Ausstellung rund um den Apfel: Der i-Kosmos im Museum für Angewandte Kunst

Ausstellung rund um den Apfel: Der i-Kosmos im Museum für Angewandte Kunst

Was machen zwei Press-A-Button-Redakteure an einem Samstag, an dem sie nichts anderes zu tun haben? Man könnte ja meinen, sie würden ihrem Lieblingshobby frönen und sämtliche Controller des Haushalts zum Glühen bringen. Aber nein – es gibt doch so viele Dinge zu entdecken rund um unser liebstes digitales Hobby. Das dachten jedenfalls Andreas und ich, als wir uns entschieden, einen Abstecher nach Frankfurt am Main zu machen, um das Museum für Angewandte Kunst zu besuchen.

„Der i-Kosmos – Macht, Mythos und Magie einer Marke“, so der Titel der noch bis 12. Juni 2011 andauernden Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst. Bevor ich jedoch über den mehr oder weniger gehaltvollen Inhalt eben dieser Ausstellung referiere, möchte ich über eine kleine Anekdote im Vorfeld berichten. Eine Anekdote, ohne die dieser Bericht vielleicht gar nicht entstanden wäre

Um zumindest an Samstagen zum Eingang des Museums zu gelangen, muss man die halbe Strecke des nicht gerade kleinen Flohmarkts am Museumsufer überqueren. Ich wartete an der Museumszufahrt noch einige Minuten bis Andreas vom Bahnhof zum Treffpunkt kam. Eingerahmt war ich von einem jungen Kerl, der alte Ölgemälde überwiegend christlicher Natur anbot und auf der anderen Seite waren zwei besonders spitzfindige Burschen, die sich permanent darüber zu wundern schienen, warum sich ihr doch sehr benutzt aussehendes Küchenbesteck nicht verkaufte. Der interessanteste Schauplatz bot sich jedoch gegenüber auf der anderen Straßenseite, wo ein südländisch aussehender Typ versuchte, Fahrräder an den Mann oder die Frau zu bringen. Augenscheinlich gebrauchte Räder dubioser Herkunft, wohl in der heimischen Garage mit allerlei anderen Ersatzteilfundstücken wieder in Gang gebracht, wechselten hier für‘n Zwanni oder einen Fuffi den Besitzer. Ich muss gestehen, dass ich mich gleich bei einem Klischeegedanken ertappte, der einfach von hinten und ohne anzuklopfen mein Hirn betrat: „Der rippt die doch mit Sicherheit alle ab!“
Nachdem ich diese Szenerie eine Weile so betrachtete, konnte mir jedoch ein charmantes Detail nicht entgehen. Ein älterer Mann in lumpigen Klamotten (scheinbar ein Obdachloser oder zumindest nah dran) schlawenzelte die ganze Zeit in und um den Stand des kleinen, kugeligen Fahrradverkäufers. Irgendwann sah ich auch warum – der Alte hielt die Fahrräder in Schuss, pumpte die Reifen auf und desinfizierte(!) sogar die Sättel nach jeder Probefahrt. Der Ton, den der Standbesitzer gegenüber dem alten Mann anschlug, war im Übrigen auch sehr respektvoll – fast noch netter als bei den potenziellen Kunden.

Nach ein paar Minuten tauchte zudem noch ein zwielichtig drein schauender Typ mit einem Seesack auf, der den Fahrradverkäufer schlicht, ergreifend und vor allem unfreundlich mit der Tatsache konfrontierte: „Ich hier Schuhe verkaufe!!!“ Ich freute mich schon auf Popcornkino der Marke „Tod am Museumsufer“ – aber Don Bicicletta belehrte mich wieder eines Besseren. Mit stoischer Ruhe räumte er zwei Fahrräder beiseite und meinte etwas forsch „Mach doch!“ und schon hatte das Co-Working auf dem Flohmarkt Einzug erhalten. Zu guter Letzt stellte ich mir noch die Frage, wie zum Teufel dieser Kerl alle Jungs und Mädels im Blick hat, die mit seinen Fahrrädern Probetouren machten. Erst dann fiel dem aufmerksamen Beobachter auf, dass da mindestens drei Typen im Umkreis von 15 Metern um den Stand ständig ihre Blicke auf die Fahrräder richteten und ab und zu mal ein „Ich gugg disch!“ und „Ey, lasse hier!“ los wurden. Ich hätte das noch den ganzen Tag beobachten können, aber irgendwann kam ja auch Andreas und wir wollten was arbeiten. Kommen wir nun zum Inhalt der Ausstellung und ich kann Euch sagen: Meine zwanzig Minuten auf dem Flohmarkt waren spannender!

