Im Test: Binary Domain (Xbox 360)


Es darf wieder geballert werden. Sega schickt mit Binary Domain einen neuen Third Person-Shooter ins Rennen, der gegen die große Konkurrenz in dem Genre bestehen möchte. Wir haben für euch die Wummen gezückt und verraten euch, inwiefern das gelungen ist…

Es gibt unzählige Visionen davon, wie es in der Zukunft auf unserem Planeten aussehen und zugehen wird. Segas Entwickler von Amusement Vision stellen sich das in etwa so vor: Neben dem Klima kommt die größte Bedrohung für die Menschheit aus Japan. Dort nämlich sitzt der Amada-Konzern und dessen gleichnamiger Chef ist zwar ein Genie im Bereich der Robotertechnik, verstößt aber gegen Paragraph 21 der neuen Genfer Konvention. Dieser besagt, dass Roboter zwar im Haushalt als Hilfe geduldet werden, allerdings dürfen sie nicht als menschlicher Organismus getarnt sein. Genau daran forscht allerdings Amada. Und genau an dieser Stelle kommt ihr ins Spiel, denn als Mitglied der International Robot Technology Agency müsst ihr zusammen mit eurem Teampartner Big Bo den Konzern infiltrieren, Amada ausfindig machen und nach und nach eine offenbar riesige Verschwörung aufdecken.

Nach der kurzen Einleitung, in der man euch mit der Steuerung des Spiels in einer Art Tutorial vertraut macht, stoßt ihr auch schon auf den Rest eurer Einheit. Nun kommt es immer wieder vor, dass ihr euch in bestimmten Abschnitten für ein paar Teammitglieder entscheiden könnt, die euch auf eurem Weg begleiten. Dabei könnt ihr euch die einzelnen Fähigkeiten eurer Teampartner zunutze machen und euer Team entsprechend auswählen. Wollt ihr lieber mit Big Bo den starken Kämpfer an eurer Seite haben, der mit seiner guten Panzerung auch an der Front einiges einstecken kann? Oder entscheidet ihr euch eher für die flinke Chinesin Faye, die mit ihrem Scharfschützengewehr Gegner aus der Distanz ausschalten kann? Egal wie eure Entscheidung ausfällt, das Grundprinzip des Spiels bleibt dabei immer gleich: Hastet von einer Deckung zur nächsten, nehmt euch dabei vor den Feinden in acht und pustet diese aus dem Weg. Positiv fällt dabei auf, dass Binary Domain von der Story und dem Setting her nicht in das typische Genreklischee fällt. Die Geschichte rund um Roboter in einer Menschenhaut ist durchaus gelungen und wirft immer wieder Fragen auf, über die man ruhig nachdenken kann. Wann ist ein Roboter noch eine Maschine und wo sind die Grenzen, wenn Roboter menschliche Züge aufweisen? Anstatt sich auf die üblichen Geschichten rund um Aliens und Verschwörungen zu stürzen, hat man hier bei Sega durchaus interessante Aspekte ins Spiel mit eingebracht.

Das gilt auch für die Einbringung einer Sprachsteuerung. Über das Headset lassen sich bestimmte Befehle an eure Teamkollegen erteilen oder antwortet in den Zwischensequenzen auf die Vorschläge und Fragen eurer Partner. Die Beziehung zu euren Kollegen basiert dabei auf Vertrauen, welches ihr euch anfangs erst erarbeiten müsst. Durch die passenden Antworten baut ihr das Vertrauen auf. Verhaltet ihr euch dagegen unkollegial, schwindet das Vertrauen. Dies hat mitunter zur Folge, dass eure Partner nicht mehr auf eure Befehle reagieren, wenn ihr sie beispielsweise zum Angriff nach vorne schickt. Vom Prinzip her ist dieses System eine ganz gute Idee. Die praktische Umsetzung besitzt allerdings durchaus noch Verbesserungspotenzial. Denn eure Teamkollegen rennen euch immer wieder vor die Flinte, während ihr gerade ein paar Roboter im Visier habt. Natürlich werden sie von euren Schüssen getroffen und zicken euch daraufhin an, warum ihr denn keine Augen im Kopf hättet. Ihr solltet auch darauf achten, dass euer Fernseher nicht zu laut gestellt ist und es keine anderen Nebengeräusche gibt. Denn sonst kommt es immer wieder vor, dass eure Kollegen ein „dumm“ aus eurem Mund erkennen (obwohl ihr das gar nicht gesagt habt), woraufhin das Vertrauen in euch sinkt. Zum Glück seid ihr mit den richtigen, netten Antworten immer auf der sicheren Seite und habt auch schnell wieder das Vertrauen eurer Teammitglieder erlangt. Hier wäre jedenfalls mehr drin gewesen, zumal auch die taktischen Befehle in der Schlacht sich im Prinzip auf den Angriff oder den Rückzug beziehen. Es gibt zwar mehrere verschiedene Befehle, die ihr erteilen könnt, einen wirklichen Unterschied in der Reaktion eurer Partner könnt ihr allerdings nicht feststellen. Eine taktische Komponente hätte hier sicherlich viel zum Spielgefühl beigetragen, da man so mehr Wert auf die Interaktion mit den Teamkollegen hätte legen müssen. Stattdessen stimmt ihr in der Regel immer zu, damit ihr am effektivsten nach vorne kommt und erledigt den Großteil der Arbeit ohnehin im Alleingang.

