird endlich gut – heißt es zumindest. Wie sieht es aber im Falle von Kirby’s Adventure Wii aus? Bereits vor Jahren hätte der Titel einst erscheinen sollen, doch erst jetzt hat er es in die Läden geschafft. Wir haben in unseren ausführlichen Test für euch herausgefunden, ob sich die Wartezeit gelohnt hat.

Die ersten Bilder zu einem Kirby-Spiel für den Nintendo Gamecube tauchten im Jahr 2004 auf. Nachdem der Titel mehrere Male verschoben wurde und letztlich ab 2006 für die Wii gelistet war, wurde es wieder still um das Spiel. Obwohl Nintendo einen Release im Jahr 2009 für Japan bestätigte, kam der Titel auch nach dieser Ankündigung nicht wie geplant auf den Markt. Stattdessen war Kirby Anfang 2011 endlich in dem Ableger Kirby und das magische Garn auf Nintendos weißer Fuchtelkiste zu sehen. Nun ist es also endlich soweit und wir bekommen mit dem mehrfach im Namen geänderten Kirby’s Adventure Wii letztlich das Spiel, welches schon vor Jahren hätte erscheinen sollen. Der japanische Titel Kirby’s Return to Dreamland macht dabei schon einmal klar, in welche Richtung es spielerisch geht. So haben wir es mit einem sehr klassisch angehauchten Teil der Reihe zu tun, den es in dieser Form auf einer Heimkonsole schon lange nicht mehr gab.

Die Geschichte von Kirby’s Adventure Wii ist dabei schnell erzählt. Der Sternenkreuzer Lor ist mit einem Schiff auf dem Planeten Pop gestrandet und hat das Problem, dass ihm zur Reparatur seines Schiffs diverse Ersatzteile fehlen. Kirby hat es sich zur Aufgabe gemacht, die fehlenden Teile zu besorgen, so dass der Sternenkreuzer letztlich wieder in Stand gesetzt werden kann. Dabei ist er in den einzelnen Welten unterwegs auf der Suche nach Zahnrändern und Sternen. In den aktuellen Levels gilt es dabei stets mehrere verschiedene Ebenen abzuschließen, die jeweils durch Türen miteinander verbunden sind. In der Rolle der rosa farbigen Kugel Kirby springt, schwebt und saugt man sich dabei durch die kunterbunten Stages auf der Suche nach dem Ausgang. Da sich Nintendos knuffiger Kugel natürlich alle möglichen Feinde in den Weg stellen, gilt es diese aus dem weg zu räumen. Dabei nutzt Kirby die Fähigkeit seine Feinde einfach einsaugen zu können. Ihr dürft euch dann entscheiden, ob ihr die eingesaugten Gegner entweder wieder ausspucken und damit den nächsten Feind beseitigen wollt, oder ob ihr eure Feinde schlicht und ergreifend verschluckt. Dies hat bei besonderen Gegnern den Vorteil, dass Kirby deren Eigenschaften annimmt.

Die Verwandlungsmöglichkeiten sind hier durchaus vielfältig und lassen viel Platz für Variationen im Gameplay. Mal könnt ihr Kirby mit einem Schwert bewaffnen, mal mit einem Bumerang, mal schwingt er wie einst Indiana Jones eine Peitsche durch die Gegend oder wirft mit Bomben um sich. Doch nicht nur mit Waffengewalt werdet ihr durch das Nachahmen der Gegner ausgestattet. Auch eure Fortbewegungsmöglichkeiten können sich ändern. Mit dem Wasser-Kirby dürft ihr wie auf einer Welle durch die Stage surfen, während euch ein Regenschirm sanft Abgründe nach unten gleiten lässt. Immer wieder entdeckt ihr neue Verwandlungsmöglichkeiten, die jedes Mal ausprobiert werden dürfen, bevor sie an einer späteren Stelle im Spiel hilfreich sein können. Einzig der schlummernde Kirby bringt euch nicht weiter. Euren mit einer Schlafmütze ausgestatteten Protagonisten allerdings bei einem kurzen Nickerchen betrachten zu dürfen, ist wirklich allerliebst umgesetzt worden. Werdet ihr von einem Kontrahenten getroffen, verliert ihr eure aktuelle Fähigkeit. In einem farbigen Stern springt diese durch die Gegend und kann noch für eine kurze Zeit von euch aufgesaugt und wieder angewendet werden. Eine Kraftleiste am unteren Bildschirmrand wird bei jedem Treffer natürlich reduziert. Ist sie komplett leer oder fallt ihr in eine Grube, müsst ihr vom letzten Tor aus erneut starten und verliert ein Leben. Damit eure Kraftleiste wieder gefüllt werden kann, hinterlassen zerstörte Steine teils Früchte, teils liegt das Obst auch einfach so an mehr oder weniger gut versteckten Stellen im Level herum und wartet nur darauf, von euch verputzt zu werden.