Zuerst einmal galt es 8 Euro Eintritt zu berappen und den Weg ins Obergeschoss des Richard Meier-Neubaus anzutreten. Der Eintritt gilt im Übrigen für jede gerade stattfindende Ausstellung im Museum. Im Eingangsbereich zur i-Kosmos-Ausstellung informieren große Banner über den Siegeszug der Marke Apple – in erster Linie festgemacht an der iKultur. Und genau da liegt auch das Problem, das sich wie ein roter Faden durch die ganze Ausstellung zieht. Wer tiefere Einblicke in die Firmengeschichte von Apple erwartet, der wird enttäuscht. Keine Bilder vom Trio Jobs-Wozniak-Wayne, wie sie in der heimischen Garage an den Prototypen von Apple I & II herumbastelten. Generell fehlten biographische Hintergrundinformationen fast gänzlich und die Informationen, die man im Eingangsbereich lesen konnte, blieben nahezu die einzigen. Wer aber ein bisschen im Netz stöbert, der dürfte alleine schon über Wikipedia alles herausbekommen, was dem Besucher hier als Info geboten wird.

Dafür wurden Geräte aus allen Epochen von Apple präsentiert, leider oftmals mit mangelhafter Erklärung, wenn man sich nicht für knappe 30 Euro das begleitende Apple-Bildband kauft. Die Fläche, auf der die iWelt des ärgsten Microsoft-Konkurrenten dargestellt wird, ist zudem sehr überschaubar. Andere wohnen auf solchen Quadratmeterzahlen. Um die Ausstellung noch etwas mit Anschauungsmaterial zu füllen, sollte wohl noch ein bisschen iLebensgefühl vermittelt werden. Nicht nur Elektronika aus dem Hause mit dem bunten Apfel gibt es zu sehen – nein, auch der Gameboy inkl. Printer und Cam fand hier sein Eckchen, alte Walk- und Discmen können bestaunt werden und in einer separaten Vitrine widmet sich alles der Geschichte der Datenträger von alten Tonbändern über 5,25“-Disketten bis hin zu DVD und BluRay.

In einem weiteren Nebenraum befindet sich noch allerlei i-esques Mobiliar, Toaster, Wecker, Spiegel und Konsorten. Alles im puristischen Stil gehalten zeigt es, dass die futuristischen und sterilen Zukunftsvorstellungen der 70er Jahre irgendwie doch teilweise durchgesetzt haben. Während wir in diesem Raum übrigens gerade ein weißes Sitz-Ei begutachteten, welches das einzige ausgestellte Produkt der ehemaligen DDR war, fiel unser Blick auf ein tickendes Gerät. Darin befand sich eine Papierrolle, auf der eine Nadel dünne Messlinien zeichnete. Da es sich dabei wohl kaum um einen Seismographen handeln konnte, fragten wir eine der beaufsichtigenden Damen, was denn da so tickt. Ihr Gesicht hättet Ihr mal sehen sollen …

Das war auch das letzte nennenswerte Ereignis unserer kurzen Stippvisite in Frankfurt. Nachdem die Dame uns dann erklärt hatte, dass dieses Gerät die Raumfeuchtigkeit misst und uns noch gefühlte zwanzig weitere Informationen gab, ohne dass wir danach gefragt hätten, sind wir dann lieber nochmal eine Runde über den Flohmarkt. Und nein – wir haben uns kein Fahrrad gekauft.

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