Im Test: Straßen des Glücks (Wii)

Die virtuelle Umsetzung eines Brettspiels gepaart mit den Nintendo-Charakteren lässt für die meisten Spieler sicherlich nur den Schluss zu, dass wir es mit einem weiteren Teil der Mario Party-Reihe zu tun haben. Doch das muss nicht immer so sein, wie uns Straßen des Glücks beweist. Wir sind für euch just über jene Straßen auf dem virtuellen Spielbrett geflitzt und haben den Spielspaß ermittelt. Doch überzeugt euch am besten selbst…

Wer sich oberflächlich mit Straßen des Glücks beschäftigt, wird es wohl schnell als eine Art Monopoly mit Mario-Charakteren abspeisen. Das ist allerdings genauso falsch wie die Annahme, dass der Titel irgendwo auf Nintendos Mist gewachsen ist. Stattdessen war es niemand anderes als Dragon-Quest-Vater Yuji Horii, der vor etlichen Jahren das in Japan als Itadaki Street bekannte Konzept erdachte. Nachdem es die Umsetzungen für vorherige Konsolen und Handhelds bisher nicht in den Westen geschafft hatte, ist der Wii-Ableger nun die erste außerhalb Japans veröffentlichte Inkarnation der Serie. Die Nintendo-Charaktere wie Mario, Yoshi und Bowser dürften dabei in unseren Breitengraden wesentlich bekannter sein als die aus dem Dragon Quest-Universum stammenden Figuren wie der blaue Schleim oder Jessica, die dagegen wohl eher in Japan ihre Fans haben. Universell einsetzbar sind dagegen die eigenen Miis. Im Prinzip haben wir es bei Straßen des Glücks mit einer Mischung aus Brettspiel und Wirtschaftssimulation zu tun. Von daher ist der Vergleich mit Monopoly natürlich nicht komplett an den Haaren herbei gezogen. Allerdings unterscheidet sich Straßen des Glücks doch in einigen Punkten deutlich vom bekannten Brettspiel.

Fangen wir aber zuerst vielleicht mit den Gemeinsamkeiten an. Man wählt in Straßen des Glücks zu Beginn eine Spielfigur und muss diese mittels Würfelglück über ein virtuelles Spielbrett bewegen. Die aus Monpoly bekannten Straßen sind hier Läden, die käuflich zu erwerben sind. Kommt ein Gegenspieler auf einen im Besitz befindlichen Laden klingelt die Kasse. Später darf man die eigenen Läden auch ausbauen, um höhere Geldbeträge von Besuchern des Ladens zu kassieren. Soweit klingt das tatsächlich noch an Monopoly angelehnt. Einige Punkte machen Straßen des Glücks aber dann letzten Endes doch zu einem etwas anderen Spielerlebnis. Zwar gibt es auch eine einfache Variante, die sich für Einsteiger eignet. In der klassischen Variante des Spiels kommt allerdings auch der Kauf von Aktien ins Spiel. Hierbei lässt sich in bestimmte Straßenzüge investieren. Ihr verdient künftig dann jedes Mal daran, wenn in einem der dortigen Läden Miete gezahlt werden muss. Wer clever investiert, kann somit nicht nur die eigenen Mieteinnahmen erhöhen, sondern sogar von Zahlungen an die Konkurrenz profitieren. Einmal gekaufte Läden sind euch dabei nicht unbedingt immer sicher. Sofern ein Spieler einen Laden eines Gegenspielers betritt, wird nicht nur die Miete dafür fällig. Er erhält auch die Möglichkeit, zum fünffachen Preis des Ladens einen Zwangsverkauf zu veranlassen.

Um davor geschützt zu sein, sollte man in seinen Laden investieren und diesen aufmöbeln. Das kommt durchaus dem Häuserbau bei Monopoly gleich und erhöht den Wert des jeweiligen Ladens. Besitzt man mehere nebeneinander liegende Läden, bzw. mehrere Läden im selben Bezirk, lässt sich der Wert der Läden ebenfalls steigern. In diesem Moment steigt auch das maximale Kapital, welches man in einen Laden investieren kann. So lässt sich vermeiden, dass die anderen einem selbst wichtige Läden wegschnappen, da irgendwann der Zwangsverkauf für einen aufgewerteten Laden astronomische Höhen erreicht. Abgeseehn von den Läden selbst, gibt es in Straßen des Glücks auch eine weitere Möglichkeit, Geld zu verdienen. Auf jedem Spielfeld finden sich vier Farben verstreut. Jede Farbe gilt es einmal zu sammeln und danach wieder das zentrale Feld der Bank zu überqueren. Dann nämlich wird man befördert, steigt im Level auf und erhält eine Prämie. Mit jedem Level steigt dabei die erhaltene Prämie an. Zudem gibt es mehr Kohle, je mehr Läden man besitzt und je weiter diese ausgebaut sind. Allzweck-Karten, die man auf verschiedenen Feldern und in kleinen Spielchen verdienen kann, ersetzen dabei beliebige Farben und ermöglichen eine schnellere Beförderung. Auf jedem Spielbrett existieren noch einige besondere Felder. Auf dem Glücksfeld erhöhen sich die eigenen Einnahmen in der nächsten Runde, das Würfelfeld lässt euch erneut würfeln, das Ruhefeld lässt eure Läden schließen und so weiter und so fort. Teils befinden sich auch das Spielfeld verändernde Felder auf dem Brett, indem Teile des Spielfelds verschoben werden, ihr euch mit Kanonen und Warp-Portalen durch die Gegend teleportiert und dergleichen mehr.