Sammelt ihr 100 Sterne auf, so klingelt euer Extraleben-Counter. Die vor allem in späteren Stufen teils gut versteckten Zahnräder sollten übrigens auch gesammelt werden. Sie schalten auf dem Sternkreuzer nach und nach diverse Räume frei, in denen ihr Herausforderungen absolvieren oder Minigames spielen dürft. Das Zeitlimit in den Herausforderungen zum Erreichen einer guten Punktzahl ist dabei durchaus knapp gesteckt und verlangen einiges an Können und Geschick. Die Minispiele wie beispielsweise das Wurfsternschießen machen dagegen vor allem in der Gruppe Spaß und sind eine nette Dreingabe. Moment mal, in der Gruppe? Richtig, denn Kirby’s Adventure Wii kann auch im Storymodus mit bis zu drei weiteren Freunden vor der Konsole gespielt werden. Zu jeder Zeit können sich weitere Spieler ins Geschehen einklinken und wählen, ob sie in der Form von Kirby, dem mit einem Schwert bewaffnete Meta-Knight, den Hammer schwingenden König Dedede oder den mit einem Speer ausgestatteten Waddle Dee steuern möchten. Während sie als Kirby dabei ebenfalls Gegner aufsaugen und deren Fähigkeiten nutzen dürfen, bleibt diese Option den anderen Spielfiguren verwehrt. Dafür verlieren diese bei Treffern ihre Waffen nicht. Die Mitspieler zehren dabei übrigens von eurer Lebensleiste, so dass alle gesammelten Extraleben immer für die komplette Gruppe gelten. Dafür könnt ihr euch nach dem Aufsammeln von Obst und Früchten von Angesicht zu Angesicht gegenseitig Energie schenken. Meiner Meinung nach sieht es aus, als ob die Spielfiguren dabei kurzzeitig knutschen, aber das nur am Rande. Die Kamera ist dabei natürlich konstant auf den ersten Spieler fixiert und zieht die anderen Spieler nach, sofern diese zu weit ins Hintertreffen geraten.

Spielerisch wurd Kirby’s Adventure Wii nicht nur wegen seines Mehrspielermodus abwechslungsreich umgesetzt. Auch für den Einzelspieler bietet der Titel genug Motivation. Immer wieder entdeckt man neue Fähigkeiten für die kleine Knutschkugel oder sieht sich neuen Gegnern gegenüber. Natürlich ist vor allem in den ersten Welten der Schwierigkeitsgrad nicht sonderlich hoch. Allerdings war die Kirby-Reihe auch noch nie dafür bekannt, nur für die absoluten Hardcore-Zocker geeignet und möglichst schwer zu sein. Die Kämpfe gegen die Zwischengegner wiederholen sich zwar hin und wieder, dafür wurden die Bossgegner meist recht gut in Szene gesetzt. Mit Super-Power saust Kirby nahezu unbesiegbar durch die Levels, die Mehrspieler-Spezial-Aktionen bringen ebenfalls Würze ins Spiel und wenn man mit der drohenden Finsternis im Nacken in gewissen Abschnitten der Stages auf Zeit durch verwinkelte Levelkonstruktionen eilen muss, dann kommt richtig Spannung auf. Natürlich sollte man keine spielerische Revolution erwarten, denn das Rad erfindet auch Kirby’s Adventure Wii nicht komplett neu. Dennoch bekommen Freunde des gepflegten Jump’n’Runs neues Futter, welches für einige Stunden gute Unterhaltung bietet.

Technisch reißt Kirbys neues Abenteuer dabei zwar niemanden vom Hocker, das muss es aber auch nicht. Das Spiel wurde, wie es sich für die Reihe gehört, bunt und farbenfroh umgesetzt. Die Animationen sind liebevoll gestaltet und – ich muss es noch einmal erwähnen – vor allem der schlafende Kirby ist einfach nur niedlich. Wer sich an zuckersüßer Optik stört, ist hier einfach falsch. Alle anderen dürfen sich aber an den stimmigen Kulissen und den abwechslungsreichen Welten erfreuen, die Kirby durch Graslandschaften, Höhlen, Wüsten, Bergwelten und vieles mehr bringen. Der Sound ist mit seinem japanophilen Gedudel im Hintergrund sicherlich nicht jedermanns Geschmack, passt aber zur Serie einfach wie die berühmte Faust aufs Auge. Die Steuerung wurde sehr präzise umgesetzt, so dass man stets die volle Kontrolle über seine Spielfigur behält. Mit quer gehaltener Wiimote kommt das Flair wie in den alten NES-Teilen auf, wobei es auf der Wii deutlich mehr Aktionsmöglichkeiten für Kirby gibt. Die speziellen Wii-Features wie das Schütteln der Wiimote kommt nur in sinnvollen Momenten zum Einsatz, wenn beispielsweise besonders große Gegenstände eingesaugt werden sollen. Dennoch übertreibt man es nicht, so dass die Motion Controls eher eine hin und wieder genutzte Beigabe sind.

Fazit

Alles in allem ist Kirby’s Adventure Wii wohl im Grund genommen so geworden, wie man es erwartet hätte: Bunt, knuffig und durch und durch süß. Fans der Knutschkugel kommen jedenfalls vollkommen auf ihre Kosten und dürfen sich freuen, dass Kirbys zweiter Ausflug auf der Wii stark an die traditionellen Teile der Serie angelegt ist. Das Aufsaugen und Schlucken der Gegner macht viel Laune. Zusammen mit anderen Spielern vor der Konsole kommt sogar noch mehr Spaß auf. Da verzeiht man den HAL Labs auch, dass das Spiel nicht sonderlich schwer und technisch keine Meisterleistung ist. Denn es macht einfach Spaß. Und das zählt.

Screenshots

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