Immerhin hat man seitens Sega hin und wieder das an sich doch recht eintönige Spielprinzip aufgelockert. Es erinnert zwar in vielen Punkten – und nun muss der Vergleich an dieser Stelle doch einmal sein – an bekannte Genregrößen wie Gears of War und erfindet das Rad nicht neu, aber das muss auch nicht immer sein. Mal schliddert ihr wie auf einer riesigen Rutsche einen Kanal nach unten, mal müsst ihr auf einem Jetski durch die Kanalisation düsen und Minen sowie feindlichen Projektilen ausweichen, mal schwimmt ihr auf der Flucht vor euren Angreifern durchs Wasser und müsst darauf achten, nicht entdeckt zu werden. Das bringt immer wieder Abwechslung ins Spiel und macht vor allem in den ersten Stunden durchaus Spaß. Negativ fällt allerdings auf, dass man sich bei der Waffenauswahl nicht wirklich viel Mühe gegeben hat. Hier erwartet den Spieler lediglich das übliche Standardrepertoire. Einzig die Möglichkeit eure Standardknarre elektrisch aufzuladen und damit einen Schuss abzufeuern, der die Roboter bewegungsunfähig macht, ist neu. Gerade von einem futuristischen Shooter hätte man sich in diesem Punkt jedoch deutlich mehr Kreativität erwünscht. Wesentlich mehr wäre auch in Sachen Onlinemodus drin gewesen. Dieser ist sehr rudimentär gehalten und kann bei weitem nicht mit dem mithalten, was die Konkurrenz im Genre hier bietet.

Technisch sind ebenfalls gute Ansätze vorhanden, die man aber hätte noch ausbauen können. Die Gesichter der Protagonisten wirken teils etwas statisch und steif, manchmal hätten auch die Animationen etwas besser sein dürfen. Und hin und wieder fragt man sich, warum die Texturen der Umgebungen so trist ausgefallen sind. In anderen Momenten überzeugt der Titel durch ein paar tolle Effekte, gefällt dank dem authentisch wirkenden Design der Robo-Menschen und wartet mit ein paar netten und teils fulminanten Bossgegnern auf. Der Sound in Binary Domain ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite hat man sich die Mühe gemacht und das Spiel komplett deutsch vertont. Auf der anderen Seite agieren gerade die deutschen Synchronsprecher mitunter etwas gelangweilt und wirken nur bedingt authentisch in ihren Rollen. Es gibt jedoch auch Charaktere, die recht gut synchronisiert wurden. Passende Soundeffekte und eine an sich gute, aber sich zu oft wiederholenden Musikuntermalung, runden das Game ab.

Fazit

Insgesamt ist Binary Domain zwar kein absoluter Knaller geworden, macht in seinem Genre aber vieles richtig. Verglichen mit der starken Konkurrenz im Bereich der Third Person-Shooter zieht Binary Domain zwar den Kürzeren, vermag aber dennoch Freunden des Genres zu gefallen. Vor allem der Einzelspieler-Modus punktet mit ein paar netten Ideen und abwechslungsreichen Aufgaben. Auch die Geschichte rund um vermenschlichte Roboter in der Zukunft hebt sich vom Genre-Standard ab. Wer dem Spiel also seine kleinen Schwächen verzeihen kann und nicht viel Wert auf einen umfassenden Online-Modus hat, kann mit Binary Domain ein paar unterhaltsame Stunden verbringen.

Screenshots

Hinweis: Die  Screenshots in diesem Artikel stammen von Sega.

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