Generell wird bei Straßen des Glücks solange gespielt, bis einer der Spieler eine vorher vereinbarte Gewinnsumme erreicht hat. In der Tour, quasi dem Einzelspieler-Modus des Titels, wird die Gewinnsumme dabei fest vorgegeben. Im freien Spiel mit anderen Mitspielern dagegen lässt sich die Summe etwas freier festlegen. Das ist auch gut so, denn eine normale Runde kann gut und gerne zwei bis drei Stunden dauern. Das liegt unter anderem daran, dass die einzelnen Spielzüge nicht sonderlich schnell vonstatten gehen. Die Spielzüge der KI lassen sich dabei kaum beschleunigen, so dass man durchaus eine Portion Geduld mitbringen muss, wenn man alleine spielt. Belohnt wird man allerdings mit freischaltbaren Kostümen für eure Charaktere, neuen Spielfiguren selbst sowie neuen Spielbrettern, wenn ihr die Bretter der Mario- sowie der Dragon Quest-Tour erfolgreich absolviert habt. Das dürfte euch jedoch durchaus ein paar Stunden kosten, da die CPU-Gegner schon auf den ersten Brettern teils unverschämt viel Glück haben und sich mitunter etwas unfair dem Spieler gegenüber verhalten. Jüngere Spieler, die rein von der Optik her sicherlich von dem Titel angesprochen werden dürften, werden davon eher frustriert sein. Deswegen empfiehlt es sich hier lieber mit menschlichen Mitspielern eine Runde über die Straßen des Glücks zu ziehen. Wer keine Freunde zur Hand hat, darf sich auch mittels der Nintendo WiFi-Connection Mitspieler suchen. Passende Mitspieler findet man zwar nicht sofort und zu jeder Tageszeit, kann aber durchaus auch online ein paar nette Stunden verbringen.

Rein technisch gesehen haben wir es bei Straßen des Glücks mit einem eher mittelprächtigen Spiel zu tun. Die Entwickler aus dem Hause Square Enix haben sich für bunte Bonbonfarben und einen niedlichen Look entschieden, der natürlich wie die Faust aufs Auge zu den knuddeligen Charakteren und den entsprechend ausgerichteten Spielbrettern passt. Trotz Detailverliebtheit in den einzelnen Stages lockt der Titel niemanden optisch hinter dem Ofen hervor. Die Texturen hätten hier und da ruhig etwas schärfer und knackiger ausfallen können. Auf spezielle Effekte muss man zudem verzichten. Von daher wäre hier sicherlich mehr drin gewesen. Allerdings passt die Optik zum Spielgeschehen und funktioniert auch einfach so, ohne dass wir es mit einem sonderlich anspruchsvollen Titel zu tun haben. Die Soundeffekte sind durchschnittlich und passen zum Spielgeschehen. Eine Frage der eigenen Nerven ist die musikalische Untermalung. Da sich die Stücke ab einem gewissen Zeitpunkt wiederholen, sind diese bei Spielzeiten von drei Stunden pro Spielbrett irgendwann alle mehr oder weniger nervtötend. Die teils recht schnell dudelnde Melodie des Baby Parks verursacht dabei bereits nach wenigen Minuten nervöses Wimpernzucken und verkrampfte Finger, während man in anderen Stages erst nach einer guten halben Stunde den Ton ausschaltet.

Fazit

Um Straßen des Glücks zu mögen, muss man nicht nur die Charaktere aus dem Mario- und Dragon Quest-Universum mögen, sondern eine Vorliebe für virtuell umgesetzte Brettspiele haben. Das an Monopoly angelehnte Spielprinzip überzeugt dabei mit ein paar taktischen Finessen, die durchaus ein gewisses Suchtpotenzial auslösen können. Freischaltbare Extras und neue Charaktere erhöhen dabei die Langzeitmotivation. Alleine werden nur beinharte Fans des Spielkonzepts lange Spaß mit dem Titel haben. Mit Freunden oder unter Nutzung der WiFi-Connection findet man dagegen länger Gefallen an dem Titel. Als ungewöhnliches Konzept mit technisch mittelmäßiger Umsetzung ist Straßen des Glücks somit sicherlich ein Titel, der nur den Geschmack einer kleinen Gruppe trifft. Diese kann sich aber durchaus etliche Stunden mit dem Spiel beschäftigen.

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4 Kommentare zu „Im Test: Straßen des Glücks (Wii)“

  1. Gut geschriebener und sehr informativer Test.

    Ich muss sage, dass mich das Spiel auf eine gewisse Art und Weise reiz. Aber die lange Spielzeit für eine Runde und die nervige Musik sind für mich zwei Negativpunkte, die mich doch wieder abschrecken. Vielleicht hol ich es mir wenn es günstiger geworden ist. 45-50 Euro wäre es mir definitiv nicht Wert. Bei 20 Euro reden wir noch mal drücber.

  2. Hab auch schon überlegt das Spiel zu kaufen, jedoch ist mir der aktuelle Preis von knapp 50 – 60 Euro einfach viel zu hoch.

    Ich sehe das so wie Dekstar: Für 20 – 25 Euro ist es eine Überlegung wert.

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